Anschlag auf das Oktoberfest Regierung lässt Vorwürfe gegen BND prüfen

13 Menschen kamen 1980 beim Anschlag auf das Oktoberfest in München ums Leben. Bisher galt das Attentat als Werk eines rechtsextremistischen Einzeltäters. Nun prüft der Generalbundesanwalt Berichte über eine Beteiligung des Bundesnachrichtendiensts.

Von Tanjev Schultz

Der Generalbundesanwalt prüft Berichte über eine Beteiligung des Bundesnachrichtendiensts (BND) am Anschlag auf das Münchner Oktoberfest im Jahre 1980. Aus "kriminaltaktischen Gründen" könnten derzeit aber keine Einzelheiten genannt werden, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken.

Hintergrund sind Aussagen eines Mannes, der in mehreren Interviews behauptet hat, sein Vater habe damals im Auftrag des BND den Anschlag vorbereitet. Das Attentat, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen, gilt bisher als das Werk eines rechtsextremistischen Einzeltäters. Von Anfang an kursierten jedoch Vermutungen, der Täter könnte nicht allein gehandelt haben. Bei einem Prozess in Luxemburg gab der Zeuge vor Kurzem diesem Verdacht neue Nahrung.

Andreas K. hat in einer eidesstattlichen Erklärung dargelegt, dass sein Vater im Rahmen geheimer BND- und Nato-Operationen an Anschlägen in Luxemburg beteiligt gewesen sei. Der Vater habe ihn ins Vertrauen gezogen, weil er den Sohn als Agenten habe aufbauen wollen, sagte der Mann, dessen Glaubwürdigkeit unklar ist, in einem Interview mit der Jungen Welt. Nach Angaben des luxemburgischen Nachrichtenportals Wort haben Angehörige des Mannes dessen Aussagen in Zweifel gezogen; es könnte sich um einen Profilneurotiker handeln.

Der Vater starb voriges Jahr, er soll Hauptmann bei der Bundeswehr gewesen sein. Die Bundesregierung bestätigt, dass es einen Hauptmann gab, auf den die Daten zutreffen. Der Sohn behauptet, sein Vater sei zudem BND-Agent und ein "echter Rechtsradikaler" gewesen. Er habe die Bombe für das Attentat in München mitgebaut. Die Bundesregierung teilt mit, bisher hätten Recherchen keine Hinweise auf eine BND-Tätigkeit erbracht.

Ungeachtet dessen habe die Regierung eine weitere Prüfung veranlasst. Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, verwies darauf, dass die BND-Akten noch nicht vollständig erschlossen seien. Es würde "mit Sicherheit noch so manche Leiche im Keller des BND" liegen. Es gehe um nicht weniger als um den Verdacht auf eine "staatsterroristische Vereinigung", sagte Jelpke. Die Regierung müsse dies aufklären.