Vorgefertigtes Interview Niedersachsens Ministerpräsident McAllister fragt sich selbst

Schmeichelhafte Fragen und jede Menge Gelegenheit zur Selbstdarstellung: Die niedersächsische CDU verschickt ein vorformuliertes Interview mit dem Ministerpräsidenten an kleine Anzeigenblätter. Der Parteisprecher sagt, man habe den kleinen Zeitungen nur helfen wollen. Journalisten und die Opposition sind empört.

Kleine Zeitungen, zumal solche auf dem Land, haben nur sehr wenig Personal. Ein einziger Redakteur muss oft mehrere Seiten produzieren, Termine wahrnehmen, Interviews führen, Texte schreiben, kurz gesagt: Er erstickt häufig in Arbeit.

Die niedersächische CDU hat sich der Nöte dieser Zeitungsmacher angenommen. Etwa 150 Anzeigenblätter im Land erhielten ein Interview mit Ministerpräsident David McAllister. Fragen und Antworten, fertig vorformuliert, sofort druckreif sozusagen.

In dem Interview wird McAllister unter anderem gefragt, wo er Urlaub macht, ob im Wahlkampf Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Niedersachsen kommt und ob er Ministerpräsident bleibt. Die offensichtlich unkritischen Fragen, die McAllister ausführlich Gelegenheit geben, sich von seiner besten Seite darzustellen, sorgen jetzt für Ärger. Hendrik Zörner, der Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes, sprach bei Spiegel-Online von einem "plumpen Versuch, die Anzeigenblätter in den CDU-Wahlkampf einzuspannen".

Inzwischen hat die Niedersachsen-CDU das Interview zurückgezogen. Parteisprecher Torben Stephan entschuldigte sich beim Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Michael Konken für das Vorgehen. Er habe das Angebot ohne Rücksprache gemacht: "Ich nehme das voll auf meine Kappe. Es war keine böse Absicht", so Stephan auf Anfrage.

Den Text hat Stephan nach eigenen Angaben aus Antworten in anderen Interviews zusammengebaut. Eine Freigabe des Interviews durch McAllister sei nie erfolgt. Es sei lediglich der Versuch gewesen, den Anzeigenblättern zu helfen.

Die SPD griff den Regierungschef scharf an. "Wenn es schlecht läuft, greift Herr McAllister immer auf das gleiche Schema zurück: 1. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. 2. Schuld ist immer der Pressesprecher", heißt es in einer Mitteilung.