Trendsportart Slacklining Slacklining als Therapie

Slacklining-Festival

Nix wie raus!

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Dass Slacklining immer beliebter wird, freut natürlich die Anbieter des Materials. Vor zehn Jahren musste man sich seine Bänder noch selbst basteln, heute gibt es in Deutschland über ein Dutzend Firmen, die sich auf Slacklining spezialisiert haben. Einer der Hersteller sagt, dass sich die Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren verzehnfacht habe.

Sogar ein Slackline Festival gibt es mittlerweile. In Chemnitz findet diesen August das dritte "Slackfest" statt. Der Organisator Christian Köhler kündigt eine 100 Meter hohe Highline an und erwartet über 200 Besucher. "Das wird wie ein Rockfestival, nur dass statt Musik Slacken auf dem Programm steht - ein Mordsspaß", sagt er.

Der Spaß spielt bei der Arbeit von Stefan Sailer eine geringe Rolle. Er arbeitet als Ergotherapeut in der Schweiz und nutzt die Slackline, um gelähmten Patienten zu helfen. Menschen, die durch einen Schlaganfall oder ein Schädelhirntrauma nicht mehr richtig gehen können, stellt er auf das Schlappseil. "Wir haben dadurch die Möglichkeit, Muskeln zu aktivieren, die gelähmt sind", sagt Sailer.

Das Training auf der Slackline führe dazu, dass Patienten aufrechter stehen und besser gehen können. Zusammen mit einem Kollegen hat Sailer eine Diplomarbeit über den Einsatz der Slackline in der Ergotherapie geschrieben und dessen Wirksamkeit untersucht. "Die Erfolge sind beeindruckend", sagt er.

Doch es gibt auch Gegner des Trendsports. Die Bayerische Schlösserverwaltung etwa, die für den Englischen Garten zuständig ist, hätte nichts dagegen, wenn Slacklining ein Zeitvertreib von kalifornischen Kletterern bleiben würde.

Denn die Schlaufen, mit denen die Bänder an die Bäume gegurtet sind, quetschen der Rinde den Saft ab. "Bei jungen Bäumen kann das zu irreparablen Schäden führen", sagt Jan Björn Potthast, Sprecher der Schlösserverwaltung. "Wir überlegen uns gerade Maßnahmen, wie diese seltsame Sportart bekämpft werden kann."

Johannes Olszewski stört das kaum. Er spannt seine Bänder meistens im eigenen Garten - oder irgendwo in den Bergen. Und da kämen die Ordnungshüter eh nicht hin, sagt er. "Es sei denn, sie fangen selbst an zu slacken."