Cathy Erway und Laena McCarthy sind die neuen Vorbilder. Hausgemachte Konfitüre und eingekochte Früchte sind das neue Must-Have. McCarthy ist die "Jam Queen" von Brooklyn, ihre Marmeladen sind frisch und ohne Konservierungsmittel. Ihre Produkte verkauft sie auf den einschlägigen "Farmer's Markets". Um Edelmarmelade endgültig als das neue In-Accessoire zu etablieren, hat sich selbst die Mutter aller Stilikonen der Sache angenommen: "Kate's Damson Jam" soll das neue Luxus-Pflaumenmus von Kate Moss heißen, die als Model, Modevorbild und Designerin der Modekette Topshop ein Gespür für Trends beweist.
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Wenn aber Laena McCarthys "Anarchy Strawberry Balsamic Jam" unter New Yorks Hipstern nun den Status eines Rodarte-Strickpullis hat, wird Kates Konfitüre wohl so begehrt sein wie ein Mainstream-Teil von Topshop.
McCarthy teilt ihre Marmeladengeheimnisse auf ihrem Blog "Anarchy in a Jar" - Anarchie im Glas. Mit dem Vertrieb ihrer Ware versucht sie die Esskultur aus dem Würgegriff der Lebensmittelriesen zu be- freien. Das junge intelligente Amerika stellt sich gegen seine Konzerne und deren Ethik, dass alles Gute überlebensgroß sein muss. Es stellt sich gegen die Dekadenz seiner Eltern und deren Haltung, dass Qualität nur per Flugzeug aus den entferntesten Winkeln der Welt importiert werden kann.
Öko-Kisten - die neuen iPods
Die Öko-Kisten, in denen freiwillige Mitarbeiter landwirtschaftliche Erzeugnisse aus New York direkt an den Konsumenten liefern, sind die neuen iPods. Auf den zahlreichen Märkten trifft sich die Szene wie einst auf Rave-Partys, oft an der Grenze der Legalität, weil die privaten Köche und Verkäufer gegen die Auflagen der Gesundheitsbehörden verstoßen. Über Blogs, Twitter und Facebook organisieren Foodies illegale "Supper Clubs", bei denen mehrgängige Menüs in Privathäusern zubereitet werden. "Supper Clubs geben uns die Kontrolle zurück - wir holen uns den Spaß an hervorragendem Essen in gutem Ambiente von profitorientierten Restaurants zurück", erklärt Cathy Erway.
An solch einem demokratischeren Konzept versucht sich das Restaurant Roberta's in Brooklyn: Es veranstaltet am Wochenende seinen eigenen Farmer-Markt und bietet Seminare an, in denen Teilnehmer lernen, wie man Hasen schlachtet, häutet, ausweidet und dann zubereitet. Außerdem darf man gegen eine Gebühr seinen eigenen Nachtisch oder Wein mitbringen.
Zur Zeit kämpft man in Brooklyn um die Wiedereröffnung des neuen Studio 54 - des Greenpoint Food Market. Der populärste Flohmarkt für Selbstgekochtes wurde vom Gesundheitsamt vorübergehend geschlossen. Aber die Legende lebt: "Ich glaube, dass es eine kollektive Bewegung in meiner Generation gab, die nicht so viel Geld verdienten wie Wall-Street-Banker und trotzdem die New Yorker Esskultur erleben wollten", sagt Cathy Erway. Die Kommune in Brooklyn habe vergleichslos von dem Boom des Marktes profitiert, nicht wirtschaftlich, aber seither stehe Brooklyn "für ein gesundes, ehrliches und ursprüngliches Erlebnis mit Esskultur".
Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag schrieb 1967 in ihrem Essay "Die Ästhetik der Stille": "Jede Ära muss den Entwurf von Spiritualität für sich neu entdecken." Mit Spiritualität meinte Sontag eine Haltung gegenüber den "schmerzhaften strukturellen Widersprüchen der Lebensumstände". Strukturelle Widersprüche finden junge amerikanische Akademiker, die hervorragende Ausbildungen genossen haben und nun, oft hochverschuldet nach diesen Studiengängen, keine Anstellung finden, zur Genüge. Ihre Generation erlebte 9/11 und ist bis ins Detail über Kriege und Elend in der Welt informiert.
Es ist wohl, wie Jenna Krumminga sagt: "Wenn wir selber kochen, nehmen wir etwas zu uns, das nicht auf Kosten anderer hergestellt wurde."
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(SZ vom 28.08.2010)
Partyzone Flußufer
Habe vor ca. 2 Wochen von einem anderen Gast in einem gehobenen Restaurant in Augsburg erfahren, dass es den Begriff Foodie gibt. Der Gast hat seine IT-Karriere sogar gegen eine Kochausbildung getauscht. Ich selbst war total happy, denn endlich hat das Hobby meines Freundes und mir einen offiziellen Namen erhalten :-) Wir sind beide schlank, obwohl wir gerne essen gehen. Von gehobenen Restaurants mit Michelin-Sternen sind wir genauso begeistert wie von einfacher regionaler Küche. Ich selbst bin Vegetarier und achte ohnehin auf eine ausgewogene und gleichzeitig schmackhafte Ernährung. Nachdem wir den Artikel verschlungen haben, haben wir fest gestellt, dass wir noch am Anfang stehen... wir müssen noch öfter selbst kochen und lernen lernen lernen. Kochkurse sind der erste Schritt, ein Praktikum in verschiedenen Restaurants könnte der zweite Schritt sein. Sich mit Essen zu beschäftigen macht so viel Spaß!
Ich bin ein Foodie und find das super!
Kulinarische Grüße,
Tina
P.S.: Ich liebe Bauernmärkte!