Sportberichterstattung in Großbritannien Platzsperre für Reporter

Zum Saisonauftakt verwehrt die englische Fußballliga britischen Journalisten den Zugang ins Stadion - aufgrund gescheiterter Lizensierungsverhandlungen. Wie die Zeitungen auf das Verbot reagieren.

Von Raphael Honigstein

Am Wochenende gab es in den zweiten, dritten und vierten englischen Fußballligen 36 "Geisterspiele" der anderen Art: Nicht die Zuschauer, sondern die Printmedien wurden am ersten Match Day der neuen Saison ausgesperrt.

Der Grund: Die am vergangenen Mittwoch gescheiterten Verhandlungen über den Lizenzierungsvertrag, den Zeitungen und Nachrichtenagenturen mit der Premier League und der Football League (2., 3. und 4. Liga) abschließen müssen, um in den Stadien akkreditiert zu werden.

Die 2005 erstmals eingeführte Lizenz wird zwar kostenlos erteilt, beinhaltet aber auf sechzehn Seiten sehr restriktive Nutzungsbedingungen und Auflagen, die nun von der Newspaper Publishers Association (NPA), dem Dachverband der britischen Zeitungen, und den Agenturen nicht mehr akzeptiert werden.

Aktuelle Zwischenmeldungen ("live updates") via Twitter oder andere elektronische Dienste sind den Reportern beispielsweise nur in neun penibel festgelegten Zeitfenstern erlaubt. Es sei absurd, argumentieren die Journalisten, dass ihnen verwehrt sein soll, was dem Fan in der Reihe vor ihnen mit seinem Smartphone oder den nicht im Stadion anwesenden Kollegen erlaubt ist.

Die Agenturen fühlen sich noch stärker gegängelt: Sie dürfen ohne den Segen der Ligen keine Zwischenmeldungen, Daten oder Fotos weiterverkaufen. Die Klubs wollen so verhindern, dass Inhalte auf Internetseiten gelangen, die illegal Livespiele zeigen.

"Wir haben von Anfang an klar gemacht, dass wir gewillt sind, die vertraglichen Bedingungen für die Medien zu verbessern", hieß es in einer Stellungnahmen der Ligen, "leider kam keine Einigung zustande." Den Kompromissvorschlag, nach den alten Vorschriften so lange weiter zu berichten, bis der Konflikt gelöst ist, lehnten NPA und die Agenturen ab. "Aus Gründen der redaktionellen Freiheit können wir uns nicht vorschreiben lassen, an wen wir Material verkaufen", sagte ein Verhandlungsführer der Medien der Zeitung Observer. Am vergangenen Donnerstag wiesen die Ligen die Vereine an, am ersten Spieltag keine Reporter zu akkreditieren.

Die Zeitungen reagierten unterschiedlich auf die Platzsperre. Während der Observer nur über ein einziges Spiel schrieb (Zweitligist Brighton & Hove Albion hatte Printmedien in eigener Verantwortung zugelassen), verschaffte sich unter anderem der Sunday Mirror normale Eintrittskarten und berichtete auch anhand der Fernsehbilder. Falls der Disput nicht bis zu diesem Samstag gelöst wird, findet auch der Premier-League-Auftakt unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit statt.