Tele 5 krempelt Programm um Eigentlich geil

Seit Kai Blasberg bei Tele 5 ist, geht es aufwärts mit dem Sender. Mit der Verpflichtung von Oliver Kalkofe und Benjamin von Stuckrad-Barre hat er dem "Star-Trek"-Kanal ein neues Profil verpasst. Die Konkurrenz staunt - und Blasberg verhandelt jetzt mit Thomas Gottschalk.

Von Simon Feldmer

Kai Blasberg hat nichts dagegen, wenn bei der Arbeit ein wenig Schaum entsteht. Schaumschläger, so soll ihn der Chef eines großen Senders einmal genannt haben. Blasberg stört das nicht. Im Gegenteil. Er hat in den vergangenen Monaten einiges dafür getan, dass sein kleiner Sender fast mehr Schlagzeilen produziert hat als die Großen, als RTL, Pro Sieben, ZDF, und wie sie alle heißen.

Kai Blasberg, der Geschäftsführer des Spielfilm-, Serien- und Star Trek-Kanals Tele 5, könnte die Aufmerksamkeit rundherum genießen. Er geht ein paar Schritte durch sein Büro, nimmt Gummibärchen aus einem Glas und hält seinem Besucher die DVD seiner aktuellen Lieblingsserie, der dänischen Politserie Borgen, vor die Nase. "Großartig, wirklich ganz großartig", sagt Blasberg. Borgen lief gerade in der zweiten Staffel auf Arte, mal wieder, ohne dass es groß aufgefallen wäre.

Blasberg kennt das. Auch Tele 5 sendet meist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze der meisten Zuschauer. Im Schnitt kam der Kanal im Jahr 2012 auf einen Marktanteil von 1,3 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. In den starken Tele 5-Stunden am Abend kratzt der Sender an der Zwei-Prozent-Marke. Aber es wird mehr, kontinuierlich.

Blasberg lässt sich bedächtig in eine Ledergarnitur plumpsen. Ihm ging das angeblich alles ein bisschen zu einfach zuletzt. Von seinem Büro auf dem Gelände des Bavaria-Film-Studios im Münchner Süden hat er eine ordentliche Welle losgetreten, weil er ein paar Störenfrieden des TV-Mainstreams wie Christian Ulmen, Oliver Kalkofe und Benjamin von Stuckrad-Barre eine Heimat geboten hat - in einem Sender, vom dem das niemand erwartet hätte.

"Heidi Klum? Zwegat? Lange her jedenfalls"

Genau das sei das Problem, sagt Blasberg und schiebt sich noch ein Gummibärchen zwischen die Zähne: "Es ist ein schlechtes Zeichen für die gesamte TV-Branche, wenn um etwas eigentlich ganz Normales, also ein paar ungewöhnliche Formate und Programmierungen, schon ein kleiner Hype entsteht. Die Aufmerksamkeit ist nur deshalb groß, weil die anderen gar nichts Neues zu erzählen haben." Mit seinem dunkelblauen Flanellsacko, den gelben Socken mit roten Ringeln und seinen schwarzen Haaren, die ihm etwas zu Berge stehen, könnte Blasberg ohne Probleme auf dem nächsten Konzert seiner Lieblingsband, der britischen Ska-Pop-Combo Madness, auf der Bühne stehen und in die Trompete blasen.

Blasberg, 47, beherrscht den Auftritt. "Was war denn die letzte große Innovation im deutschen Fernsehen? Heidi Klum? Zwegat? Lange her jedenfalls", sagt der Tele 5-Chef. Er spricht ruhig, ohne Ähs und Ahs, wohlüberlegt und immer mit einem provokanten Unterton. Andere Fernsehmacher werden über seine Sätze mal wieder die Nase rümpfen. Werden sich denken: Ach, der Blasberg, hat leicht reden mit seiner Film- und Serienklassiker-Abspielstation, nudelt Dirty Dancing, Der kleine Vampir, Rambo, Stargate runter und redet schlau daher!

Doch während sie stöhnen, werden sie wohl auch spüren, wie Recht er hat, ihr ehemaliger Kollege.