Eine gerechte Aufgabenverteilung streben zwar viele Paare an, doch nur den wenigsten gelingt sie auch, zeigt eine Forsa-Studie.
Nur eine kleine Minderheit der Eltern in Deutschland bevorzugt die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau in der Familie. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Nur ein Viertel der Befragten findet es am besten, wenn der Vater berufstätig ist und die Mutter die Kinder versorgt. 62 Prozent der Eltern wünschen sich dagegen ein Modell, bei dem beide berufstätig sind und sich die Erziehung der Kinder teilen.
Bild vergrößern
Die traute Freude vergeht manchen Eltern beim Blick in den Geldbeutel. (© Foto: iStock)
Anzeige
Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Die gleichberechtigte Rollenverteilung ist nur bei knapp einem Drittel verwirklicht (29 Prozent). Dennoch gaben 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen an, sehr zufrieden mit ihrer momentanen Arbeitsaufteilung zu sein. "Aus Mangel an Möglichkeiten reagieren die Eltern offenbar pragmatisch", sagte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der Zeitschrift Eltern, die die Studie in Auftrag gegeben hatte. 1014 Mütter und Väter von Kindern unter elf Jahren hatte Forsa nach ihrem Lebensgefühl und ihrer Zufriedenheit befragt.
Am negativsten beurteilen danach die über Vierzigjährigen ihre Lage: Nur 49 Prozent in dieser Altersgruppe sind mit der Arbeitsteilung "sehr zufrieden" . Bei den 18 bis 29 Jahre alten Eltern sind dagegen 61 Prozent sehr zufrieden. Der Diplomsoziologe Philip Wotschak erklärt das mit dem "Rush-Hour-Effekt".
Bei den über Vierzigjährigen komme besonders viel zusammen. "Sie müssen sich nicht nur um die Kinder kümmern, sondern oft auch schon um ihre Eltern und stecken dazu auch noch in einer entscheidenden Phase ihres Berufslebens", sagte er bei der Vorstellung der Studie.
Obwohl es mehr als 150 Leistungen für Familien gibt, überwog bei den Befragten das Gefühl, dass sie als Eltern "draufzahlen" (77 Prozent). 44 Prozent gaben an, wegen der Kinder auf vieles verzichten zu müssen. Im Osten klagten darüber weniger Eltern als im Westen, obwohl dort die Einkommen niedriger sind und die Arbeitslosigkeit höher.
Auch wenn Kinder und Beruf heute deutlich besser vereinbar sind als noch vor kurzem, liegt einiges im Argen: 44 Prozent der Frauen würden gern mehr arbeiten, können es aber nicht wegen der "momentanen Betreuungssituation der Kinder". 15 Prozent der Männer gaben das ebenfalls an.
Doch auch umgekehrt gibt es Probleme: Mehr als die Hälfte aller Befragten (57 Prozent) würde gern mehr Zeit mit den Kindern verbringen, aber die Arbeitswelt habe kein Verständnis dafür. Diese Angabe machten überdurchschnittlich viele Geringverdiener und Eltern mit Hauptschulabschluss. "Sie haben oft einen Beruf, bei dem es strikte Anwesenheitszeiten gibt, wie beispielsweise Verkäuferin oder Zahnarzthelferin", sagte Lewicki. Es mangele an flexiblen Modellen.
Ihrer Ansicht nach sollte sich die Familienpolitik daher nicht mehr so sehr um die Gutverdiener kümmern, sondern mehr um die Geringverdiener. In dieser Gruppe sei es besonders wichtig, dass Frauen berufstätig sind. "Nach einer Trennung rutschen sie sonst zwangsläufig in Hartz IV."
Die Umfrage zeigt zudem: Trotz des TV-Booms von Sendungen über schwer erziehbare Jugendliche kommt ein großer Teil der Eltern mit dem Nachwuchs gut zurecht. 47 Prozent der Befragten sagten, dass sie eine "klare Vorstellung von der Erziehung" haben und sie "meistens problemlos" umsetzen würden. 41 Prozent gaben an, dass sie " ab und zu Zweifel" hätten und daher Rat bei Freunden, Familienmitgliedern oder in Erziehungsratgebern gesucht hätten. Nur acht Prozent der Eltern haben der Studie zufolge aktuell Probleme mit ihren Kindern.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
- Thema
- Familienfoto RSS
(SZ vom 12.08.2008/bilu)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
... wurde so von der Kirche vorgeschrieben. Ohne die Kirche und das Christentum, wäre die Rolle der Frau bei weitem nicht so negativ behaftet.
Da stellt sich die Frage, wem eine solche Umfrage nutzt. Die Erkenntnisse sind nun auch nicht überraschend. Überraschend wird es sein, wie die Zeitschrift Eltern die Ergebnisse in eine höhere Auflage umsetzen kann. Es wird wohl darauf hinausgehen, daß man den Leserinnen eine Story nach der anderen liefert, in der sie an ihr beklagenswertes Schicksal erinnert werden. Vielleicht lässt sich dieses schlechte Gefühl ja dann in einen Impulsivkauf verwandeln und damit ist das eigentliche Ziel erreicht: Mehr Anzeigen werden verkauft.
Auch ich finde es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, daß Männer im Stehen sich erleichtern können und nur Frauen Kinder kriegen.
Ein klarer Fall für den Gleichstellungsbeauftragten des Bundes. Ach was, Sicherheitsrat der UNO. Wobei, Putin und Bush werden sich das Stehend p...keln nicht verbieten lassen.
Eigentlich sind die Frauen selbst schuld, wenn sie sich in diese "Alte" Rolle reindrängen lassen, und sich um den Haushalt kümmern müssen, oder keine Karriere anstreben können.
Meistens haben die Frauen ein schlechtes Gewissen, falls eine Dienstreise ansteht - (ich kenne keine Mann der mit schlechten Gewissen fährt - eher das Gegenteil ist der Fall)
Im Haushalt kann der Mann sich noch so bemühen - er macht es nie richtig ! Was ist das Ergebnis - er lässt es bleiben usw..
Die Frauen verstehen es auch nicht, sich so gut darzustellen (die Männer sich bessere Selbstdarsteller - und das ist heutzutage im Berufsleben gefragt)
Männer und Frauen haben unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen, unterscheiden sich per se. Diese Unterschiede machen sie stark bei einer gemeinsamen Aufgabe.
Eine wichtige Errungenschaft ist, dass Individuen weiblichen Geschlechts nicht länger in ihre Rolle zementiert werden. Eine Frau, die dies unbedingt möchte, kann heutzutage Dachdeckerin, Bauarbeiterin und Schornsteinfegerin werden. Wenige entscheiden sich dazu, aber sie könnten, wenn sie wollten. Managerin kann heute auch jede Frau werden. Manche entscheiden sich dazu, aber viele auch nicht. Ich frage mich nun, warum sich wieder andere Frauen darüber beklagen!
Ich denke, bei jedem Paar gibt es Aufgabenverteilungen.Bei uns ist es auch so, dass ich der Hauptverdiener bin. Wenn Kinder anstehen, wird meine Frau wahrscheinlich auch weniger arbeiten. Da ich recht gerne und gut koche, fällt das allerdings meist in meinen Aufgabenbereich. Jeder, wie er kann.
Ein Karrieremensch, Mann oder Frau, setzt andere Prioritäten. Zwar muss ich mich nicht verstecken, allerdings weiß ich genau, dass ich in naher Zukunft Familie haben will. Daher habe ich mich nicht für eine 18-Stunden-Tag-Karriere entschieden, weil ich denke, dass Kinder auch ihren Vater brauchen.
Männern mag es tendenziell leichter fallen, diese Entscheidung zu treffen, aber - und hierauf kommt es an - es steht jeder Frau frei, dies genauso zu tun. Doppelbelastung, wenn man sich für eine (ambitioniertere) Karriere entscheidet, trifft beide Geschlechter gleichermaßen. Natürlicherweise bringt die Frau die Kinder zur Welt; vor dem "Ausnahmezustand" sind aber auch Männer nicht sicher. Väter werden wissen, was ich meine. ;-)
Paging