Familienstudie Frauen beklagen Rollenverteilung

Eine gerechte Aufgabenverteilung streben zwar viele Paare an, doch nur den wenigsten gelingt sie auch, zeigt eine Forsa-Studie.

Von Daniela Kuhr

Nur eine kleine Minderheit der Eltern in Deutschland bevorzugt die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau in der Familie. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Nur ein Viertel der Befragten findet es am besten, wenn der Vater berufstätig ist und die Mutter die Kinder versorgt. 62 Prozent der Eltern wünschen sich dagegen ein Modell, bei dem beide berufstätig sind und sich die Erziehung der Kinder teilen.

Die traute Freude vergeht manchen Eltern beim Blick in den Geldbeutel.

(Foto: Foto: iStock)

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Die gleichberechtigte Rollenverteilung ist nur bei knapp einem Drittel verwirklicht (29 Prozent). Dennoch gaben 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen an, sehr zufrieden mit ihrer momentanen Arbeitsaufteilung zu sein. "Aus Mangel an Möglichkeiten reagieren die Eltern offenbar pragmatisch", sagte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der Zeitschrift Eltern, die die Studie in Auftrag gegeben hatte. 1014 Mütter und Väter von Kindern unter elf Jahren hatte Forsa nach ihrem Lebensgefühl und ihrer Zufriedenheit befragt.

Am negativsten beurteilen danach die über Vierzigjährigen ihre Lage: Nur 49 Prozent in dieser Altersgruppe sind mit der Arbeitsteilung "sehr zufrieden" . Bei den 18 bis 29 Jahre alten Eltern sind dagegen 61 Prozent sehr zufrieden. Der Diplomsoziologe Philip Wotschak erklärt das mit dem "Rush-Hour-Effekt".

Bei den über Vierzigjährigen komme besonders viel zusammen. "Sie müssen sich nicht nur um die Kinder kümmern, sondern oft auch schon um ihre Eltern und stecken dazu auch noch in einer entscheidenden Phase ihres Berufslebens", sagte er bei der Vorstellung der Studie.

Obwohl es mehr als 150 Leistungen für Familien gibt, überwog bei den Befragten das Gefühl, dass sie als Eltern "draufzahlen" (77 Prozent). 44 Prozent gaben an, wegen der Kinder auf vieles verzichten zu müssen. Im Osten klagten darüber weniger Eltern als im Westen, obwohl dort die Einkommen niedriger sind und die Arbeitslosigkeit höher.

Auch wenn Kinder und Beruf heute deutlich besser vereinbar sind als noch vor kurzem, liegt einiges im Argen: 44 Prozent der Frauen würden gern mehr arbeiten, können es aber nicht wegen der "momentanen Betreuungssituation der Kinder". 15 Prozent der Männer gaben das ebenfalls an.

Doch auch umgekehrt gibt es Probleme: Mehr als die Hälfte aller Befragten (57 Prozent) würde gern mehr Zeit mit den Kindern verbringen, aber die Arbeitswelt habe kein Verständnis dafür. Diese Angabe machten überdurchschnittlich viele Geringverdiener und Eltern mit Hauptschulabschluss. "Sie haben oft einen Beruf, bei dem es strikte Anwesenheitszeiten gibt, wie beispielsweise Verkäuferin oder Zahnarzthelferin", sagte Lewicki. Es mangele an flexiblen Modellen.

Ihrer Ansicht nach sollte sich die Familienpolitik daher nicht mehr so sehr um die Gutverdiener kümmern, sondern mehr um die Geringverdiener. In dieser Gruppe sei es besonders wichtig, dass Frauen berufstätig sind. "Nach einer Trennung rutschen sie sonst zwangsläufig in Hartz IV."

Die Umfrage zeigt zudem: Trotz des TV-Booms von Sendungen über schwer erziehbare Jugendliche kommt ein großer Teil der Eltern mit dem Nachwuchs gut zurecht. 47 Prozent der Befragten sagten, dass sie eine "klare Vorstellung von der Erziehung" haben und sie "meistens problemlos" umsetzen würden. 41 Prozent gaben an, dass sie " ab und zu Zweifel" hätten und daher Rat bei Freunden, Familienmitgliedern oder in Erziehungsratgebern gesucht hätten. Nur acht Prozent der Eltern haben der Studie zufolge aktuell Probleme mit ihren Kindern.