Zum Tod von Glenn Campbell Der strassbesetzte Cowboy

Glen Campbell mit seiner Akustikgitarre, im Jahr 1967.

(Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images)

Glen Campbell, der Country- und Fernseh-Star, war ein schillerndes Pop-Monument. Jetzt ist er im Alter von 81 Jahren in Nashville gestorben.

Nachruf von Karl Bruckmaier

Pop, so heißt es, sei ein Spiel mit Identitäten. Pop erlaube einem, mit sehr wenig sehr viel aus sich zu machen. Und morgen dann wieder etwas ganz anderes. Glen Campbell, vor 81 Jahren in eine kinderreiche, ansonsten arme Familie aus Arkansas hineingeboren, hat diese Chance zur Vielfalt geradezu archetypisch genutzt.

Und das, obwohl er stets sehr eindimensional wahrgenommen worden ist: als "Rhinestone Cowboy", als "Strass-Cowboy", als eine Nashville-Figur im Glitzergewand. Als untoter Country-Star, der seit den frühen Achtzigern zwischen Jesus, Suff und Scheidungen taumelnd schließlich vor wenigen Jahren von einer Alzheimer-Diagnose ausgeknocked worden ist.

Doch Glen Campbells schillerndes Leben ist ein Pop-Monument, wie es nur wenige zu bestaunen gibt. Als Teenager entflieht er der Provinz und etabliert sich in Los Angeles als Gitarrenwunderkind.

Andere Zeiten waren dies: Popstars haben um 1960 die Aufgabe, ihre Lieder zu repräsentieren - gesungen und gespielt haben sie oft andere. So hören wir den späteren Countrymusiker Campbell auf Platten der Byrds, auf den schönsten Stücken der Monkees, bei Frank Sinatra oder Elvis Presley. Ein früher Ritterschlag: Campbell vertritt 1965 den immer verwirrter agierenden Brian Wilson auf den Tourneen der Beach Boys.

Glen Campbell etablierte sich als die pflegeleichtere Version von Elvis Presley und Johnny Cash

Nach diesen Lehrjahren im kalifornischen Pop-System trifft er auf den Songwriter Jimmy Webb, der Glen Campbell Country-Hits auf den Leib schneidert; es folgen Filmrollen und Fernsehshows. Glen Campbell etabliert sich als Marke, als eine vermeintlich pflegeleichtere Version eines Johnny Cash oder Elvis Presley.

Gleichzeitig amalgamiert er die Pop-Charts mit der Countrywelt - und bereitet so den Weg für den musikalischen Niedergang Nashvilles in Richtung Plastik und Botox. Doch in den Jahren vor seiner Erkrankung ergriff Campbell den kreativen Strohhalm, der in Gestalt von Johnny Cashs Spätwerk vielen Country-Stars so etwas wie späte Errettung ermöglicht: wie Cash suchte er in den Liedern einer neuen Generation von Pop-Musikern und in einer Glamour-fernen Selbstinszenierung nach Würde und einem alternden Ego, das sich selbst jeden Morgen im Spiegel betrachten mochte. So steht er dann, an einem sonnigen Morgen des Jahres 2011 in Malibu auf einem Hotelbalkon, hinter ihm Palmwedel, vor seinem Altherrenbäuchlein eine akustische Gitarre. Der Surfer-Country-Pop-Fernsehstar schaut etwas bedröppelt aus der blau-weißen Wäsche zum Fotografen. Nein, keine Angst: Alles gut gemacht. Sehr gut sogar.

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