Neues Layout beim Spiegel Orange ist das neue Rot

Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat einen neuen Look. Die letzte Layout-Reform wurde 1997 vorgenommen.

(Foto: dpa)

17 Jahre hat es gedauert: Nun hat sich das Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel einen neuen Look verpasst. Mehr Orientierung, mehr Meinung, mehr Weißraum. Dynamischer wirkt das Blatt deswegen trotzdem nicht.

Von Gerhard Matzig

Wahlkampf 1969. Die SPD ersetzt ihr Rot durch Orange, damit Willy Brandt, wie der Spiegel damals schrieb, "jung, erregend, dynamisch" rüberkommt. "Mann in Orange" war der hämische Titel. Brandt siegte. Die CDU erinnerte sich daran, als sie sich zum Wahljahr 2005 eine neue Partei-Farbe einfallen ließ: Orange. Gleichzeitig kam eine Studie heraus, wonach das "die unbeliebteste Farbe der Deutschen" sei, die sentimental an Zeiten erinnere, da man sich noch jung, erregend und dynamisch wähnte. Angela Merkel, möglicherweise nichts von alledem, wurde Kanzlerin.

Kann es sein, dass der Spiegel reif ist fürs Kanzleramt? Das Nachrichtenmagazin hat sich gerade einen neuen Look gegeben: Orange. Innen im neu gestalteten Magazin wurde die bisher dunkelrote Hausfarbe ausgemustert und durch Orange ersetzt. Was aber nicht ins Amt, wo die Orangen blühen, führt - sondern ins Jahr 1947. Damals wurde der Spiegel erfunden. Mit Orange auf dem Titel - und auf den Anzeigenseiten. Die "brauchbare Salattunke" auf Seite 25 - es ist die vorletzte Seite der Ausgabe vom 12. März 1947 - hieß "Salata". Der Chefredakteur hieß Rudolf Augstein.

Salata gibt es noch. Der Chefredakteur heißt seit September 2013 Wolfgang Büchner. Zu den undankbaren Aufgaben neuer Chefredakteure gehört es, dass sie angeblich überfällige Layout-Reformen angehen müssen. Leider muss immer etwas reformiert werden, Printprodukte sind da keine Ausnahme. Dieser Marktmechanismus ist teuflisch. Verändert man sich, ärgert das die Leser, weil man jetzt verändert ist. Verändert man sich nicht, ärgert das die Leser, weil man sich nicht verändert. Das ist wie in der Ehe. Die Kunst der Veränderung ist daher genau das: eine Kunst. Der Spiegel beherrscht sie offenbar.

Das Magazin hat nur renoviert

Wenn auch mithilfe der Rückbesinnung. Abgesehen von der Orange-Renaissance soll der Samstag als Erscheinungstag bald wieder eingeführt werden. Auch wie 1947. Eine dritte Zurück-zu-den-Anfängen-Aktion, eine Neuerung, die eine angenehme Alterung darstellt, ist der Leitartikel, der nicht mehr namentlich gekennzeichnet wird. Autorennamen gab es vor 1998 nur sehr selten beim Spiegel. Übrigens datiert auch der letzte Relaunch aus jener Zeit: 1997.

Wenn man nun der alten Tante Spiegel sagt, dass sie immer noch die alte Tante ist: Das ist ein Kompliment. Nach einer Sentenz des berühmten Architekten Adolf Loos: Eine Veränderung, die keine Verbesserung ist, ist - da unnötig - eine Verschlechterung. Gut, dass der Spiegel die eine oder andere Layout-Neuerungssucht schon verschlafen hat. So konnte er sich jetzt verbessern, ohne sich zu verändern.

Man hat nur renoviert, ausgebessert. Dazu gibt es zwei neue Kolumnenplätze, eher weniger (dafür gewichtigere) Bilder - und ein zwar eleganteres, zugleich aber weniger Orientierung bietendes Inhaltsverzeichnis. Mehr Weißraum gibt es auch, wobei man nicht das Gefühl hat, das Wort käme zu kurz. Und dass die "Verkaufe" zunimmt: in Form dreier zusätzlich auf dem Titel angerissener Themen? Geschenkt. Jung, erregend, dynamisch: Der Spiegel ist das immer noch nicht. Schön. Was übrigens nicht zu finden ist: die annoncierte "Satireseite", die Ex-Titanic-Mann Martin Sonneborn betreuen soll. Wie der Verlag der SZ sagt: Der Start dieser Seite verzögert sich, da sich die Entwicklung der Satireseite "länger als gedacht" hinziehe. Was ja auch keine schlechte Satire auf die Printbranche ist.