Neue Schriften in der gedruckten SZ Grundrauschen

Die SZ hat sich nach langer Zeit für eine andere Schrift entschieden - das ist ein enormer Schritt für eine Zeitung. Die neuen SZ-Schriften folgen keiner Mode, sie bauen auf Traditionen auf, mit denen die Süddeutsche Zeitung groß geworden ist. Mit ihnen ist das Blatt optisch im 21. Jahrhundert angekommen.

Von Andrian Kreye

Mit der aktuellen Ausgabe bekommt die Süddeutsche Zeitung nicht nur ein neues Layout, sondern auch neue Schriften. Man mag das nicht auf den ersten Blick bemerken. Und doch ist es ein enormer Schritt für eine Zeitung.

Das Schriftbild ist so etwas wie das Grundrauschen der Gestaltung. Man bemerkt es erst, wenn es stört. Ganz zu Beginn der Neugestaltung analysierte eine Typografin eine Titelseite der SZ und zählte dort ganze 20 Schriften. Hier hat das grafische Grundrauschen schon fast den Pegel des Lärms erreicht. Das lag unter anderem daran, dass die SZ bisher drei sehr unterschiedliche Grundschriften verwendete, die Helvetica, die Excelsior und die Times. Nun wird es nur noch eine Grundschrift geben, die SZ Text, aus der sich alle anderen ableiten. So wird nun aus dem Lärm wieder ein angenehmes Grundrauschen.

Es war jedoch nicht nur wichtig, Ruhe ins Schriftbild zu bringen. Die bisherigen Schriften waren für eine moderne Zeitung auch ein wenig veraltet. Sowohl die Times als auch die Excelsior wurden im Jahre 1931 geschnitten. Damals wurden Zeitungen noch im Bleisatz produziert. Was früher funktionierte, kommt heute immer öfter an seine Grenzen, insbesondere bei digitalen Ausgaben. Die SZ Text kann man auf allen Ausgaben der SZ verwenden, ohne dass sie hässliche Pixelklumpen bildet.

Schriften müssen aber nicht nur funktionieren, sie sind auch eine Form der Kommunikation. 1956 gestaltete der Schweizer Grafiker Max Miedinger die Helvetica als kraftvollen Ausdruck für die Moderne. Er nahm die strengen Linien der Architektur und des Designs auf, schaffte Ordnung in einer bis dahin schnörkeligen Schriftenwelt. Für die Süddeutsche Zeitung war die Helvetica lange Jahre ideal. Doch die Aufgaben der Zeitung haben sich verändert. Journalisten müssen heute nicht nur berichten und informieren, sie müssen verstärkt analysieren, erzählen, einordnen und auch unterhalten. Das alles vermittelt die aus der SZ Text entwickelte Überschriften-Schrift SZ Sans, ohne an Autorität zu verlieren.

Es war enorme Feinarbeit, welche die Schriftgestalter Henning Skibbe und Nils Thomsen leisteten. Einige Änderungen sind mit bloßem Auge kaum zu sehen, die Wirkung ist subtil. Genau das ist die Kunst der Typografie. Der Charakter bleibt, aber die Schrift ist besser zu lesen. Die neuen SZ-Schriften folgen keiner Mode, sie bauen auf Traditionen auf, mit denen die Süddeutsche Zeitung groß geworden ist. Mit ihnen ist die SZ optisch im 21. Jahrhundert angekommen.