Sonnenbrillen – Die Grande Dame

New York im Morgengrauen, über die menschenleere 5th Avenue kommt ein einzelnes Taxi gefahren, Audrey Hepburn steigt aus und verharrt in stiller Andacht. Es ist das herzzerreißendste Opening der Filmgeschichte, nicht nur wegen Moon River, nicht nur wegen des schwarzen Givenchy-Kleides, in dem Audrey so schmal und schutzbedürftig aussah, dass man ihr am liebsten eine warme Decke übergeworfen hätte. Sondern auch, weil sie von den Juwelen, die sie so sehnsüchtig betrachtete und nie besitzen würde, gleich durch eine doppelte Glasfront getrennt war. Da war zunächst die Schaufensterscheibe von Tiffany's - und da waren die Gläser ihrer Ray-Ban RB 2140 Wayfarer. Dieser Typus wird heute nicht mehr gebaut, seine Wiedergänger jedoch sind fast 50 Jahre nach dem Frühstück bei Tiffany's aktueller denn je: Keine Sonnenbrille steht so sehr für mondäne Eleganz wie das ausladende Modell aus dunklem Schildpatt. Dass Audrey ihre Turmfrisur, das Abendkleid und diese Grande Dame von einer Brille mit Coffee-to-go und Gebäck aus der Papiertüte kombinierte, war ein Stilbruch, für den man sie nur noch mehr lieben musste.

Im Bild: Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany's, 1961.

Text: Tanja Rest Foto: Getty

23. März 2010, 12:222010-03-23 12:22:00 ©