Knigge für die Feiertage Unliebsame Geschenke: "Es geht um Schadensbegrenzung"

Muss man so tun, als ob man sich freut, obwohl einem das Geschenk nicht gefällt?

"Ja, unbedingt. Es geht um Schadensbegrenzung. Und den Mund zu einem erkennbaren Lächeln verziehen, tut ja nicht weh. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn Sie Ihren Unmut zeigen: Das kommt undankbar und lieblos rüber. Ein gutes Richtmaß in allen Dingen ist die Frage: Wie gehen Kinder damit um? Im Fach Pragmatik macht ihnen niemand etwas vor. Kinder würden in diesem Fall einen spitzen Schrei ausstoßen, deutbar als Ausdruck purer Begeisterung. Und dann würden sie ein anderes Spielzeug entdecken und sich ihm so hingebungsvoll widmen, dass das missglückte Geschenk in Vergessenheit geriete. Was aus dem freudig entgegengenommenen, elegant ignorierten Geschenk werden soll? In irgendeiner Schublade ist immer Platz. Und nach Neujahr trifft man sich ohnehin wieder mit Freunden, um sich auszutauschen und - ja, auch um zu tauschen. Heimlich, versteht sich. Sie wollen lieber die Wahrheit sagen? Dann laufen Sie Gefahr, sich und Ihr Gegenüber unglücklich zu machen."

Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph und Buchautor in Berlin.