Zum Tod von Vivi Bach Mit Dynamit

Dietmar Schönherr und Vivi Bach 1969 in einer Drehpause zur Science-Fiction-Serie Tona - Lady aus dem Weltraum.

(Foto: dpa)

Sie wurde die "dänische Bardot" genannt und mit Dietmar Schönherr in den Sechzigern zum Traumpaar des deutschen Fernsehens: Die Sängerin und Schauspielerin Vivi Bach. Nach ihren Erfolgen konzentrierte sie sich auf die Rolle der "Frau von". Nun ist sie mit 73 Jahren auf Ibiza gestorben.

Ein Nachruf von Martin Zips

Die Frau ist hübsch, der Mann klug - vor der Kamera waren das die Rollen von Vivi Bach und Dietmar Schönherr, dem seit 1965 auch privat liierten deutschen Fernsehtraumpaar. Ende der Sechzigerjahre hatten die gesellschaftlichen Umbrüche das Unterhaltungsprogramm erreicht, Opas Fernsehen sollte weichen, Wünsch Dir was war geboren. Mit dieser Show werde man "alte Zöpfe abschneiden", sagte der Österreicher Schönherr gleich zu Beginn.

Seine Frau Vivi, eine aus Dänemark stammende Bäckerstochter, Sängerin und Schauspielerin lächelte als Co-Moderatorin brav dazu. In Deutschland war Bach durch Rollen in Die Abenteuer des Grafen Bobby, der TV-Serie Raumpatrouille (neben Schönherr) und Schlager wie "Alle Männer sind Räuber" bekannt geworden. Wünsch Dir was folgte dann eher der Zeile aus dem gemeinsamen Bach-Schönherr-Song: "Komm zur Molotow Cocktail Party und bring 'ne Tüte Dynamit mit".

Das Dynamit, das waren in dieser Skandalshow Kandidatinnen in durchsichtigen Blusen oder die Idee, eine Familie live im Auto zu versenken. Der Sender wählte ein britisches Modell, das Öffnen der Griffe gelang den Kandidaten nicht sofort - auch das Fernsehpublikum hielt den Atem an. Über den Sieger wurde daheim zum Beispiel am Lichtschalter entschieden.

Bachs Moderationsleistung bestand darin, im städtischen E-Werk die Watt-Wertung für die Kandidaten abzurufen. Mehr Emanzipation war nicht. Nach 24 Folgen wurde die Show 1972 abgesetzt, die Österreicher hatten eine Nelke in Schönherrs Knopfloch als Wahlempfehlung für die Sozialdemokraten interpretiert. Das war zu viel. Die Zukunft gehörte Kulenkampff und Carrell.

Schönherr, der Bach kennengelernt hatte, als sie mit ihrem ersten Mann erfolglos eine eigene Filmproduktion auf die Beine stellen wollte, konnte später als Moderator der Talkshow Je später der Abend reüssieren. Vivi Bach hingegen scheiterte mit einer vom WDR extra auf sie zugeschnittenen Personality-Show, nahm 1976 eine letzte Platte auf und konzentrierte sich fortan auf ihre Rolle als "die Frau von".

Nicht leicht, denn spätestens seit ihr Mann US-Präsident Reagan als "Arschloch" beschimpft hatte, war der "Medien-Guerillero" nicht mehr überall wohl gelitten. Die einst als "dänische Bardot" gerühmte Bach illustrierte Kinderbücher und unterstützte Schönherr bei wohltätigen Projekten. In den Neunzigerjahren zog sich das Paar nach Ibiza zurück. Dort starb Vivi Bach am Montag in der Wohnung, in der sie mit dem heute 86-jährigen Schönherr lebte. Sie wurde 73 Jahre alt.