Neuer Chefredakteur "Frankfurter Rundschau" wird selbständiger

Die "Frankfurter Rundschau" bekommt wieder einen eigenständigen Chefredakteur. Arnd Festerling wird es aber schwer haben, gegen wirtschaftliche Probleme und sinkende Auflagen der Zeitung anzukämpfen. Und dann wäre da noch die am Verlagsgeschäft beteiligte SPD, die das Blatt fallen lassen könnte.

Von Katharina Riehl

Bestätigen will der Verlag M. DuMont Schauberg die Personalie zwar nicht, aber so wird es wohl kommen: Arnd Festerling gilt nach der Trennung von Uwe Vorkötter als aussichtsreicher Kandidat für den Chefredakteursposten bei der Frankfurter Rundschau.

Die Lösung käme für die Redaktion kaum überraschend, Festerling ist seit 2011 Redaktionsleiter für Rhein-Main und Frankfurt. Er hat die Geschäfte dort geführt, auch wenn nur Vorkötter, Brigitte Fehrle und Rouven Schellenberger (Digitales) den Titel Chefredakteur trugen. In der Redaktion hat Festerling, der bis 2011 Ressortleiter Politik/Wirtschaft war, einen guten Ruf. Man hält ihm zugute, das Regionale der FR gestärkt zu haben.

An den täglichen Abläufen in Frankfurt dürfte die Neuerung wenig ändern - umso deutlicher stellt sich für die Zeitung aber die Frage, wie es längerfristig weitergehen soll. Abgesehen von sinkenden Auflagen (aktuell 120.094 verkaufte Exemplare, 188.158 in 2002) soll das Blatt 2011 rund 20 Millionen Euro Minus gemacht haben.

Getrennte Chefredaktionen für regionale Märkte

Zwar bleibt durch das gemeinsame Redaktionsbüro in Berlin die inhaltliche Verzahnung mit Berliner Zeitung und Kölner Stadt-Anzeiger erhalten, die gerade erst eingeführte organisatorische Einheit existiert aber nicht mehr. Dass man sich in der Frankfurter Redaktion nun Sorgen macht, ob der Verleger Alfred Neven DuMont das wieder eigenständige Blatt verkaufen könnte, überrascht nicht. Vom Verlag hieß es am Montag, die getrennten Chefredaktionen hätten allein die Funktion, sich auf die regionalen Märkte zu konzentrieren.

40 Prozent an der FR hält die SPD-Beteiligungsgesellschaft Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft DDVG - SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks hatte im März in einem Interview erklärt, der Ausstieg aus der FR sei nicht ihr Ziel. Aus dem Verlag hört man, dass das immer wiederdiskutierte Aus der Zeitung bis 2013 unwahrscheinlich sei, weil die SPD im Wahljahr kaum aussteigen werde. Zur aktuellen Situation wollte man sich bei der DDVG auf Anfrage nicht äußern.