Er sei "krank", "verrückt", wie "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" ist dagegen im Focus zu lesen. Die Charakterbeschreibungen entstammen dem Magazin zufolge den digitalen Tagebuchaufzeichnungen von Kachelmanns Ex-Freundin Sabine W. Die Ermittler sollen die Datei mit dem Titel warum.doc auf dem beschlagnahmten Computer des mutmaßlichen Opfers sichergestellt haben. Das Nachrichtenmagazin gibt diese Aufzeichnungen wieder - in Form indirekter Zitate.
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Nach der Vergewaltigung habe er sie "einfach liegengelassen", notierte die Radiomoderatorin demzufolge über das mutmaßliche Verbrechen. "Wie Dreck." Aus den weiteren Aufzeichnungen - sie reichen bis zum 26. März - sprechen Verzweiflung, Selbstmordgedanken, Horror. Die Hölle sei losgebrochen, zitiert der Focus den Eintrag vom 22. März, zwei Tage nach Kachelmanns Verhaftung.
Viertklassiger Profi
Ähnliche Worte wählt Kachelmann in seinem Spiegel-Interview für seine Gemütslage nach seiner ersten Vernehmung: "Von da an habe ich Dante im Kopf gehabt, demzufolge über dem Eingang der Hölle steht: 'Ihr, die Ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.'" Bei den Schilderungen seiner Untersuchungshaft bemüht der Moderator nicht nur die Literatur, er benutzt auch bunte Bilder: Den Redakteuren berichtet er von Kakerlaken und Schmutz im Untersuchungsgefängnis; "Die Zelle war so, wie man es sich für einen Regimegegner in Nordkorea ausmalt." Und: "Es war wie im Krieg." Vergleiche, die seine Interviewer nachfragen lassen, ob ihm vielleicht "ein paar zu wilde Phantasien" gekommen seien.
Doch Kachelmann spart nicht mit emotionalen Bildern, lässt kein Klischee aus, wenn es darum geht, das Bild des unschuldig verdächtigten Gutmenschen zu zeichnen. Er berichtet davon, wie er im Gefängnis weinende Mitgefangene im Arm gehalten habe, wie er Respekt von ihnen erfahren habe - hier wird der Knast zur Soap, die Wochen in Haft zu scripted reality : "Kriminelle haben ein gutes Gefühl dafür, was ein Verbrechen ist und was nicht." Richtiggehende Freundschaften seien da entstanden, so der Wetter-Ansager: "Und ganz ehrlich, ich habe die Kumpels aus dem Knast schon vermisst."
Immer wieder bezeichnet sich Kachelmann im Spiegel selbst als "viertklassigen TV-Promi". Aus dem Meteorologen, der mit spektakulären Wetterrekorden Aufsehen erregte und nicht selten die Kritik von Kollegen auf sich zog, ist die personifizierte Bescheidenheit geworden. Dabei hat er sich einst im MDR mit der Talkshow Riverboat versucht und wandelte einmal sogar bei Einer wird gewinnen auf den Spuren des großen Hans-Joachim Kulenkampff.
Viertklassiger TV-Profi? Oder eher viertklassiges Ablenkungsmanöver?
Identitätssuche
Von Identitätsstörungen des Wettermoderators und Suizidgedanken berichten im Focus mittelbar Ex-Freundinnen. Auch in den angeblichen Aufzeichnungen von Sabine W. soll darüber zu lesen sein. Am fraglichen Abend soll Kachelmann W. demnach gestanden haben, "krank" zu sein, "verrückt" und bereits drei Selbstmordversuche unternommen zu haben.
Einen Monat später schrieb die Journalistin offenbar in ihr Tagebuch, sie hoffe, er habe sich umgebracht. Eine Viola S. wiederum habe der Polizei berichtet, sie habe von Kachelmann am 10. Februar einen Link zum Thema "dissoziative Identitätsstörung" erhalten und einen Tag später erklärt, er sei in ein Loch gefallen.
Im Krieg
So ist an einem normalen Montag über Jörg Kachelmann alles zu lesen. Montag war immer Spiegel-Tag, und hier werden die Widersprüche zwischen dem Oberlandesgericht Karlsruhe und dem Landgericht Mannheim aufgedröselt - und Kachelmann hat seine Bühne. Montag ist seit 1993 aber auch Focus-Tag, und hier erscheint nicht mehr das angebliche Vergewaltigungsopfer weniger glaubhaft, sondern hier mehren sich Indizien gegen den Fernsehprominenten.
Kaum zu glauben, dass es sich bei all den unterschiedlichen Beschreibungen um denselben Mann handeln soll, um jenen Meteorologen, der so schön von Blumenkohlwolken reden konnte. Lange vor dem Prozess haben via Spiegel und Focus sowohl Verteidigung als auch Anklage ihre starken Momente. Es wird vorwegverteidigt und vorweggeklagt, und manche im Publikum werden vorwegurteilen.
Mit der derzeit handelsüblichen Kachelmannn-Metaphorik könnte man sagen: Es ist Medienkrieg. Der Krieg geht dort weiter, und er selbst kämpft an vorderster Front. Aber wenigstens hat ihm die 80-jährige Mutter beim Gefängnisbesuch ihren Beistand ausgesprochen. Das war für ich wichtig, und der Mann, der in den Krieg der Gazetten zieht, hat auch dafür den richtigen Lagebericht: "Die Heimatfront stand."
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(sueddeutsche.de/leja/jja)
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Es ist schon bizarr, die Autorin Lena Jakat wird auf sueddeutsche.de mit gerade einmal 4 Artikeln geführt (1x Sport, 1x Kultur und 2x Leben), sie scheint demnach wohl eine Art Alter Ego des Hans Leyendecker zu sein, der eine ungehobelte Attacke nach der anderen gegen Kachelmann reitet und eine Aussenstelle der Presseabteilung der unter Druck stehenden Staatsanwaltschaft zu sein scheint.
Bei der Art von Suggestiv-Journalismus wie er hier durch selektives betonen bzw. völliges ignorieren von belastenden und entlastenden Gerüchten, Fakten und Indizien betrieben wird , stellt sich einmal mehr die Frage nach journalistischer Ethik.
Immerhin hat das mutmaßliche Opfer seine Rivalin wochenlang offenbar systematisch ausgeforscht, falsche Fährten mit angeblich anonymen Briefen gelegt und ist somit nicht unvorbereitet in den Beziehungsstreit mit Kachelmann gegangen.
Nachdenklich stimmen kann, daß sie bei dieser Vorgeschichte von der angeblichen Vergewaltigung derartig traumatisiert sein soll, als sei sie von einem unbekannten Unhold im dunklen Walde überfallen worden. Nach dem die beiden lange Zeit einvernehmlich miteinander Intim gewesen sind, scheint eher erwartbar, daß sich das Opfer alle Details der Vergewaltigung gerade sehr gut merken kann und diese nicht völlig verdrängt.
Die Schilderungen des Angeblichen Opfers werden von der Aussagepsychologischen Gutachterin als als unzureichend bis offensichtlich unmöglich eingestuft, Zweifel an der Beschuldigung sind daher wohl begründet.
Im übrigen ist es Kachelmanns gutes Recht seine Unschuld zu beteuern, auch wenn er schuldig ist und vor Gericht, die im Artikel vorgetragenen Polemiken dagegen sind gezielte Schmutzfinkerei.
Bislang ist, wie die Karlsruher Richter bemerkten, völlig offen, wer Opfer und wer Täter ist, die Leser von Süddeutsche Online brauchen sicher keine vergiftete Orientierungshilfe durch Vorabrichter wie Frau Lakat, Herr Leyendecker und Konsorten.
Es ist zu einer Unsitte in unserem Land geworden den Säulen der Demokratie mit immer weniger Respekt zu begegnen. Wir haben Gerichte, welche über Recht und Unrecht zu urteilen haben. Da es aber den Medien ständig an Content fehlt, hat sich diese Tür der Respketlosigkeit geöffnet. Und diese Menschen nutzen diese Tür. Wie soll eine Gericht sich da noch verhalten? Mein Gefühl sagt mir das diese Art des Umgangs mit der Öffentlichkeit eine große Belastung für die Demokratie darstellt. Weil es die wesentlichen Säulen dieser schwächt. Ich würde mir wünschen das es Menschen untersagt wird in laufenden Verfahren die Medien nutzen zu können, ebenso würde ich mir wünschen das dies auch den Medien untersagt würde. Somit schützen wir unser Rechtssystem und machen es nicht zu einem Erfüllungsgehilfen von Interessengruppen. Über Recht und Unrecht entscheidet in unserem Land zum Glück eine unabhängige und demokratische Institution. Und der solle es auch weiterhin egal sein wer da auf der Anklagebank sitzt, sondern sich darauf konzentrieren was Recht und Unrecht ist. Vielleicht gibt es ja schon bald eine RTL Format: Deutschland sucht den Super Richter.
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