Medien Die AfD und der geschasste "Welt"-Redakteur

  • Die Tageszeitung Die Welt trennt sich von ihrem Redakteur Günther Lachmann.
  • Der AfD-Landeschef Marcus Pretzell hatte Lachmann vorgeworfen, sich der Partei als Berater angedient zu haben.
  • Die Welt kündigte zunächst juristischen Beistand für Lachmann an. Samstagabend dann die Kehrtwende.
Von Jana Stegemann

Ein Redakteur der Tageszeitung Die Welt verliert seinen Job. Das wäre eigentlich keine Nachricht, wäre da nicht die Vorgeschichte. Und die Art, wie die Kündigung öffentlich kommuniziert wird. Letzteres übernimmt am Samstagabend Stefan Aust, früherer Spiegel-Chefredakteur und seit 2014 Herausgeber der WeltN24 GmbH, per Twitter. Sieben Wörter reichen ihm:

Es ist eine überraschende Wende in einer Geschichte, die Ende Januar auf Facebook seinen Anfang nimmt, in einem Posting des nordrhein-westfälischen AfD-Chefs und Lebensgefährten der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, Marcus Pretzell. Der macht Lachmann, der für die Welt über die AfD schreibt, schwere Vorwürfe: Lachmann habe sich der Partei als Berater angeboten, "aber er wollte seinen Job als Journalist bei Die Welt nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD."

Als Honorar habe Lachmann 4000 Euro monatlich verlangt, die Pretzell zufolge "über Umwege" bezahlt werden sollten. Angeblich sollte das Geld über die Ehefrau Lachmanns, die die politische Internetseite Geolitico betreut, oder über Dritte gezahlt werden. Die Parteiführung habe das Angebot abgelehnt. Seitdem enthalte jeder von Lachmanns Beiträgen über die AfD "herabwürdigende Bemerkungen" zur Parteivorsitzenden Petry.

AfD-Politiker Marcus Pretzell wirft Journalist Günther Lachmann vor, sich seiner Partei als Berater angeboten zu haben.

(Foto: dpa)

Es sind schwere Vorwürfe, gegen die sich Lachmann juristisch wehrt. Mit Unterstützung seines Arbeitgebers, so zumindest klang das noch am Donnerstag: "Marcus Pretzell ist unter Fristsetzung auf Unterlassung abgemahnt", teilte da ein Welt-Sprecher mit. Aust ließ sich am Freitag bei Spiegel Online so zitieren: "Günther Lachmann hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass die Vorwürfe unbegründet sind. Ich habe ihn dazu ermutigt, rechtliche Schritte zu ergreifen, was er auch tut. Der Verlag unterstützt ihn dabei."

Am Samstag berichtete dann die rechtskonservative Zeitung Junge Freiheit, ihr lägen E-Mails vor: geschrieben von Lachmann an Pretzells Pressesprecherin. Darin habe er konkrete Vorschläge gemacht, wie die AfD "ihr national-konservatives Stigma" loswerden könne. Auch habe Lachmann der Partei ein "Manifest" angeboten: "Es ist die Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen."

Lachmann selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Stattdessen melden sich am Samstagabend der Springer-Verlag und Stefan Aust und verkünden die Trennung. Warum die Kehrtwende? Das bleibt erst unklar. Auf SZ-Anfrage teilt eine Sprecherin lediglich mit: "WeltN24 beendet das Arbeitsverhältnis mit Günther Lachmann." Man bittet um Verständnis, "dass wir uns zu den Gründen nicht äußern".

Aust wird Stunden später doch konkreter und spricht von einem "groben Verstoß gegen journalistische Grundsätze". Am Samstag habe Lachmann die Echtheit mehrerer Mails an die AfD bestätigt. "Aus den Mails geht klar hervor, dass Lachmann der AfD eine Art Konzeptvorschlag für eine Neuausrichtung der Partei geschrieben hat", sagte Aust der Nachrichtenagentur dpa. Das sei mit einer journalistischen Tätigkeit für Die Welt nicht zu vereinbaren, so der Herausgeber.

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