Der Umgang mit Intersexuellen mutet mittelalterlich an. Lange Zeit wurde ihnen wie Knetmasse das eine oder andere Geschlecht modelliert - mit zum Teil schweren psychischen und physischen Folgen. Der Deutsche Ethikrat macht auf dieses Problem aufmerksam. Gut, dass er damit zum Hinschauen zwingt.
Es klingt nach Behandlungsmethoden aus dem Mittelalter: Ein Mensch wird ohne seine Zustimmung kastriert oder ähnlich folgenschwer an den Genitalien verstümmelt, und keiner regt sich groß drüber auf. Es ist aber eine Behandlung, die in Deutschland bis Ende des 20. Jahrhunderts praktiziert wurde: Ärzte, aber auch Eltern, spielten Gott und entschieden für intersexuelle Kinder, ob sie als Frau oder als Mann erwachsen werden sollten. Wie Knetmasse wurde Menschen das eine oder das andere Geschlecht modelliert, mit gravierenden Folgen für ihre Psyche und ihre Fortpflanzungsfähigkeit.
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In Berlin protestieren zwei Demonstranten vom Verein "Intersexuelle Menschen" gegen Genitalverstümmelung. (© dapd)
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Man kann sich diese Leiden kaum vorstellen, man kann sich überhaupt wenig vorstellen über die "Zwischengeschlechtlichen", über ihr Befinden und ihre Bedürfnisse. Es gibt ja nicht einmal Zahlen darüber, wie viele sie sind - die Schätzungen reichen von 8000 bis hin zu 120.000. Umso verdienstvoller ist es, dass sich der Deutsche Ethikrat nun dieser Gruppe angenommen und Empfehlungen für einen besseren Umgang mit denjenigen abgegeben hat, die oft schon allein aus Unwissen diskriminiert werden.
Hoch anzurechnen ist ihm das aber nicht nur im Sinne der Intersexuellen - die Frage im Zentrum der Debatte betrifft letztlich viel mehr Menschen: Inwieweit dürfen Menschen überhaupt ohne ihre ausdrückliche Zustimmung an den Geschlechtsorganen operiert werden? Dieses Problem stellt sich zum Beispiel auch im Umgang mit geistig Behinderten: Von Rechts wegen können sie gegen ihren Willen, aber mit Zustimmung des Betreuers kastriert oder sterilisiert werden. Das ist noch so ein Bereich, über den die Leute wenig wissen, weil sie wenig drüber wissen wollen. Es ist gut, dass der Ethikrat von Zeit zu Zeit zum Wissen zwingt.
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(SZ vom 24.02.2012/soli)
StatcBool: "In bestimmten Bereichen ist es aber unabdingbar, nach Geschlechtern zu trennen. Mir fallen hier Spitzensport ein, denn hier bringen Männer naturgemäß mehr Kraft-Leistung als Frauen. Oder zum Beispiel Gefängnis-, Klinikaufenthalte, Pflegeheimplätze, die auch nach Geschlecht vergeben werden."
Diese Argumentation ist ungefähr so stichhaltig wie wenn Sie fordern würden, dass Linkshänder mit der rechten Hand schreiben müssen, weil es keine Linkshänder-Scheren gibt.
- Dann muss man eben welche herstellen.
r66
Die Überschrift ist schon klasse, aus Unwissenheit verstümmelt und diskriminiert...
Heute sollte jedem aufgeklärten Menschen bekannt sein was aus dem Menschenexperiment von John Money wurde, der behauptet hat ein Kind braucht nur umoperiert werden und kann dann auch im anderen Geschlecht zugehörig aufwachsen. Diesem Herrn haben es unter anderem diese Kinder zu verdanken, dass an ihnen teilweise auch heute noch solche Praktiken durchgeführt werden. Auch wenn unverbesserliche wie Alice Schwarzer immer noch eine Korrektur ihrer Meinung zu Money ablehen.
Hoch lebe das Preussische Landrecht, das Eltern bis zum 18ten Lebensjahr erlaubte ihre Kinder nach dem Geschlecht zu erziehen dass diese wollten, aber ab 18 konnte das Kind selbst entscheiden was es wollte. Dieses könnte in unserer angeblich noch aufgeklärteren Gesellschaft sogar noch besser gehen. Die Eltern versuchen ein Kind so geschlechtsneutral wie möglich zu erziehen und irgendwann, wenn das Kind soweit ist, macht es was es möchte.
Zu den Komentaren der Genitalverstümmelung bei Mädchen,
so grausamm dieses für die Betroffenen auch ist, aber sie werden nicht ihrer biologischen Identität beraubt und nach Gusto einem anderen Geschlecht zugeordnet. Ausserdem haben auch andere Menschen ein Recht mal über ihre Schicksale zu reden bzw. gehört zu werden, und hier geht es nun einmal um Menschen denen auf andere Weise Leid angetan wurde... Egal ob Junge oder Mädchen.
@WM2000
Zur Taufe, sorry aber das ist mehr als nur Quatsch. Mir wurde als Kind auch die deutsche Staatsbürgerschaft aufs Auge gedrückt ohne dass ich mich dagegen wehren konnte. Die Taufe ist eine art Aufnahmeritus, der weder das Wesen des Kindes noch seine Unversehrtheit gefährdet. Das passiert höchstens durch eine (stark) religiös geprägte Erziehung, und da ist es egal ob die Taufe erst mit 18 Jahren vollzogen wird. Jedoch gibt es eine religiöse Genitalverstümmelung bei Jungen, Beschneidung genannt. Unter unhigienischen Umständen und ohne Betäubung sicherlich mit der bei Mädchen zu vergleichen. Ausserdem ist auch die Beschneidung ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen, die ihm von GG zugesichert wird.
Habe ich gelesen;
Genau das meine ich ja, ab hier wird es ideologisch.
Wissenschaftlich gesehen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, mit denen die Fortpflanzung natürlicherweise funktioniert.
Wie jeder mit seinem Geschlecht umgeht, ist mittlerweile beinahe ausnahmslos ihm selbst überlassen.
Ein biologischer Mann kann sein Leben als Frau leben und umgekehrt, selbst wenn er/sie nicht intersexuell ist.
In bestimmten Bereichen ist es aber unabdingbar, nach Geschlechtern zu trennen.
Mir fallen hier Spitzensport ein, denn hier bringen Männer naturgemäß mehr Kraft-Leistung als Frauen.
Oder zum Beispiel Gefängnis-, Klinikaufenthalte, Pflegeheimplätze, die auch nach Geschlecht vergeben werden.
Es ist nun einmal ein wichtiger Faktor im Umgang miteinander.
Diese biologische Tatsache kann gestört, also krank sein (hier ohne negative Konnotation gemeint) wie jede andere Funktion im Körper auch!
Am leichtesten macht man es scheinbar für die daran erkrankte Minderheit, indem man das "Andere" zum "Normalfall" erklärt und wieder die eigene Buntheit und Toleranzgesinnung zelebriert.
Da es hier aber darum geht, dass es ja scheinbar ein richtiges Geschlecht gibt, dem sich diese Leute zugehörig fühlen, brauchen wir kein drittes Geschlecht, sondern so eine Option wie "vorübergehend ungeklärt".
Aber das Geschlecht für irrelevant zu erklären und seine Erfassung einfach abzuschaffen, das ist zu kurz gedacht, auch wenn sich die Forderer tendenziell eher für "Weiterdenker" halten.
Praktisch gesehen kommen noch mehr Probleme. Unisextoiletten sind nicht jedermanns / jederfrau Sache!
In welche Kabine geht das Kind, wenn sich zum Schwimmunterricht oder zum Turnen umgezogen wird?
Wenn man einen Intersexuellen am Flughafen durchsuchen muss, kommt dann extra ein anderer Intersexueller, um das zu machen?
Wer entscheidet, wer intersexuell ist und wer transsexuell, cross-dresser oder was auch immer? Das müsste nämlich, um diese Rechte bekommen zu können, auch irgendwie offiziell festgehalten werden! Wollen wir das? @YaelleS: wollen die Betroffenen das?
Wenn es keine Geschlechter mehr gibt, sich also jeder aussuchen kann, was er ist, wie setzen wir dann etwa Antidiskriminierungsgesetze durch?
So einfach ist das nicht.
Wenn Sie irgendwas am Amt beantragen wird das Geschlecht festgestellt mit zwei Möglichkeiten: Mann Frau. Was macht der/die/es Intersexuelle?
Ein Intressanter Artikel darüber:
tagesschau.de/inland/intersexualitaet100.html
Nun, ich bin von einer anderen Sache "betroffen", die nicht weniger emotional besetzt und für die Betroffenen auch nicht weniger traumatisch ist.
Auch dort gibt es einen breiten Konsens in der Öffentlichkeit, die eine Opferrolle zementiert, was vielen Betroffenen zum Lebensverhängnis wird!
Es gibt auch Menschen, so abstrus das klingt, die eine Opferrolle regelrecht erhalten wollen, um in diese Wahrnehmung zu gelangen.
Es ist sicher in manchen Fällen sinnvoll, diese Entscheidung demjenigen bzw. derjenigen selbst in die Hand zu geben. Dann sollte es auch geschehen.
Aber zu denken, das Geschlecht habe keinen Einfluss auf den Umgang der Menschen miteinander, ist schlichtweg falsch, auch wenn es nicht in die Bessermenschen-Ideologie passt, die hier besonders eifrig unterwegs ist!
Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau ist häufig ein Kriterium. Zugegeben leider oft auch in Bereichen, in denen sie das nicht sein sollte - in beiderlei Richtungen.
Im persönlichen Umgang, z.B. bei Liebesdingen, spricht man doch auch Personen des Geschlechts und Alters an, das man selbst für solch eine Partnerschaft bevorzugt.
Die Forderung nach Geschlechtsneutralität ist schlichtweg unrealistisch, würde zwar einzelnen das Leben ein wenig erleichtern, der Mehrheit jedoch sogar schwer schaden!
Aber die Mehrheit ist in der PC-Ideologie ja nicht mehr wichtig. Wenn zwei Menschen in der Theorie gerecht(er) dadurch behandelt werden, kann man ruhig ein Gesetz so verabschieden, dass 100 Menschen dafür jeweils ungerechte Nachteile haben.
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