Körperpflege beim Mann Sich waschen, ohne schwul zu wirken

Sie heißen "Shock", "Boost" oder "Anti-Hangover". Nur mit maskulin klingendem Duschgel fühlt sich der Mann wie ein Mann.

Von Jochen Schmidt

Die Duschbadhermeneutik hat mich immer fasziniert. Für Frauen gibt es alles mit Milch, Kokos, Mandeln, Honig und Zitrone, im Grunde möchten sie sich mit Essen waschen. Bei Männern sehen schon die Verpackungen aus wie für Motoröl.

Die Marken heißen "Shock", "Boost" und "Anti-Hangover". Keine tropischen Urlaubsregionen im Namen, sondern "Alaska". Und wenn schon Entspannung, dann mit "Thai-Massage" von Axe, dann beginnt jeder Tag mit einem Seitensprung.

Das Duschbad muss möglichst aggressiv wirken, weil "sich waschen" an sich völlig schwul ist. Schlimm genug, dass man hinterher besser riecht als vorher.

Wie Adorno in "Minima moralia" schreibt: "Der gut Aussehende, der im Smoking, spät abends, allein in seine Junggesellenwohnung kommt, die indirekte Beleuchtung andreht und sich einen Whisky-Soda mischt... er verachtet, was nicht nach Rauch, Leder und Rasiercrème riecht, zumal die Frauen, die ihm eben darum zufliegen. Die Freuden solcher Männer haben allesamt etwas von latenter Gewalttat. Anders als beim Wein, lässt jedem Glas Whisky, jedem Zug an der Zigarre der Widerwille noch sich nachfühlen, den es den Organismus gekostet hat, auf so kräftige Reize anzusprechen, und das allein wird als die Lust registriert."

Im Grunde würde man sich als Mann am liebsten mit Salzsäure waschen. Oder eben gar nicht, einen Mittelweg gibt es nicht, für einen Krieger kann es keine Kompromisse geben. Als Mann benutzt man natürlich harte Zahnbürsten und freut sich, wenn jedesmal das Zahnfleisch blutet. Wenn man sich mit seinem Rasierwasser das Gesicht tupft, und es brennt wie Feuer, das ist erfrischend wie die Ohrfeige einer Frau.

Man könnte ganz bequem mit dem Auto fahren, oder sogar noch bequemer mit der Bahn, aber man steigt aufs Motorrad. Ohne das Risiko, dabei zu sterben, können wir einer Reise nichts abgewinnen, selbst, wenn es nur der Weg zur Arbeit ist.

Deshalb ist es auch nicht Nachlässigkeit, wenn man im Winter mit Sommerreifen fährt, es ist Draufgängertum, Lust auf Leben. Wenn schon das Auto, dann mit möglichst wenig Platz für Mitfahrer. Ich fahre ja nicht, um irgendwen zu chauffieren, sondern aus Freude an der Geschwindigkeit. Als Mann braucht man für sein Tun nie einen Grund, man folgt schließlich seinen Instinkten.

Also ein Zweisitzer, und auf den Beifahrersitz kommt höchstens mal eine Frau, die ich von einem feindlichen Stamm erbeutet habe. Die nehme ich mit nach Mannheim, wo ich bei Mannesmann arbeite. Wenn ich Fahrrad fahre, dann immer nur hohe Übersetzungen, auch beim Losfahren an der Ampel. Lieber der letzte sein, als so affig strampeln. Meinen Müll trenne ich natürlich nicht. Ich weiß gar nicht, wo bei mir der Mülleimer steht.

Ich trinke meinen Kaffee schwarz und stark, obwohl mir das gar nicht schmeckt. Ich klebe an allen Steckdosen in der Wohnung die Schutzkontakte mit Tesa-Band ab. Wenn ich Strom benutze, dann ohne schwule Sicherheitsvorrichtungen.

Im Vergleich zu mir, ist doch jeder schwul. Ich gehe so lange nicht aufs Klo, bis die Blase unerträglich drückt, aber ich lasse mir nichts anmerken. Es muss einfach immer etwas wehtun, vor allem, wenn ich lange nicht im Krieg war und gerade keine Kugel irgendwo steckt, dann brauche ich Schmerzen, um mich lebendig zu fühlen.

Ich liebe einfach das Risiko. Neuerdings halte ich im Flugzeug die Zeitung über meinen Bauch und öffne beim Start heimlich wieder den Sicherheitsgurt, um den Nervenkitzel zu genießen. Es ist ein verrücktes Gefühl von Freiheit, das nur Männer verstehen.