Guttenberg am Times Square Der kleine Baron in der großen Stadt

Kein Minister eignet sich so gut zum Posieren wie Karl-Theodor zu Guttenberg. Schade, dass der Wirtschaftsminister bei seinem Besuch in New York kein Pferd auf dem Times Square dabei hatte.

Von Kurt Kister

Wenn jemand um jeden Preis, und sei es den der eigenen Lächerlichkeit, zeigen will, dass er in Pisa gewesen ist, lässt er sich vor dem Schiefen Turm fotografieren. Dabei streckt er den Arm schräg nach oben, so dass es auf dem Foto so aussieht, als stütze er den Turm ab. Haha, das ist lustig. Und originell.

Wenn jemand nach New York fährt, und sei es um zu zeigen, wie bedeutend er ist, dann lässt er sich am Times Square fotografieren. Wenn es geht nachts, denn da blinken die vielen Lichter, die es so weder in Berlin noch in München und nicht einmal in Kulmbach gibt. Man stellt sich hin, lacht und breitet am besten noch die Arme aus. Was kostet die Welt? 50 Milliarden? Hundert? Egal, der kleine Baron ist endlich in der großen Stadt.

Ja, natürlich ist das ungerecht, denn schließlich waren es die Fotografen, die den Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Times Square posieren ließen, weil sie wussten, dass das gut ankommt zuhause in den Redaktionen. Aber zurzeit gibt es auch keinen Minister, der sich so gut zum Posieren eignet, weil Guttenberg wie kein anderer Spitzenpolitiker gerade die Pose so sehr beherrscht. Guttenberg am Times Square ist die Pose, die vor dem idealen Posenhintergrund posiert.

Annette Schavan am Times Square - undenkbar!

Möchte sich etwa jemand Annette Schavan - das ist die Bildungsministerin - am Times Square vorstellen? Und selbst Angela Merkel wirkte, breitete sie denn vor den Leuchtreklamen die Arme aus, eher wie die Conférencieuse einer sehr wichtigen Kaffeefahrt.

Gerhard Schröder, seinerzeit auch am Times Square gewesen und gelächelt, wirkte damals etwas besser, wenn auch selbst dort immer noch zu viel Maschsee und Maschmeyer. Bei Guttenberg aber, gutsitzender Anzug, adrette Frisur, hervorragende Familie, möchte man sogleich summen: New York, New York ... if you make it there, you'll make it anywhere.

Und genauso ist es auch. Er macht es dort so, wie er es überall macht. Man weiß nicht genau, was er tut und wie erfolgreich er dabei ist. Aber er kann ungeheuer glaubwürdig mit dem Chef von Morgan Stanley aus dem Fenster schauen oder höchst bedeutend in Washington ins Auto steigen. Ein Österreicher, es mag Schnitzler gewesen sein, hat einmal über einen hochadligen Husaren-Hauptmann geschrieben, er sehe so gut aus und gebe eine so schöne Figur zu Pferde ab, dass er gar nicht dumm sein könne.

Ein Pferd wäre perfekt gewesen

Nun war Guttenberg zwar nur Unteroffizier bei den Gebirgsjägern, bei denen nicht geritten wird. Aber irgendwie ist es doch schade, dass er zwar viele Fotografen, aber kein einziges Pferd in New York dabei hatte.

Gewiss doch, man braucht in diesen Zeiten Politiker, denen man, wenn schon nicht vertrauen, so doch zumindest zutrauen kann, dass man ihnen vertrauen könnte, vorausgesetzt, man lernt sie nicht besser kennen. Horst Seehofer zum Beispiel kennt man viel zu lange und viel zu gut.

Dass Seehofer Guttenberg als Generalsekretär und dann als Wirtschaftsminister erfunden hat, spricht eigentlich gegen den jungen Mann. Aber vielleicht war sogar Seehofer, der sich jederzeit in jeder Pose versucht, von Guttenberg beeindruckt, weil der eine alte Adelstradition so blendend beherrscht: Man hat den Eindruck, sein Scheinen sei wichtig für unser Sein.

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