Meinungsumfrage Glückliche Dänen, mäßig gelaunte Deutsche

Menschen in Paraguay lieben den Tanz, Dänen sind bekannt für ihre Freundlichkeit, sogar an der Supermarktkasse. Einer Umfrage zufolge sind die Paraguayer das fröhlichste Volk der Welt und die Dänen die mit Abstand glücklichsten Europäer - gibt es da einen Zusammenhang?

Von Hanna Voß

Lateinamerikanische Länder sind bekannt für ihre Lebensfreude, ihre Partys, Musik, Tänze und das Essen. Schönes Wetter, die Nähe zu Strand und Meer und enge Familienbande tun ihr Übriges, damit die Menschen sich in ihrer Heimat wohl fühlen. Vielleicht ist die berühmte südländische Lässigkeit ein Grund dafür, dass in dem südamerikanischen Land Paraguay die meisten glücklichen Menschen der Welt leben. Letzteres zumindest will die Gallup Organization herausgefunden haben, eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute mit Sitz in Washington.

Insgesamt, so die Organisation, teilen Menschen auf der ganzen Welt mehr positive Emotionen als angesichts von Konflikten, Hungersnöten und Naturkatastrophen angenommen werden könne. Sieben von zehn Erwachsenen gaben auf die Fragen nach dem Wohlbefinden an, sie hätten entweder viel Freude, lachten viel, fühlten sich ausgeruht, würden mit Respekt behandelt oder hätten tags zuvor etwas Interessantes gelernt oder erlebt, kurzum: Sie hatten am Tag vor der Umfrage positive Gefühle irgendeiner Art. Für die Studie wurden in 138 Ländern jeweils 1000 Menschen ab 15 Jahren befragt.

Auf Spitzenreiter Paraguay folgen Panama, Guatemala, Nicaragua, Ecuador, Costa Rica und Kolumbien. Direkt dahinter kommt Dänemark, das als einziges europäisches Land in den Top Ten der Gallup-Skala vertreten ist. Was hat Dänemark, was andere europäische Länder nicht haben?

Glück aus Gelassenheit?

Ein möglicher Grund: Kinderfreundlichkeit. Denn Dänemark gilt als besonders kinderfreundliches Land, und Kinder machen bekanntlich ja glücklich. Hin und wieder zumindest. Überall im Staate Dänemark ist der Nachwuchs herzlich willkommen - in jedem Restaurants gibt es Kinderteller, und in öffentlichen Gebäuden, sogar in Banken, einladende Spielecken.

Das Rezept scheint aber vielmehr ein ganz einfaches zu sein: "Tak" heißt "Danke" auf Dänisch, und das geht den Dänen tausendmal am Tag über die Lippen. Die Verkäuferin bedankt sich für das Warenanschauen, die Kollegen bedanken sich für den Arbeitstag und die Kunden bedanken sich für das Einkaufen. So berichten diverse Blogs von Dänemark-Fans und -Auswanderern im Netz.

Höflichkeit und Gelassenheit bekomme der Däne schon in die Wiege gelegt, heißt es dort - das haben die Skandinavier wohl mit den Lateinamerikanern gemeinsam. Wie lang die Schlange an der Supermarktkasse auch ist, der Däne wartet geduldig, und die Verkäuferin lächelt freundlich. Gibt es in Dänemark also womöglich überhaupt keinen Stress? Oder zumindest viel weniger als anderswo?

Sieben von zehn Erwachsenen haben positive Gefühle

Menschen, die unter ernormem Stress leiden, sind jedenfalls merklich weniger glücklich. Sie leben im Bürgerkriegsland Syrien, das auf dem letzten Platz liegt. Gelassenheit hat da natürlich keinen Platz. Zwischen 2008 und 2013 hat sich die Zufriedenheit der Syrer um etwa die Hälfte verringert. Mit 36 von 100 möglichen Punkten auf dem Index hat das Land damit das niedrigste Ergebnis, das von Gallup jemals gemessen wurde. Auch Serbien, Weißrussland und der Jemen gehören zu den Schlusslichtern.

Neben den Platzierungen hat das Meinungsforschungsinstitut andere bemerkenswerte Ergebnisse aufgelistet. So unterscheiden sich in einigen der 138 befragten Länder die Zufriedenheitswerte zwischen den Ethnien. Und: Grundsätzlich fühlen sich offenbar auch die Selbstständigen auf der ganzen Welt weniger glücklich als die Arbeitslosen. Je mehr Verantwortung jemand trägt, desto größer der Stress, belegen Zahlen.

Auch Besserverdienende berichteten tendenziell von mehr positiven Gefühlen. Gallup verweist aber darauf, dass andere statistische Zahlen diesen Zusammenhang nicht belegen, oder nur bis zu einem Jahreseinkommen von 75000 Dollar.

Im Übrigen ist mittlerweile die persönliche Zufriedenheit ein besserer Indikator für soziale Unruhen als traditionelle Wirtschaftsfaktoren. In Ägypten und Tunesien war beispielsweise kurz vor Ausbruch des Arabischen Frühlings zu beobachten, dass die von Gallup gemessenen Zufriedenheitswerte ihren Tiefstand erreicht hatten, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf jedoch gestiegen war.