sueddeutsche.de: Haben Sie genug Reichweite für die Werbung?

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Prothmann: Tausender-Kontakt-Preise sind für meine Werbekunden irrelevant, weil ich eine lokale Informationsplattform vermarkte. Im Januar waren es noch 2800 Besucher täglich, im Februar werden es über 4000 sein. Jedes blog hat das Potential für zwei bis viertausend Euro Werbeeinnahmen im Monat. Ich bin auf einem guten Weg, die untere Marke zu realisieren.

sueddeutsche.de: Und wer schreibt für das Blog?

Prothmann: Die meisten Artikel kommen noch von mir. Meine Frau nimmt mir Organisatorisches ab und schreibt ab und an über Kulturelles. Dazu habe ich Kolumnisten und einen freien Mitarbeiter, ein pensionierter BKA-Mann. Deswegen kann der von Berufs wegen gut recherchieren. Ich brauche aber dringend weitere journalistische Mitarbeiter.

sueddeutsche.de: Sie bekämpfen den Mannheimer Morgen (MM), dabei haben Sie dort selbst einmal gearbeitet.

Prothmann: Ich habe kein Interesse daran, den MM zu bekämpfen. Das Einzige, was mich interessiert, ist guter Journalismus. Davon ist der MM weit entfernt.

sueddeutsche.de: Hat der Mannheimer Morgen Ihrer Meinung nach Angst vor Ihnen?

Prothmann: Vor mir? Einem einzelnen Journalisten? Ganz bestimmt nicht. Fast alle Lokalzeitungen haben etwas gemein: Sie hatten bislang keine Konkurrenz und ganz sicher sehen die mich als lästige Schmeißfliege, nichts mehr.

sueddeutsche.de: Ihre Ansage war: Ich mache Lokaljournalismus, aber besser als die etablierten Medien - ziemlich vermessen, oder?

Prothmann: Kommt auf den Maßstab an. Die Themenfülle des MM erreiche ich noch nicht, aber bei der Tiefe habe ich ihn längst abgehängt. Mein Journalismus prüft die Fakten, hört die Gegenseite, erarbeitet sich Quellen und fragt nach. Das ist die Basis für objektiven Journalismus.

sueddeutsche.de: Das behaupten alle.

Prothmann: Der Markt gewinnt. Und der will subjektiven Journalismus. Die persönliche Perspektive. Davon bin ich überzeugt. Viele Lokalredaktionen machen doch nur eine unterwürfige Hofberichterstattung - das braucht kein Mensch.

sueddeutsche.de: Die Leute lesen hin und wieder gerne Heile-Welt-Geschichten.

Prothmann: Die bekommen sie bei mir auch. Ob mit Porträts oder Vereinsgeschichten. Das sind "schöne" Geschichten über Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben und schöne Storys über Tiere - die kommen immer gut an. Auch bei mir: Ich mag ab und an mal über was Schönes schreiben.

sueddeutsche.de: Aber Sie skandalisieren auch?

Prothmann: Selbstverständlich. Wenn das geboten ist, kann ich doch nicht anders. Es ist meine Pflicht, die Dinge so aufzuschreiben, wie sie sind und nicht, wie jemand das gerne hätte.

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  1. "Viele machen nur Hofberichterstattung"
  2. "Das war ein gemeingefährlicher Anschlag"
  3. Sie lesen jetzt "Unterwürfige Hofberichterstattung"
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(sueddeutsche.de/jja/cat)