Reporter-Morde in Mexiko Zeitung kapituliert vor Drogenkartellen

Journalismus ist lebensgefährlich in Mexiko. Immer wieder werden Reporter getötet, die über die Drogenkartelle und ihre dunklen Verbindungen in die Politik berichten. Eine Zeitung reagiert nun auf die Gefahr.

Die Angst geht um in den Redaktionsräumen von Zócalo. Am Montag hat die Regionalzeitung mit Sitz in der nordmexikanischen Stadt Saltillo im Bundesstaat Coahuila deshalb eine Kapitulationserklärung unterzeichnet. Die Journalisten von Zócalo kapitulieren vor der Gewalt.

Kurz vor 14 Uhr hat die Redaktion einen Text auf ihre Internetseite gestellt. "Da die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, hat die Redaktion der Zeitung Zócalo beschlossen, ab sofort die Berichterstattung im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität einzustellen", heißt es darin.

Damit komme die Zeitung ihrer Verantwortung für die Sicherheit von "mehr als tausend Mitarbeitern und ihren Familien" nach. Ab sofort werden die Journalisten also nicht mehr über die Drogenkartelle berichten, die Mexiko seit Jahren in Angst versetzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Medien zu einer solchen Form der Selbstzensur greifen. Denn Journalisten, die im Milieu der Drogenkartelle recherchieren, setzen dafür ihr Leben aufs Spiel. Anfang März wurde der Zeitungsverleger Jaime Gonzáles Berichten lokaler Medien zufolge in der Grenzstadt Ojinaga im Bundesstaat Chihuahua regelrecht hingerichtet. Sein Newsportal Ojinaga Noticias ist inzwischen im Internet nicht mehr aufrufbar. In den vergangenen zwölf Jahren sollen mindestens 127 Reporter ermordet oder entführt worden sein.

Für großes Aufsehen sorgte auch eine Aktion des Diario de Juárez, der Tageszeitung in Mexikos Drogenhochburg Ciudad Juárez. "Als Mitarbeiter eines Mediums der Information wollen wir, dass Sie uns erklären, was Sie von uns wollen und was wir Ihrer Meinung nach veröffentlichen sollen, damit wir wissen, wonach wir uns richten sollen", schrieben die Journalisten im Herbst 2010 in einem Leitartikel und kündigten an, die Berichterstattung über organisierte Kriminalität vorerst einzustellen. In weniger als zwei Jahren waren zwei Kollegen von den Drogenbanden umgebracht worden.

Immer weniger Journalisten berichten inzwischen über "Drogenhandel, die Gewaltherrschaft der Kartelle und ihre engen Verbindungen in die Politik", heißt es von Reporter ohne Grenzen. In ihrer aktuellen Rangliste der Pressefreiheit, auf der 179 Nationen aufgelistet sind, führt die Organisation Mexiko auf Platz 153 - hinter Ländern wie Irak, Afghanistan und Libyen.

Seit Dezember versucht sich der neue Präsident Enrique Peña Nieto an einer neuen Strategie im Kampf gegen die Drogenkartelle. Sein Vorgänger Felipe Calderon hatte die Clans noch mit dem Militär bekämpft - das Ergebnis: ein blutiger Drogenkrieg, bei dem inzwischen mindestens 70.000 Menschen ums Leben gekommen sind.

Peña Nieto wollte die Polizeikraft stärken, um die Gewalt zu reduzieren. Einen Waffenstillstand oder gar einen Pakt mit den Kartellen lehnt der neue Präsident aber ebenfalls ab. Bislang hat sich an der Situation in Mexiko wenig verändert.

Einige Journalisten trauen sich dennoch, über die kriminellen Machenschaften und die Kartelle der Drogenbosse zu berichten. Doch die Berichterstattung wandert mehr und mehr in Weblogs ab - anonym. Im Blog borderlandbeat.com schreiben die Autoren unter Pseudonym über die Probleme in Mexiko. Eine offene Berichterstattung bleibt für die Journalisten des Landes wohl auch in Zukunft zu gefährlich.