Zuckercouleur, künstliche Enzyme und Schaumverstärker
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Dabei hat Bier einiges mehr zu bieten als seine unübertroffenen Durstlöscherqualitäten. So ist es im Vergleich mit allen anderen alkoholischen Getränken ein durchaus naturreines Produkt: Zwar ist die romantischen Ansprüchen genügende kleine Landbrauerei, in der streng nach alter Familientradition gearbeitet wird, heute kaum noch zu finden. Doch auch modernste Kellertechnik, hochgezüchtete Braugerste und industrielle Wasseraufbereitung ändern nichts daran, dass Bier ausschließlich aus Hopfen, Malz und Wasser besteht.
Weitere Anreicherungen, wie sie der Weinwelt gang und gäbe sind, scheiden also aus - zumindest, wenn nach dem Reinheitsgebot gebraut wird , andernfalls darf auch mit Zuckercouleur, künstlichen Enzymen und Schaumverstärkern nachgeholfen werden. (Bei aller Liebe muss man das bayerische Reinheitsgebot von 1516 deshalb aber nicht zur ältesten Lebensmittelverordnung der Menschheitsgeschichte hochjubeln. Es war keineswegs als gesundheitspolitisches Instrument gedacht, sondern nur eine Verfügung, die den stets klammen Wittelsbachern die Übersicht über den Rohstoffverbrauch und damit die Steuererhebung zu erleichtern).
Saubere Frische als Qualitätsmerkmal schließt zwar eine längere Lagerzeit aus und beraubt den Bierfreund um die Weinkennern heilige Geheimwissenschaft der Jahrgangsbeurteilung. Alle anderen Themen, die Weingenuss zur hohen Kunst erheben, können aber ebenso bedient werden. Wer also dem Bier hochkulturellen Mehrwert verleihen will, kann genauso gut über Stammwürze fachsimpeln wie über Öchslegrade, er kann Sensorik-Studien anstellen (es gibt chemische Analysen, denen zufolge Bier weit mehr Inhalts- und Duftstoffe aufweist als Wein!), über die Wahl des richtigen Glases und Einschenkens diskutieren und die damit verbundene Textur des Schaums.
Der ist weit mehr als nur ein ästhetisches Phänomen, dient er doch dazu, Aromen und Kohlensäure im Bier zu halten. Erfahrene Trinker bestellen daher lieber "a Schaumige", auch Schnitt oder Pfiff genannt, anstatt sich über mangelnde Einschenkmoral zu beschweren. Beklagenswerter wäre da die neuerdings von Brauereien initiierte Zugabe von Stickstoff in die Zapfanlage. Das erhöht zwar die Zapfgeschwindigkeit, geht aber auf Kosten der Schaumdichte.
Brauer ohne Chancen
Die raffinierte Zusammenstellung von Wein- und Speisefolgen wird wohl die angestammte Domäne von Weinprofis bleiben, es dürfte sich aber auch herumgesprochen haben, dass Bier mehr kann, als nur Salzgebäck und Schweinernes herunterspülen. Eine wahre Labsal sind zum Beispiel Austern mit irischem Stout, Klosterkäse mit belgischem Trappistenbier und erst recht dunkle Schokolade mit schwerem Weizendoppelbock. Insbesondere die säure- und gewürzreiche asiatische Küche lässt Wein im Vergleich mit Bier blass aussehen, und es ist schon erstaunlich, mit welcher Ignoranz unsere Biervermarkter dieses Thema behandeln. Hier läge auch ein Ansatzpunkt, um all die Frauen anzusprechen, die Bier meist nur mit rülpsenden Männern assoziieren.
Um das gesamte Genusspotential von Bier auszuschöpfen, bedürfte es jedenfalls einiger Anstrengung. Was die Spirituosenindustrie längst gemerkt hat, dass man nämlich nachlassendem Alkoholkonsum und zunehmender staatlicher Restriktionen für Werbung und Verkauf mit besseren und vor allem individuelleren Produkten begegnen muss, ist den großen deutschen Brauern offenbar ein unsittliches Ansinnen.
Während die Bierspezialitäten der britischen Real Ale Pubs und der Microbreweries in den USA rasantes Wachstum verzeichnen können, tut sich diesbezüglich in Deutschland wenig. Obwohl immer wieder voller Stolz darauf verwiesen wird, dass kein Land der Welt mehr Braustätten vorzuweisen hat, verlässt man sich auf Einheitspils und klammert sich an die quasi-feudalistische Vertragspolitik, mit der Brauereien den Wirten vorschreiben, welches Bier sie auszuschenken haben (und zu welchem Preis).
Solange aber Wirte nicht frei entscheiden können, welches Bier sie ihren Gästen kredenzen möchten, solange haben engagierte Brauer nur wenige Chancen zu zeigen, was aus Hopfen und Malz herauszuholen ist - und solange wird dem Bier auch der Respekt versagt bleiben, den es tatsächlich verdient.
Bis dahin bleibt uns nichts weiter übrig, als mit Hingabe zu genießen, was Bier so unwiderstehlich macht: Den erlösenden ersten Schluck ...
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(SZ vom 20.09.2008/mmk)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Man kann nur aus kulturhistorischen Gründen erklären, warum manche Drogen verboten sind und andere nicht. Kultur hat nicht zuletzt auch etwas mit Gewohnheit zu tun, weil sie unter anderem vermeintlich feste Identifikationspunkte bietet, die eine bestimmte Gruppe verbinden sollen.
Der Artikel ist recht schwach und die Schuld wieder einmal den großen XY zu geben abgegriffen und -gedroschen zugleich!
Als Nicht-Biertrinker kann ich die tatsächliche Qualität des Gebräus nicht wirklich beurteilen. Ich wäre auch für die Legalisierung anderer Drogen, wenn man die daraus entstehenden externen Effekte (Zwangsberauchung, Trunkenheit am Steuer, Jugendgefährdung, etc.) gesetzlich eindämmen würde.
Allerdings gibt es da immer das Problem, dass viele zu einem verantwortungsvollen Umgang mit "ihren" Drogen nicht in der Lage sind. Man beachte nur die Rauchverbotsdebatte, in der allzu viele Abhängige nicht willens sind, das Mindestmaß an Rücksicht selbst zu nehmen, mit dem derartige Gesetze überflüssig wären!
Bier ist trotzdem die deutsche Salon Droge. Marihuana ist weniger gesundheitschätlich, weniger suchtgefährtend und würde geringeren Volkswirtschaftlichen Schaden verursachen als Alkohol. Außerdem mach Marihuana nicht aggresiv.
Barolo? klar kenn ich den EU-Präsidenten.
Und Kultur? keine Frage. Das macht die Krise durch das Fehlen einer Generationsübergreifenden Kommunikations-Ebene und gemeinsamen Initiierungsriten auch so dramatisch.
Die Brauereien Landschaft macht da einen viel besseren Eindruck und hier gibt es auch durchaus positive Beispiele vom traditionell, aus lokalen Rohstoffen, gebrautem Bier über (Gast-)Hausbrauereien bis zur alkoholfreien Neukreation mit Kultstatus aus Familienbetrieb.
Eher fraglich, ob man damit den Niedergang der Brauwirtschaft aufhalten kann.
Aber stimmt denn diese Aussage:
"Heute erscheint es obsolet angesichts der Tatsache, dass der Deutsche im Durchschnitt nicht mehr als zwei Euro pro Flasche Wein auszugeben bereit ist und - brancheninternen Erkenntnissen zufolge - nur etwa 300.000 Menschen hierzulande mit dem Begriff Barolo etwas anfangen können."
Sind diese Zahlen nicht eher zu plakativ gewählt? Zwei Euro? Vermutlich im Tetra-Pack - und 300.000 Barolo-"Anfänger"??????