Magazin-Aus Die Neon leuchtet nicht mehr

Die gedruckte Neon erscheint am 18. Juni zum letzten Mal, wird künftig aber als digitales Angebot fortgesetzt.

(Foto: dpa)

In seinen besten Zeiten bot das Heft einer Generation junger Leser eine publizistische Heimat. Aber sein Ende war schon lange abzusehen.

Von Karoline Meta Beisel

Die gute Nachricht in der schlechten: Neon lebt weiter.

So wollen sie das jedenfalls verstanden wissen bei Gruner + Jahr. "Neon erscheint ab Sommer nur noch digital", heißt es auf der Homepage des Stern, zu dessen "Markenfamilie" Neon gehört, wie das die Verlagsmanager nennen. Die gedruckte Ausgabe von Neon allerdings wird am 18. Juni zum letzten Mal erscheinen.

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Es ist ein Ende, das schon lange abzusehen gewesen ist. Zu Hochzeiten verkaufte das 2003 in München gegründete Magazin jeden Monat 237 000 Hefte; zuletzt waren es gerade mal noch 58 000. Auch Chefredakteurin Ruth Fend macht in ihrem Abschiedsbrief auf stern.de den Leserschwund für die Entscheidung verantwortlich: "Ihr seid zu wenige geworden", schreibt sie an ihre Leser. Die heute 20-Jährigen hätten neue Lebensbegleiter gefunden, auch im Netz, schreibt Fend; gemeint sein dürfte: vor allem im Netz.

Der digitale Wandel wird aber nicht die einzige Disruption sein, die Neon in den vergangenen Jahren zugesetzt hat. Als der Verlag 2013 entschied, das Heft samt Redaktion in die Zentrale zu verpflanzen, war das ein bisschen so, als müsste der wilde Nachwuchs aus der Münchner WG zu Mutti in die Einliegerwohnung ziehen. Ganz hat sich Neon davon nie erholt. Ein Gutteil der Redakteure - ganz Vertreter ihrer dafür oft gescholtenen Generation - gab damals Life den Vorzug gegenüber Work und blieb in München; in Hamburg folgten diverse Personal- und strategische Entscheidungen, mit denen man nicht nur in der Redaktion nicht immer glücklich war. Dominik Wichmann, der zur Zeit des Umzugs Chefredakteur des Stern war, schreibt bei Twitter, die Einstellung von Neon habe nichts mit dem Zeitgeist zu tun, sondern sei "eine Folge von jahrelangem verlegerischen Missmanagement". Beim Verlag spielt man den Einfluss des Umzugs herunter, der Abwärtstrend habe schon vor dem Umzug eingesetzt. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen.

Wahr ist aber auch, dass das oft als "Studentenbravo" verspottete Magazin in seinen besten Zeiten einer Generation junger Leser - aber auch Autoren, Illustratoren, Grafikern und Fotografen - eine publizistische Heimat gab, an die sich am Mittwoch im Netz viele mit nostalgischen Gefühlen zurückerinnerten. Dabei soll es ja offiziell noch weitergehen mit Neon. Der Verlag bemühe sich zudem, die 20 Neon-Mitarbeiter anderswo im Haus weiterzubeschäftigen, heißt es. Das Schwesterheft Nido soll unverändert alle zwei Monate erscheinen.

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Das Ende von Neon als Printmagazin soll im Sommer mit einer Party gefeiert werden, zu der Neon-Chefin Fend nicht nur die Mitarbeiter, sondern in ihrem Abschiedsbrief auch "euch alle" einlädt; fast wie früher bei den Facebook-Partys, aber die macht ja auch schon lange keiner mehr. Die Party soll in Hamburg stattfinden - oder nicht doch eher in München? Beim Verlag heißt es, das sei noch nicht entschieden.