Der Sonntagsbraten ist abgeschafft und Männer meiden noch immer die Küche - eine Forscherin über die Tischkultur deutscher Familien.
SZ: Was ist aus dem deutschen Sonntagsbraten geworden?
Fleisch essen viele heute täglich. Verantwortlich für das Essen ist übrigens immer noch: Mutti. (© Foto: ddp)
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Meier-Gräwe: Er ist in Familien nicht mehr die Norm. Am Samstag - dem Einkaufstag - gibt es irgendwas, was sich schnell machen lässt, zum Beispiel Linsensuppe aus der Dose. Sonntags ziehen viele Familien ein ausgiebiges Frühstück vor. Das passt oft viel besser zu den Wünschen von Familien mit berufstätigen Eltern, die am Wochenende ausschlafen wollen und trotzdem eine gemeinsame Mahlzeit möchten.
SZ: Essen in der Familie hat im Idealfall etwas Verbindendes. Welche Familien erreichen das?
Meier-Gräwe: Der Wunsch ist in allen Familien präsent. Oft lässt er sich aus Zeitgründen nicht realisieren. Am ehesten schaffen es die Frauen, die sich eher traditionell nach einem Halbtagsjob um die Mahlzeiten kümmern - wir haben sie "Ernährungsministerinnen" genannt. Den Karrierefrauen gelingt es mittags garnicht. Sie legen dann großen Wert auf das Abendessen.
SZ: Gilt die alte Regel "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt" für Kinder noch?
Meier-Gräwe: Definitiv nicht. Da gibt es - in allen Milieus, in allen Schichten - Demokratisierungsprozesse. Die Kinder werden gefragt, was ihnen schmeckt, und das berücksichtigen die Mütter auch oft. Trotzdem ärgern sich gerade die Akademikerinnen, wenn es ihnen nicht gelingt, Süßigkeiten zu verbannen. Und sie grämen sich nicht selten darüber, dass zwar die Töchter beim Tischdecken helfen, die Söhne aber schon stöhnen, wenn sie eine Kiste Mineralwasser aus dem Keller holen sollen.
SZ: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" warb die Agrarindustrie einst. Ist das noch präsent?
Meier-Gräwe: In manchen Milieus auf jeden Fall. Frauen, die sich ganz traditionell als Versorgerin der Familie sehen, richten sich stark nach den Wünschen ihrer Männer - und der Wunsch dieser Männer ist häufig das Stück Fleisch auf dem Teller. Essen steht in diesen Familien für Wohlstand; es kompensiert, dass diese Familien oft eher schlechte Chancen im Beruf haben. Die Mengen an Fleisch, die dort gegessen werden, sind enorm - auch wenn die Männer nicht mehr wie im Frühkapitalismus schwer körperlich schuften, sondern zum Beispiel LKW-Fahrer sind. Dem Entstehen von Übergewicht kann man in diesen Familien fast zuschauen.
SZ: Sie haben für Ihre Untersuchung ausschließlich Frauen befragt. Ist das nicht ein bisschen frauenfeindlich?
Meier-Gräwe: Das Statistische Bundesamt hat in den Jahren 1990 und 2000 detailliert erhoben, wer im Haushalt wieviel Zeit womit verbringt. Da zeigt sich eindrücklich, dass Männer auf dem Feld der Ernährung nicht präsent sind. Frauen sind die Expertinnen des Essalltags - also muss man sie befragen.
SZ: Emanzipation findet demnach nicht statt.
Meier-Gräwe: Bei dem Thema nicht. Einkaufen, kochen und die Organisation des Ganzen ist eindeutig Frauensache.
SZ: Und die Männer, die begeistert Kochbücher, Messer und Induktionsherde kaufen?
Meier-Gräwe: Die kochen manchmal mit großem Aufwand, dann muss aber das Publikum Beifall spenden. Aufräumen dürfen dann die Partnerinnen.
SZ: Gab es keine Ausnahmen?
Meier-Gräwe: Ein gab schon. Manche Frauen, die beruflich sehr erfolgreich sind, haben Partner, die sich auch beim Thema Essen engagieren. Diese Frauen haben eine gute Verhandlungsposition; sie sind mit den Männern auf Augenhöhe und können ihnen leichter etwas abverlangen. Aber selbst das ist nicht die Regel. Ich kann mich an eine Fachärztin in einer Klinik erinnern, deren Mann Professor war. Zwar hatte dieser Mann am Mittwoch seinen Hausarbeitstag - aber die Frau hat ihm am Dienstagabend alles vorgekocht.
SZ: Können Sie sich vorstellen, dass sich daran etwas ändert?
Meier-Gräwe: Solange die Arbeitszeiten von Männern und Frauen so sind, wie sie sind, bin ich skeptisch.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 07.02.2009/mga)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Auch ich kenne eine Frau, die ungesund isst und einen Mann, der gesund kocht. Noch mehr kenne ich aber Männer, die sich für regelmässige und gute Köche halten, aber abends spontan zu faul dazu sind. Und Frauen, die sich emanzipiert haben, dennoch in dem Fall lieber mit vollem Magen ins Bett gehen.
Ich koche leiderschaftlich gerne. Fertiggerichte essen wir überhaupt nicht, insbesondere weil der Geschmack indiskutabel ist (vom Nährwert mal ganz abgesehen).
Wieso sollte ich aber deshalb nicht empanzipiert sein ? Ich bin immerhin auch diejenige, die alle Reparaturen im Haushalt erledigt. Mein Mann macht dafür die Steuererklärung usw.
Dieses permanente Einsortieren von Menschen in Schubladen hängt mir wirklich zum Hals heraus. ÜBERFLÜSSIG !!!
Die Untersuchung, über die im Interview gesprochen wurde, hat ja offenbar Männer gar nicht eingeschlossen. Von daher kann sie Aussagen zu Kochkünsten oder Kochinteressen von Männern nicht empirisch belegen. Die Aussage, dass Männer im Ernährungsbereich nicht beitragen, stammt aus einer anderen Quelle, die hier zitiert wird. Von daher ist die Überschrift irreführend.
Auch im Weiteren ist der Ton tendenziös und sexistisch. Ich frage ich, welche empirischen Daten die Aussage belegen, dass Männer gelegentlich in grossem Stil kochen und die Partnerinnen dann aufräumen. Da die Interviewte als Forscherin bezeichnet wird, erhalten solche Aussagen ein Gewicht dass sie wahrscheinlich nicht haben sollten. Zumindest muss hier journalistisch hinterfragt werden.
Der Beitrag weisst also offenbar starke Mängel auf und transportiert ein sexistisches, männerfeindliches Bild. Solche Bilder werden leider regelmässig in den Medien toleriert, während entsprechende frauenfeindliche Bilder endlich nicht mehr salonfähig sind. Schade.
aus persönlicher Erfahrung weiß ich, daß wir Männer eher Eventköche sind. Sowas wie Grillen oder ein Gulasch nach Familientradition wird immer gerne gemacht, aber - um mich auch selber zu outen - gerade in der Alltagsernährung kocht bei uns auch meine Freundin.
Soll ich mich jetzt schämen? Bin ich ein Chauvinist? Sie kocht nunmal meine Leibspeisen um einiges besser als ich -.-
die derartige "Weisheiten" verbreitet?
Bei uns im Hunsrück wird Kochen noch groß geschrieben. Natürlich gibt es auch bei uns Erascoteusen, die sollten das aber nicht laut sagen.
Nach wie vor stehe ich, so oft ich kann, selbst am Herd oder gemeinsam mit meiner Frau. Weil Kochen einfach Spaß macht.
Weil Selbstgemachtes besser schmeckt und überhaupt nicht teurer sein muß als der Schlangenfraß, den uns unserer Ernährungsindustrie als gesund verkaufen will.
Wenn ich Maggi- und Knorr-Reklamen im Fernsehen nur sehe, kriege ich das große K............!
Bäh. Wer ißt sowas und warum?
Paging