Besonders deutlich zeigt dies der Vergleich zwischen den alten und den neuen Bundesländern. In der DDR, in der Frauenerwerbstätigkeit gesichert war, nahm auch die Zahl der Scheidungen zu. Bis heute ist die nichteheliche Partnerschaft in Ostdeutschland viel verbreiteter als im Westen. In manchen Regionen liegt der Anteil der nichtehelichen Neugeborenen bei mehr als 60 Prozent.
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Wie schnell Paare ihre Einstellung zur Ehe überdenken, wenn sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen ändern, zeigten zuletzt auch die Hartz-IV-Gesetze. Die Reform machte manchen Arbeitslosen plötzlich heiratswillig, denn nur Eheleute können ihre Partner noch kostenlos mitversichern. Andererseits zogen viele langjährige unverheiratete Paare auseinander, um nicht als "Erwerbsgemeinschaft" zu gelten, die auch ohne Trauschein gegenseitig zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden kann.
In diesem Sinne dürfte die von der Bundesregierung beschlossene Unterhaltsreform die Heiratslust weiter dämpfen. Denn das Gesetz hat die klassische Ehefrau und Mutter quasi abgeschafft. Wenn eine Frau heute diese Rolle wählt, übernimmt sie das Risiko, im Scheidungsfall schlecht dazustehen.
Denn anders als früher richtet sich die Unterhaltszahlung des Mannes im Falle der Trennung nicht mehr einfach am bisherigen Familieneinkommen, sondern es wird auch berücksichtigt, welchen Beruf die Frau, die für die Kinder pausiert hat, früher ausgeübt hat und wie viel sie heute verdienen könnte. Auch müssen geschiedene Ehefrauen neuerdings hinter einer neuen Lebensgefährtin zurückstehen, wenn diese mit dem Ex-Mann kleine Kinder hat und das Geld nicht für alle reicht.
Die Ehe "lohnt" sich also nicht mehr wirklich. Ist sie also deshalb ein Auslaufmodell?
Wohl kaum. Mit mehr als 18 Millionen solcher Verbindungen ist die Ehe in Deutschland immer noch die häufigste Form des Zusammenlebens von Paaren. Allerdings haben sich die Motive verschoben. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Druck, eine feste Verbindung einzugehen, spielt eine geringere Rolle. Ungebrochen ist aber offenbar die Sehnsucht nach dauerhafter Liebe und Partnerschaft - und das, obwohl fast jede zweite Ehe geschieden wird. Der hartnäckige Optimismus ist nicht völlig unberechtigt: Eheleute sind im Schnitt glücklicher und leben länger, sagen Glücksforscher.
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(SZ vom 26.08.2008/viw)
Partyzone Flußufer
Ich bin schon überzeugt, dass eine Ehe der Beziehung eine andere Qualität gibt. Sofern sie nicht eingangen wurde, nur, um eine schon bröckelnde Beziehung zu retten.
Wenn ich mir wirklich vorstellen kann, mit einem Menschen für immer zusammenzubleiben zu wollen, warum soll ich es nicht dann auch erklären? Abgesehen davon reisst man sich bei kleineren Differenzen dann wonöglich auch mal eher zusammen und findet eine Lösung.
Ich sehe das Problem der 68er und folgenden Generation eher dort, dass man sich ja festlegen müsste. Aber es könnte ja noch was besseres kommen. Und schließlich muss man vielleicht auch mal Unstimmigkeiten beseitigen, was ja bedeuten kann, dass man von seinem Standpunkt auch mal 2mm abrücken muss. So eine Zumutung aber auch. Wo bleibt dann da meine Selbstverwirklichung?
Gibt die Ehe einer Beziehung wirklich mehr Tiefe? Ehe ist doch nichts anderes, als dass man sein Zusammenleben vom Staat anerkennen lässt. Und genau das ist für mich ein Grund, nicht zu heiraten: Geht es den Staat was an (oder gar die Kirche), wie ich mein Privatleben gestalte?
Sich gegenseitig Treue und Liebe erklären, füreinander dasein, für seine Kinder voll und ganz einstehen - das alles braucht keinen Trauschein. Wenn sich jemand mit Trauschein wohler fühlt, ist das schön. Aber ich finde es auch gut, wenn man sich das Ja-Wort jeden Tag von neuem geben muss. Denn das "bis-das-der-Tod-euch-scheidet" ist nichts als Illusion. Die Treue zwischen zwei Menschen lässt sich nicht staatlich regeln, die will jeden Tag neu entdeckt werden.
Wie schnell Paare ihre Einstellung zur Ehe überdenken, wenn sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen ändern, zeigten zuletzt auch die Hartz-IV-Gesetze. Die Reform machte manchen Arbeitslosen plötzlich heiratswillig, denn nur Eheleute können ihre Partner noch kostenlos mitversichern. Andererseits zogen viele langjährige unverheiratete Paare auseinander, um nicht als "Erwerbsgemeinschaft" zu gelten, die auch ohne Trauschein gegenseitig zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden kann.
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ohne den obligatorischen seitenhieb gegen hartz 4 empfänger läuft auch in der gehobenen boulevardpresse heuztutage offensichtlich gar nichts mehr... .
Im Prinzip stimme ich mit jgambkes Position überein, aber ich bin der Ansicht, dass eine Hochzeit einer Ehe bzw. der Bindung zwischen zwei Menschen durchaus mehr Tiefe verleihen kann.
Und zwar dadurch, dass es doch einiges erfordert, öffentlich und vor Zeugen - zum Beispiel der versammelten Familie und allen Freunden - zu verkünden:
"Ja, wir lieben uns sehr und wir wollen es zumindest versuchen, für immer zusammenzubleiben."
Das ist gar nicht so einfach, wenn man mal darüber nachdenkt. Auch einem Paar, das schon seit langer Zeit zusammen ist und es wirklich ernst meint, kommt solch ein Satz nicht so einfach über die Lippen.
Darüber hinaus mag es ein Trauschein es doch etwas schwieriger machen, eine Beziehung für gescheitert zu erklären. Ein öffentliches Bekenntnis zu widerrufen und einzugestehen "hat doch nicht geklappt" ist zwar heutzutage kein Weltuntergang mehr (zumindest in der Mehrzahl der Fälle), aber doch etwas unangenehm, vor allem, weil eine Scheidung manchmal auch nicht ganz billig kommt.
Ob das den an der Beziehung beteiligten Personen - Eltern und möglicherweise Kinder - gut tut oder nicht, hängt vom Einzelfall ab. Manchmal ist es eine gute Sache, dass es ein Paar aufgrund der Tatsache, dass es verheiratet ist, nochmal miteinander versucht, manchmal nicht, da kann man nicht pauschalisieren.
Im Großen und Ganzen ist es dennoch einfach so, dass das, was eine Ehe von einer Beziehung ohne Trauschein unterscheidet, das öffentliche Bekenntnis zu dieser Beziehung ist. Eine Eheschließung ist ein Symbol.
Weswegen sonst haben Homosexuelle für die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestritten?
Die Verbindung zwischen Menschen bekommt ihre Verbindlichkeit durch deren Interesse, deren Engagement und ihre Bereitschaft, zu schenken. Ein Geschenk bekommt seinen Wert durch die Absicht und nicht durch die Gegenleistung.
Wer liebt, kommt mit den Energien einer Welt in Berührung, vor der Egoisten rechtzeitig halt machen. Liebende geloben sich Treue nachdem sie sich dafür entschlossen haben. Egoisten schließen Verträge, um sicher zu gehen.
Viele Paare wissen um die Bedeutung ihrer eigenen inneren Entscheidung und wehren sich gegen eine vertragliche "Rechtfertigung" ihrer Verbindung. Sie als Wanderer auf Abruf zu sehen verrät eher den Beobachter.
Im Bereich der Psychologie ist es ohnehin schwer, eine Grenze zu ziehen: Wo fängt die persönliche Einschätzung an und wo hören die nachweisbaren Fakten auf. Um die Seele/ Psyche zu verstehen, brauchen wir einigen Horizont mehr als nur logische Zusammenhänge, wo wir das davor und dahinter nicht sehen und regelmässig überrascht werden.
Wenn Menschen zusammenbleiben ist es ihre Entscheidung und ihr Glück, wenn sie gemerkt haben, welche Möglichkeiten sich ihnen öffnen.
Liebe heisst lieben. Geliebt werden kann ein Ergebnis sein.
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