Studie zur Belastung im Alltag Jeder fünfte Deutsche leidet unter Dauerstress

Stress im Alltag: Jeder Fünfte leider darunter sogar dauerhaft

Tagsüber die Karriere vorantreiben, abends um die Familie kümmern und irgendwann noch Zeit für sich selbst finden: Sechs von zehn Deutschen leiden einer Studie zufolge unter Stress im Alltag, viele davon sogar dauerhaft. Besonders betroffen sind Frauen, Angestellte und Stadtbewohner. Die fünf wichtigsten Erkenntnisse.

Von Pascal Paukner

Stress im Alltag ist in Deutschland ein Massenphänomen. Fast sechs von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage (hier als PDF) im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Das Umfrageinstitut hatte 1000 repräsentativ ausgewählte Deutsche befragt, nun liegen die Ergebnisse vor. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick:

  • Sandwichgeneration trifft es besonders hart

Wer zwischen 30 und 40 Jahren alt ist, hat besonders viel zu tun: Im Job gilt es Verantwortung zu übernehmen. Privat steht häufig die Familiengründung auf dem Plan. Dann ist da der Haushalt - und mitunter sind auch die eigenen Eltern in einem Alter, in dem sie immer mehr Zuwendung brauchen. Kurzum: Die sogenannte Sandwichgeneration ist besonders gestresst.

Acht von zehn Befragten in diesem Alter geben an, unter Stress zu stehen. Jeder Dritte sogar permanent. Zwei Drittel der 26- bis 35-Jährigen geben an, dass ihr Leben in den vergangenen drei Jahren stressiger geworden ist. Besonders wirkt sich dabei auch aus, ob eine Person in der Stadt oder auf dem Land lebt: Das Stress-Level in den Städten sei deutlich höher, schreiben die Herausgeber der Studie.

Wie nah sind Sie dem Burn-out?

Sie sind überlastet, erholen sich schlecht und denken am Wochenende ständig an die Arbeit? Dann droht ein Burn-out. Der Test zeigt es. mehr ...
  • Familiärer Druck belastet überwiegend Frauen

Als Kristina Schröder kürzlich ankündigte, sich von ihrem Amt als Familienministerin zurückzuziehen, um mehr Zeit für die Familie zu haben, war der Spott unter ihren Kritikern groß. Eine Ministerin, deren Politik eigentlich bewirken sollte, dass Frauen Karriere und Familie vereinbaren können, zieht sich zurück, weil sie eben das selbst nicht schafft? Klingt wie schlechte Satire, ist aber deutsche Realität.

Der Studie zufolge lastet der familiäre Druck noch immer überwiegend auf den Frauen. Haushalt und Kindererziehung fordern sie deutlich stärker heraus, als das bei Männern der Fall ist. Wenn Frauen unter Stress stehen, liegt dies der Studie zufolge aber auch daran, dass sie hohe Ansprüche an sich selbst haben: Jede zweite Befragte gibt an, dass sich das in Stress niederschlage.

  • Angestellte sind besonders gestresst - und der Druck steigt

Sieben von zehn Beruftstätigen in Deutschland gaben bei der Befragung an, dass sie ihr Job am meisten stresse. Jeder Vierte steht im Beruf unter Dauerdruck.

Zu den Stresstreibern im Job zählen demnach vor allem: zu viel Arbeit, Termindruck, unfreiwillige Arbeitsunterbrechungen, Informationsflut, schlechte Arbeitsplatzbedingungen, ungenaue Anweisungen, ungerechte Bezahlung, mangelnde Anerkennung, die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sowie die ständige Erreichbarkeit.

Doch nicht in allen Fällen wirkt sich der Stress im Job gleichermaßen schlimm aus. Wer sich nicht anerkannt fühlt, über zu wenig Handlungsspielraum verfügt oder sich mit Kollegen oder dem Chef streitet, kann sich schnell ausgebrannt fühlen (etwa 50 Prozent der Befragten), unter einer niedergedrückten Stimmung leiden (etwa 20 Prozent) oder gar an Depressionen erkranken.

Besonders unter ihren Arbeitsbedingungen leiden der Studie zufolge die Angestellten. In dieser Gruppe gaben acht von zehn zu Protokoll, dass sie gestresst seien. Bei den Arbeitern und Beamten gaben dies nur sechs von zehn Personen an. Eine Verbesserung scheint auch künftig nicht in Sicht, im Gegenteil: Der Stress bei den Erwerbstätigen nimmt zu. Fast 70 Prozent der Berufstätigen sagen, bei ihnen habe sich das Stress-Level in den vergangenen Jahren gesteigert. Bei den Erwerbslosen geben das deutlich weniger Menschen an: etwa 40 Prozent.

  • Stress im Privatleben ist am gefährlichsten

Stress hat nicht immer negative Folgen. Im Beruf kann er in der richtigen Dosierung sogar positiv wirken, weil er die Menschen anspornt. Im Privatleben sieht das anders aus. Treten dort Probleme auf, die Stress auslösen, kann das schlimme Folgen haben.

Wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern muss, Streit mit Familie oder Freunden hat oder in finanzielle Not geraten ist, leidet oftmals auch gesundheitlich unter dem daraus resultierenden Stress, schreiben die Herausgeber der Studie.

Wer hingegen mit seinem sozialen Umfeld im Reinen ist, kann davon profitieren. 91 Prozent der Befragten geben an, dass die Familie für sie einen starken Rückhalt biete. Sieben von zehn Deutschen sagen, dass sie aus ihrem privaten Umfeld Energie ziehen.

  • Jeder Zweite ist mit seinem Leben zufrieden

Doch auch wenn die Gestresstheit inzwischen zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geworden ist: Es gibt auch positive Befunde. Knapp die Hälfte der Deutschen gibt an, mit ihrem Leben voll und ganz zufrieden zu sein. Nur sechs Prozent bedauern ihren Lebensweg. 44 Prozent geben an, sie hätten im Nachhinein zumindest einige Entscheidungen anders getroffen. Besonders unter jungen Erwachsenen ist die Unsicherheit noch hoch - weniger als jeder Dritte unter 25 Jahren ist mit seinem bisherigen Leben zufrieden.