Axel Springer Verlag Klimawandel

Stefan Aust, der frühere "Spiegel"-Chef und neue starke Mann bei Springer, baut jetzt auch WeltN24 um. Bis zu 50 Stellen fallen weg. Print, Online und Fernsehen sollen künftig besser ineinandergreifen.

Von David Denk

Angesichts der jüngsten Reformpläne bei Welt N 24 fühlt man sich an eine auch nicht mehr ganz frische Redensart erinnert: Alte Besen kehren gut. Denn Stefan Aust, 69, Herausgeber und seit September 2015 überraschend auch Chefredakteur der "blauen Gruppe" von Springer, dreht jenseits der Rentengrenze noch einmal richtig auf: Statt per Pressemitteilung kündigte der frühere Spiegel-Chef am Mittwochnachmittag über den Fachdienst Meedia.de weitreichende Umbauten an Redaktionsstruktur und Bezahlmodell an. Kurz zuvor hatte er die Redaktion über seine Pläne informiert, denen bis zu 50 Stellen zum Opfer fallen sollen.

"Voneinander profitieren, statt miteinander konkurrieren", gibt Aust gegenüber Meedia als Devise aus. Ein zentrales Ziel des "Vollblutjournalisten" (Meedia) ist es demnach, durch eine "gewisse Standardisierung" Kapazitäten zu bündeln, die Zahl der Zeitungsressorts von 14 auf 8 zu verringern und das Ineinandergreifen von Print, Online und Fernsehen zu verbessern. Mit weniger Personal "mehr Recherche, mehr Hintergrund, mehr Qualität" zu bieten, erscheint Mitarbeitern wie Branchenkennern arg ambitioniert. Die Stimmung habe "einen neuen Tiefpunkt erreicht", heißt es aus dem Berliner Axel-Springer-Haus. Die Verunsicherung, was der Verlag mit Aust und der mit Welt N 24 vorhat, ist Existenzängsten gewichen. Sozialverträgliche Lösungen sollen gefunden werden, betriebsbedingte Kündigungen ausschließen kann der Verlag auf Nachfrage aber nicht.

Durch die geplante striktere Trennung von Reportern und Produktionsredakteuren, für Aust Prozessoptimierung und damit Entlastung der Rechercheure, droht eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Redaktion, zwischen Außen- und Innendienst. Doch um das Betriebsklima verdient machen sollte und wollte sich der Welt N 24-Chef offenkundig nicht.

In einer Mail an die Mitarbeiter fand Aust zwar warme Worte für Vorgänger Jan Eric Peters, doch sein Handeln konterkariert dies: "Ob das Metered Model, nach dem 20 Artikel frei sind und der Rest dann auf die eine oder andere Art bezahlt werden muss, der Weisheit letzter Schluss war, wage ich zu bezweifeln", schrieb Aust und kündigt mit der Umstellung auf ein Freemium-Bezahlmodell eine 180-Grad-Wende an: "Dabei sollen unsere besten Inhalte immer nur für Abonnenten und nicht frei zugänglich sein."

Und dann pries Aust Welt N 24 noch als "verspätetes Kind der Aufklärung": "konkret, offen, kritisch - nach allen Seiten." Dieses Bemühen um Aufbruchstimmung dürfte es im Springer-Hochhaus am Mittwoch schwer gehabt haben.