Prozess gegen Zeitung "Die Welt" in Polen Formulierung vor Gericht

Das polnische Außenministerium hat sich in der Vergangenheit oft über den Begriff "polnische Konzentrationslager" in internationalen Medien beschwert. Jetzt ist die historisch falsche Formulierung erstmals Gegenstand eines Zivilprozesses in Warschau.

Vor dem Warschauer Bezirksgericht hat an diesem Donnerstag der Prozess eines polnischen Klägers gegen die Zeitung Die Welt begonnen. Im ersten Verfahren dieser Art verlangt Zbigniew Osewski eine Entschuldigung und eine Geldbuße zugunsten eines sozialen Zwecks, weil die Zeitung in einem 2008 veröffentlichten Artikel den Begriff "polnisches Konzentrationslager" für das von den Nationalsozialisten errichtete Vernichtungslager Majdanek verwendet hatte.

Die Tageszeitung Die Welt wird in Warschau wegen einer Formulierung verklagt.

(Foto: DPA)

Die Welt hatte sich bereits im November 2008 für diese Formulierung entschuldigt. Diese Entschuldigung wies Osewskis Anwalt am Donnerstag jedoch als unzureichend zurück. Das Medienhaus Axel Springer verwies hingegen zum Verhandlungsauftakt auf die Entschuldigung des damaligen Welt-Chefredakteurs Thomas Schmid. Darin hatte er betont, dass für das Selbstverständnis seiner Zeitung und des Verlags die Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die Deutsche in der NS-Zeit begangen haben, ein unverzichtbarer Teil im Umgang mit der eigenen Geschichte sei.

Eine schnelle Entscheidung wird es nicht geben: Das Gericht vertagte das Verfahren auf den 19. Februar kommenden Jahres. Für das Verfahren will das Gericht auch Schmid, seit 2010 Herausgeber der Welt, in Berlin als Zeugen befragen lassen.

"Es hat besonders wehgetan, dass gerade Deutsche so etwas schrieben", sagte Osewski vor Prozessbeginn. Er habe sich zu der Klage entschieden, "damit Journalisten mehr nachdenken, ehe sie falsche Tatsachen in die Welt setzen." Osewskis Großvater war Medienberichten zufolge Häftling im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig.

Das polnische Außenministerium hatte sich in der Vergangenheit bereits wiederholt über den verkürzten und historisch falschen Begriff "polnische Konzentrationslager" in internationalen Medien beschwert. Zuletzt hatte US-Präsident Barack Obama im Frühjahr heftigen Protest hervorgerufen, als er in einer Ansprache bei der posthumen Ehrung des polnischen Widerstandskämpfers Jan Karski von "polnischen Todeslagern" sprach. Karski hatte als Kurier der polnischen Exilregierung die Alliierten über den Holocaust informiert. Obama entschuldigte sich für die Äußerung.