Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" trennt sich von Chefredakteur Büchner

Soll den Spiegel verlassen: Chefredakteur Wolfgang Büchner.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)
  • Nach 16 Monaten trennt sich Der Spiegel von Chefredakteur Wolfgang Büchner.
  • Auch Geschäftsführer Ove Saffe wird gehen. Auf Büchner folgen der bisherige stellvertretende Chefredakteur des Spiegels, Klaus Brinkbäumer, und Online-Chefredakteur Florian Harms.
Von Claudia Fromme, Claudia Tieschky und Kristina Läsker

Der Führungsstreit beim Spiegel ist gelöst. Wolfgang Büchner wird das Nachrichtenmagazin zum Jahresende "im gegenseitigen Einvernehmen" verlassen, wie der Spiegel am Donnerstag mitteilte. Auch Geschäftsführer Ove Saffe soll nach den Informationen mit Büchners Ausscheiden gehen, allerdings dem Magazin noch für eine Übergangszeit bis zum Sommer 2015 als Geschäftsführer zur Verfügung stehen. Die Gesellschafter hätten ihn wohl gerne gehalten.

Nach Büchners Ausscheiden übernehmen zunächst die stellvertretenden Chefredakteure Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges. Über die Nachfolge werde in Kürze entschieden, heißt es in der Mitteilung. Die Lösung steht nach SZ-Informationen fest, kann aber noch nicht verkündet werden: Klaus Brinkbäumer, 47 Jahre und bisher Spiegel-Vize, wird als neuer Chefredakteur in einer Art Doppelspitzezusammen mit dem bisherigen stellvertretenden Online-Chefredakteur Florian Harms arbeiten, de facto ist damit eine getrennte Zuständigkeit verbunden, bei der Brinkbäumer aber klar die publizistische Hoheit haben soll.

Die Vertragsgestaltung ist wohl kompliziert und könnte noch bis Weihnachten dauern - aus den Erfahrungen mit der gescheiterten Doppelspitze Georg Mascolo/Mathias Müller von Blumencron hat man beim Spiegel gelernt: Diesmal wird nichts dem Zufall überlassen in der Zusammenarbeit Print und Online. Mascolo und Blumencron hatten sich damals nicht auf ein Digitalkonzept einigen können.

Intern geschätzter Print-Mann

Seit August ist der Spiegel Schauplatz einer Art Seifenoper, die Medienöffentlichkeit bekam fast wöchentlich neuen Stoff vom Zoff zwischen Redaktion und Chef geliefert. Zuletzt waren die Gesellschafter offenbar fast täglich miteinander im Gespräch, um eine Lösung für den Streit zu finden, der die Redaktion seit August spaltet, dabei stehen dem Spiegel entscheidende Tage bevor. Am 10. Januar erscheint das Nachrichtenmagazin erstmals am Samstag statt am Montag. Auch ein neues Digitalkonzept ist angekündigt, Print und Online sollen zusammenwachsen.

Brinkbäumer ist ein Print-Mann, keiner, auf den man unbedingt kommen würde, wenn es um digitale Reformen geht. Er verfügt jedoch intern über das Ansehen, um die zerstrittene Truppe an der Ericusspitze wieder zu befrieden. Spekuliert wird nun, ob er sich womöglich eine Frau als Stellvertreterin in die Führung holt.

Brinkbäumers Berufung ist die pragmatische Lösung, in Gesellschafterkreisen spricht man von einem "Kompromiss". Trotz langer Suche konnten die Gesellschafter keinen geeigneten externen Kandidaten verpflichten - was viel darüber sagt, wie der Job beim Spiegel in der Branche eingeschätzt wird: Als schwierige Mission in einem Haus, bei dem die Redakteure nicht nur mächtiges Selbstbewusstsein besitzen, sondern auch die Mehrheit am Magazin - neben Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und den Augstein-Erben (24 Prozent). Das hat der Gründer Rudolf Augstein so verfügt und damit letztlich die Strukturen dafür geschaffen, dass die Redaktion einen Chefredakteur stürzen kann. Das ist nun geschehen.

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