"Budapester Zeitung" gegen "FAZ"-Autor Total national

Giftige Reaktion: Die "Budapester Zeitung" attackiert einen "FAZ" - Autor, der einen Artikel über die neue ungarische Verfassung veröffentlichte. Ihr Vorwurf: Er soll Passagen bei einem Politikwissenschaftler abgeschrieben haben.

Von Alex Rühle

Der Jurist und Autor Maximilian Steinbeis veröffentlichte am 28. März in der FAZ einen Text über die neue Verfassung, die die ungarische Regierung am kommenden Montag vorstellen wird. Dieser Verfassung vorgeschaltet ist ein "Nationales Glaubensbekenntnis", das eher nach Stammtischvaterunser als nach Verfassung klingt.

Am 28. März veröffentlichte der Autor Maximilian Steinbeis in der FAZ einen Artikel über die neue Verfassung in Ungarn. Daraufhin stellt ihn Jan Mainka, Chefredakteur der Budapester Zeitung, als "linken Blogger" hin.

(Foto: ddp)

Die Stärke von Steinbeis' Aufsatz liegt darin, herausgearbeitet zu haben, dass man diese schwülstige Präambel nicht als bizarre "Verfassungslyrik" abtun kann, weil die neue Verfassung dieses ideologietrunkene Traktat zum verbindlichen Maßstab für die Auslegung ihrer selbst macht. Mit fatalen Folgen. Schließlich kann kein Verfassungsgericht schlüssig argumentieren, wenn es nur mit schwammigen Begriffen wie der "seelischen Einheit der Nation" operieren kann. "Wie giftige Säure", so Steinbeis, "durchsickert der nationale ,Glaube' das Normenwerk der Verfassung und löst es auf."

Auf diesen Artikel wurde ebenfalls mit giftiger Säure reagiert: In der deutschsprachigen Budapester Zeitung stellte deren Chefredakteur Jan Mainka den langjährigen Handelsblatt-Redakteur Steinbeis als "linken Blogger" hin und insinuierte, dieser habe Passagen bei dem ungarischen Politikwissenschaftler János Kis abgeschrieben.

Man liest das, staunt - und versteht erst allmählich, dass Mainka, der seinen Text online veröffentlichte, einfach nicht zu wissen scheint, was ein Internetlink ist: Eingeklinkt in den FAZ-Artikel war ein Hinweis auf ein Interview mit Kis, das Steinbeis auf Faz.net veröffentlichte. Mainka hat das Interview nicht gelesen, aber aus dem Hinweis-Foto von Kis gedeutet, "Gedanken von Steinbeis könnten dem Mund von Kis entstammen. Über die Übereinstimmung kann nur gemutmaßt werden, denn leider gelten in der Bloggerwelt für das Kennzeichnen von Zitaten andere Gesetze als bei Qualitätszeitungen."

Steinbeis bat Kis um eine Stellungnahme. Mainka, der behauptet hatte, wer im Blogger-Metier "erfolgreich sein will, muss polemisieren", und der in seinem Beitrag selbst nichts anderes getan hatte als zu polemisieren, reagierte nicht. Auf Anfrage der SZ, wo Steinbeis denn nun bei Kis abgeschrieben habe, antwortete Mainka: "Ja, wenn ich das wüsste!"

Steinbeis drehte nun den Spieß um und reichte Beschwerde ein bei der ungarischen Medienaufsichtsbehörde - eben dem Gremium, das für die Umsetzung des neuen umstrittenen Mediengesetzes zuständig ist. Dass er Erfolg hat, darf bezweifelt werden, schließlich hat die Behörde vor allem darauf zu achten, dass alle Journalisten die "nationale Identität" in Ungarn stärken. Und das tut Jan Mainka ja nach Kräften.