Oliver Pocher in Heidenau Wo bitte geht's zur, hihi, "Pack-Station"?

Oliver Pocher war in Heidenau. Warum, weiß der TV-Komiker selbst nicht. Für einen Dialog mit den Bewohnern fehlten ihm die Argumente.

Von David Denk

Die TV-Karriere des Oliver Pocher ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Pocher selbst hingegen ist immer noch der, der er mal war. Und das ist wohl das Problem.

Als Rotzlöffel vom Dienst hat der Komiker immer wieder Menschen auf der Straße veräppelt und beleidigt, bevorzugt solche, die ihm intellektuell unterlegen waren. Pocher hatte die Lacher dabei meist auf seiner Seite - ein Gefühl, das er offenbar vermisst hat: Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte jedenfalls hielt er es für eine gute Idee, seine Masche zu entmotten und sie ausgerechnet in Heidenau rauszulassen, jener sächsischen Stadt, die zu einer weiteren Chiffre für Fremdenhass in (Ost-)Deutschland geworden ist.

In zwei insgesamt knapp 20-minütigen Youtube-Clips redet Pocher also nicht wie so viele über Heidenau, sondern mit Heidenauern, fragt eine Briefträgerin etwa, wo es zur, hihi, "Pack-Station" gehe, bezeichnet drei junge Männer als "ungebumste Arschlöcher", lässt seinen in Deutschland geborenen dunkelhäutigen Kumpel Nana auf Wunsch eines Passanten die Worte "Arbeiten gehen" wiederholen. Ihn hatte Pocher als Flüchtling ausgegeben, der, klar, so seine Schwierigkeiten hat mit "Deutsche Sprache, schwere Sprache".

Was bleibt, sind Blödeleien

Was daran lustig sein soll? Pocher selbst scheint nicht so recht zu wissen, was er da tut und warum. Um Vorurteile zu entkräften, ist er zu schlecht vorbereitet, was bleibt, sind Blödeleien.

"Ich hoffe, dass das sehr viele Leute sehen, um einfach mal ein paar Leute zu sehen, die hier einfach so unterwegs sind", sagt Pocher im Clip zu seiner Motivation. So weit, so gut. Doch offenbaren die Videos vor allem, wie kontraproduktiv es ist, sich selbst ins Gespräch zu bringen, wenn man nichts zu sagen hat.

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