Pro & Contra: teure Hochzeiten Geld macht (un)glücklich

Klar geht es um Liebe. Aber Prassen gehört beim Heiraten dazu. Oder doch nicht? Denn Liebe hat nichts mit Geld zu tun.

Von Corinna Nohn und Hannah Wilhelm

Geld macht glücklich

Die Hochzeit muss was kosten. Ein Pro von Hannah Wilhelm.

Wer heiraten will, kommt schnell dahinter, dass es bei der ganzen Veranstaltung um Geld geht. Ob man will oder nicht. Zu Beginn stehen noch romantische Vorstellungen im Vordergrund und der gute Vorsatz: Mehr als 3000 Euro sollen es nicht werden. Nein, man kann nur den Kopf schütteln über Schauspielerin Elizabeth Hurley, deren Hochzeit mit dem indischen Textilunternehmer Arun Nayar im vergangenen Jahr drei Millionen Euro gekostet hat.

Oder über Fußballer Michael Ballack, der bei seiner Hochzeit im Juli mindestens eine Million allein für den Auftritt von Elton John hinlegen musste. Nein, der Normalsterbliche denkt zu Beginn der Planungen noch, es geht um Liebe und die Entscheidung für ein gemeinsames Leben. Und dass man echtes Glück nicht kaufen kann.

Doch bald wird klar: Eine schöne Hochzeit gibt's für Geld durchaus - und die wiederum macht glücklich. Und: Alle Entscheidungen rund um die Hochzeit haben mit Geld zu tun. So auch die erste grundsätzliche Frage: Will man nur standesamtlich oder auch kirchlich heiraten? Da es selten gelingt, beides auf einen Tag zu packen, gilt eine einfache Rechnung: Zwei Feiern sind teurer als eine. Aber deshalb auf Gottes Segen verzichten? Nicht im Ernst.

So geht es weiter: Klar tut es auch das Kreisverwaltungsreferat. Auch das kostet übrigens: Gebühren für die Trauung, die Namensänderung und das Familienbuch. Aber das Standesamt auf der Roseninsel im Starnberger See ist schöner. Und teurer. 600 bis 800 Euro kostet eine Hochzeit dort - hinzu kommt die Bezahlung des Ruderers, der die Hochzeitsgesellschaft übersetzt. 800 Euro sind ja nicht die Welt, denkt das Paar - viel weniger als die 30.000 Euro, die die Insel von Virgin-Boss Richard Branson pro Tag kostet, auf der Google-Gründer Larry Page geheiratet hat. Und ehe man es merkt, werden die Festivitäten immer teurer.

Das Kleid! Natürlich muss es nicht unbedingt ein paar tausend Euro kosten. Aber: Wie oft darf eine Frau in ihrem Leben Prinzessin spielen? Ein einziges Mal. Sonst stiefeln sie ja gerne mit Hosenanzügen durchs Leben und verdienen ihr Geld selbst. Aber bei der eigenen Hochzeit? Klotzen, nicht kleckern. Es ist nicht rational, so viel Geld für ein Kleid auszugeben, das nur einen Tag getragen wird. Aber es macht glücklich. Sehr glücklich.

Auch bei den Ringen macht das Geld den Unterschied: Ein Plastikring aus dem Kaugummiautomaten ist vielleicht bei einem spontanen Antrag romantisch, für Trauungen jedoch ungeeignet. Wie sieht das nach drei Jahren Ehealltag aus? Drei Jahre abspülen, duschen, Hände waschen? Eben! Die Ehe soll ein Leben lang halten, der Ring auch. Auch wer bei den Gästen spart, wird seines Lebens nicht mehr froh. Das gilt natürlich nicht für unliebsame Tanten, Onkel, Cousinen zweiten Grades. Aber eine Freundin, die aus finanziellen Gründen nicht eingeladen wird, wird das lange Zeit nicht vergessen, nicht verzeihen können. Sicher kostet jeder Gast: ein Menu mehr, ein oder zwei Flaschen Wein (nicht von Aldi), Champagner, Torte, Hotelzimmer. Aber mit jedem Freund, der entzückt eine Einladung im Briefkasten findet, steigt auch die eigene Freude. Ist so.

Und so läppert es sich: das Auto, sauber gedruckte Einladungskarten, nicht zu vergessen den Fotografen. Klar kann auch Onkel Hans auf den Auslöser drücken. Aber niemand will in 30 Jahren den Enkeln Bilder zeigen, auf denen Oma Agnes schielt und die Braut kein Licht im Gesicht hat. Wirklich niemand.

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