Grimme Online Awards 2012 Münchnerin gewinnt mit App zur NS-Vergangenheit

Die Münchner Künstlerin Michaela Melián ist für ihr Projekt "Memory Loops" mit einem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Insgesamt wurden acht Websites und Apps für ihre publizistische Qualität prämiert. In diesem Jahr hob die Jury einen Trend besonders hervor.

Bei den Grimme Online Awards 2012 hat die Münchner Künstlerin Michaela Melián einen Preis für das Tonspuren-Projekt "Memory Loops" erhalten. In dem Online-Projekt werden neu eingesprochene Tondokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus im Raum München verortet. Mit den "Memory Loops" entstehe eine intensive Verbindung von medialer Aufbereitung und unmittelbarer Erfahrung, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Der Grimme Online Award ist ein Preis für publizistische Qualität im Internet und wird seit 2001 vom Grimme-Institut verliehen. Bei der diesjährigen Verleihung am Mittwochabend in Köln zeichnete die Jury acht Websites etwa in den Kategorien Wissen und Bildung, Information und Kultur und Unterhaltung aus.

Die ausgezeichneten Online-Angebote zeigten beispielhaft, "wie sich lebensnahe und relevante Themen innovativ und formal anspruchsvoll sowohl netz- als auch nutzergerecht realisieren lassen", sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Auch die Jury lobt in ihrem Statement die insgesamt hohe Qualität und Vielfalt des Angebots: "Themen werden im Internet einmal mehr anders erzählt, anders präsentiert, die Leserschaft wird anders beteiligt". Dabei kristallisiere sich "eine neue Strömung heraus, die verstärkt einen Protagonisten in den Mittelpunkt stellt: den Menschen."

In der Kategorie Information prämierte die Jury zwei Angebote, die sich aktuellen Themen zuwenden. Das "MiGAZIN" widme sich den Fragen von Migration und Integration "mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung", so die Jury. Das Weblog "Zukunft Mobilität" bewertete die Jury als gelungenes Beispiel für eine aktuelle, kritische und problembewusste Beschäftigung mit Verkehrsthemen.

In der Kategorie Wissen und Bildung gewann das Arte-Angebot "Amazonien - die Seele der Indios", das sich in Videos und Texten dem bedrohten Amazonasgebiet widmet. Bei der prämierten Website "Lobbypedia" hoben die Juroren hervor, dass über die Aufbereitung öffentlich zugänglicher Informationen die Verknüpfungen zwischen Politik und Wirtschaft transparent gemacht würden. Der YouTube-Kanal "MusikTraining" überzeugte die Jury durch die kompetente Aufbereitung vielfältiger Themen, mit denen Musikkenntnisse vermittelt werden.

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung zeichnete die Jury "140 Sekunden" aus, ein Format, das in 140 Sekunden langen Videos Menschen porträtiert, die erfolgreiche und originelle Twitter-Nachrichten geschrieben haben. Die hochwertigen Videos verliehen diesen Tweets ein persönliches Gesicht, hob die Jury hervor. Als überragend bezeichnet die Jury die Gestaltung der Website "berlinfolgen" von 2470media und taz.de. Bei diesen Porträts von Menschen aus Berlin entstehe durch die Kombination aus erstklassiger Reportagefotografie, O-Tönen und kurzen Filmsequenzen ein außergewöhnliches Mediengenre. Den Publikumspreis gewann die "Tagesschau-App".