Herbert-Riehl-Heyse-Preis für Hans Holzhaider Sägen! Nicht drücken!

Journalisten können aus der Küche lernen: Hans Holzhaider schreibe so behutsam, wie es für das Brotschneiden angebracht sei, sagte die Laudatorin bei der Verleihung des Herbert-Riehl-Heyse-Preises über den Geehrten. Denn der schreibe ohne Druck und vergeude keine Empörung.

Von Claudia Fromme

Das Schöne am Journalismus, befand Herbert Riehl-Heyse einmal, sei doch, dass man nicht dabei sein muss, wenn die Leute zur Kenntnis nehmen, was man sich da ausgedacht hat. Man sei nicht gezwungen, "ängstlich darauf zu warten, ob sie an den richtigen Stellen lachen oder ein betroffenes Gesicht machen oder überhaupt nicht verstehen können, was man zu Papier gebracht hat in schlafloser Nacht".

Riehl-Heyse schrieb dies vor fast 25 Jahren in einer sehr feinen Reportage zum "Internationalen Publizistikpreis der Stadt Klagenfurt".

Ein Text steht für sich, muss für sich stehen, entfaltet seine Wirkung ohne die gegenwärtige Anwaltschaft des Autors, nur durch die Kraft der gedruckten Worte. Der Leser wird zum Richter - und manchmal urteilt eine Jury.

Riehl-Heyse, dessen Todestag sich im April zum zehnten Mal jährte, habe einen Ton in der Süddeutschen Zeitung etabliert, der bis heute ihr "Kammerton" geblieben sei, sagte Chefredakteur Kurt Kister bei der Verleihung des Herbert-Riehl-Heyse-Preises. Kein lauter Ton sei das, sondern ein eindringlicher, kein aggressiver, sondern ein berührender. Es ist ein Ton, der den Text des Preisträgers Hans Holzhaider durchzieht, eine Geschichte "mit einem Standpunkt", in der Riehl'schen Tradition, "Partei zu ergreifen, ohne parteiisch zu sein". Ein Text, der für sich spricht - und für andere.

Vorgeschlagen von einer Leserin

Der langjährige Gerichtsreporter Hans Holzhaider, 66, erhielt aus der Hand der Witwe Gabi Riehl die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Text "Der nackte Wahnsinn". Erschienen ist dieser am 14. Dezember 2012 auf der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung.

Vorgeschlagen für den Preis, der seit 2005 alle zwei Jahre verliehen und von den Gesellschaftern des Süddeutschen Verlages gestiftet wird, hatte ihn eine Leserin aus München. Holzhaider, der seit fast vier Jahrzehnten für die SZ arbeitet, beschreibt in seinem Text die Geschichte von Franz Einhell, der niemanden getötet oder vergewaltigt hat und doch seit 18 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie sitzt, weil er sich in der Öffentlichkeit entblößt hat.