21. Dezember 2012, 18:11 Mögliche Rettung von dapd So fröhlich

Der frühere N24-Geschäftsführer Ulrich Ende verkündet in Berlin viele gute Absichten für dapd. Doch ob er und andere Investoren in die insolvente Nachrichtenagentur einsteigen werden, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Von Claudia Tieschky

Drei Männer sitzen an diesem Freitag bei dapd in der Berliner Reinhardtstraße vor Journalisten. Christian Köhler-Ma ist da, der Insolvenzverwalter, Jochen Mignat sitzt am Tisch, der für Köhler-Ma die Pressearbeit erledigt, eine blaue Fliege trägt und nach Art eines Talkshowmoderators Fragen stellt. Und Ulrich Ende ist da. Auf dem Schild vor dem 60-Jährigen steht sein Namen und das Zauberwort: Investor. Er soll der dapd Geld bringen, und Geld ist die Rettung. Es ist die Ulrich-Ende-Show.

Der frühere N24-Geschäftsführer hat vor ein paar Tagen bekannt gegeben, mit anderen Investoren dapd übernehmen zu wollen. Wer die weiteren Geldgeber sind, sagt er nicht, und in Berlin verbreitet er vor allem gute Laune.

Im Publikum sitzen auch Mitarbeiter und gekündigte Mitarbeiter der dapd. Ende spricht von Durchstarten und davon, dass man den "Mehltau von den Seelen nehmen und wieder ganz normale journalistische Arbeit machen" solle. Verkündet werden aber vor allem Absichten. Unterschrieben ist nichts.

Mitte Januar soll dapd wieder auf eigenen Beinen stehen, erklärt Köhler-Ma. Nach den Regeln der "Insolvenz in Eigenverwaltung" wurde Köhler-Ma im Oktober vom Gericht zunächst als Sachwalter bestellt, der die Geschäftsführung bei der Sanierung beaufsichtigt.

Der Jurist Wolf von der Fecht, den die alten Gesellschafter als Sanierer in die Geschäftsführung entsandt hatten, war nach dem Rückzug der bisherigen Chefs plötzlich alleiniger Insolvenzgeschäftsführer - und für die Restrukturierung zuständig. Weil die glückte, ging die dapd diese Woche nun in ein normales Regelinsolvenzverfahren über -und ihre Leitung an Köhler-Ma, der nun als Insolvenzverwalter wirkt. Ende hat zuletzt in Bulgarien die Schwesterkanäle TV7 und Super7 restrukturiert. Gegensätzlicher als von der Fecht und der fröhliche Ende, der nun übernehmen will, können Männer kaum sein.

Gern boulevardesker

Ende hat keinen Zweifel, dass er als künftiger Geschäftsführer die Agentur stärken kann, die nach 98 Kündigungen noch etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt und rentabel ist. Er werde viel enger mit den Kunden zusammenarbeiten, Texte sollen gern boulevardesker und im Paket mit Fotos und Bewegtbild angeboten werden.

Das Problem mit AP hat Ende auch schon fast gelöst; der bisherige Partner wechselt im Februar zur Konkurrenz dpa. Dow Jones soll nun die Auslandsnachrichten ersetzen, die bislang von AP kommen und die wichtig sind, um Kunden zu halten; der Markt ist hart. In welchem Umfang dapd bei Dow Jones zugreifen kann - auch das wird noch verhandelt.

Von zwei bis vier Millionen Kapital für dapd spricht Ende und verrät immerhin, seine Koinvestoren seien "im Großen und Ganzen Mittelständler", darunter strategische Partner aus der Verlagswelt. Er wolle etwas bewegen, sagt er, "ich trete hier in erster Hinsicht als Journalist an". Dass dapd ihn auch wegen des Geldes will, wird ihm schon klar sein.