Getrennt leben, aber gemeinsam Weihnachten feiern - das funktioniert nicht, sagen Psychologen.
Es säuselt durch alle Klatschspalten, der Schmalz tropft aus den Boulevardblättern. Man rückt wieder zusammen, auch wenn man sich zuvor bekriegt hat. Vor Weihnachten dürfen sich prominente Paare, aber auch prominente Ex-Paare, als romantisch veranlagte Familienmenschen präsentieren, denen das Herz aufgeht, wenn Heilige Nacht ist.
Weihnachtliches Theaterspiel: Kinder ist nicht geholfen, wenn am 27. Dezember die Realität über sie hereinbricht. (© Foto: iStockphotos)
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Und so lesen wir in diesen Tagen wieder viele tröstliche Nachrichten: Schauspielerin Veronica Ferres will das Fest gemeinsam mit ihrem Noch-Ehemann Martin Krug und den Kindern verbringen.
Til Schweiger, fleißiger Vater von vier Kindern, geht die Sache lässig an und setzt sich mit seiner verflossenen Dana unter den Weihnachtsbaum, die sich netterweise um den Truthahn kümmert. Popsängerin Sarah Connor und ihr Gatte Marc Terenzi? Packen zusammen mit den Kindern Geschenke aus und vergessen für ein paar Stunden ihren medial ausgetragenen Trennungsschmerz.
Auch Madonna und Guy Ritchie, das Scheidungspaar des Jahres, wollen gemeinsam die große Familien-Show inszenieren, um Tochter Lourdes und die Söhne Rocco und David glücklich zu machen.
Schnell keimt Hoffnung auf
In allen Fällen geht es den Beteiligten um das Wohl der Kinder, wie sie versichern. Man rauft sich zusammen, um das Fest einigermaßen über die Bühne zu kriegen. Dann klingelt an Heiligabend der Vater an der Tür, bringt einen Berg Geschenke mit und zieht für zwei Tage ins Gästezimmer, in der Hoffnung, dass man bei Kerzenduft zu einer Art Vernunftehe zurückkehren kann.
Das Verhaltensmuster der Schweigers und Connors ist allerdings nicht zu empfehlen, findet die Bonner Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ulrike Mattern-Ott: "Wenn frisch getrennte Paare keine Kinder hätten, würden sie ja auch nicht gemeinsam feiern."
Oft würden sich Eltern nur aus schlechtem Gewissen dazu genötigt sehen - oder auch, um vor dem erweiterten Familienkreis den Schein von Harmonie aufrechtzuerhalten. Aber Rücksichtnahme auf die Wünsche von Großeltern und Onkeln sei der falsche Weg, vor allem dann, wenn ein Elternteil die Trennung noch nicht verkraftet hat.
Paartherapeuten und Jugendpsychologen sind sich weitgehend einig: Auch den Kindern ist oft nicht geholfen, wenn die Eltern ihnen vor festlich erleuchteter Kulisse Einvernehmen vorgaukeln - und dann am 27. Dezember die Realität zurückschlägt.
"Bei Kindern keimt schnell Hoffnung auf. Die geben sich einem Trugschluss hin und sind vollkommen überfordert", weiß Mattern-Ott aus ihrer therapeutischen Erfahrung. Die Ärztin rät getrennten Eltern deshalb, in der Weihnachtszeit mit den Kindern einfach in den Urlaub zu fahren oder Freunde zu besuchen - ohne den Ex-Partner.
Einem Schauspieler wie Til Schweiger mag die Doppelrolle des liebenden Familienvaters und lässigen Ex-Mannes leichter fallen als anderen. Der Paartherapeut Hans Jellouschek ist allerdings skeptisch: "Es ist nur ein Krampf, wenn Erwachsene nicht mehr miteinander können und wegen der Familie glauben, gemeinsam feiern zu müssen."
Jellouschek hält es für sinnvoller, das Fest fair aufzuteilen: Am Heiligabend sind die Kinder dann bei der Mutter, am Ersten Weihnachtsfeiertag beim Vater - oder umgekehrt. "Zweimal feiern ist für die Kinder oft attraktiv, die nehmen die Sache viel gelassener als die Erwachsenen."
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Ich bin froh, dass mir die ARGE als Hartz IV Empfänger die Bahnfahrkarte bezahlt um meine Kinder in Berlin besuchen zu können.
Wenn die aus"geschiedenen" Elternteile an einem für Kinder so wichtigen Ereignis präsent sind, dann kann es eine Menge Gutes bewegen, wenn die Eltern in der Lage sind, im Umgang mit ihren Differenzen wahre Größe zu zeigen und sich und ihre Animositäten ganz nach hinten rücken, wenn sie nicht gar eine kreative Pause einlegen. Wer sich selbst in den Vordergrund stellt, wird vor allem die Kinder, ohne es beabsichtigen zu müssen, dafür leiden lassen. Es gibt geschiedene Eltern, die das verstanden haben und es wäre unfair, sie in den großen Topf zu werfen, wie generelle Aussagen es zwangsläufig machen, auch wenn sie von Psychologen kommen. "Seelenkundige" sollten doch am ehesten gelernt haben, dass Menschen zu unterschiedlich sind, um ihnen mit Regeln wirklich gerecht werden zu können.