Wutbürger Stephen King Sie lassen ihn nicht bezahlen

Stephen King ist außer sich. Denn er ist der Meinung, dass er als reicher Mann zu wenig Steuern zahlen muss. Das schert in den USA aber offensichtlich niemanden. Seine Wut darüber hat den Bestseller-Autor nun zu einer Streitprosa inspiriert, die es in sich hat.

Von Bernd Graff

Uiuiui! Da es den Aufdruck: "Parental Advisory! Explicit Content", mit dem die amerikanische Musikindustrie ihre Konsumenten vor exzessiver Ausdrücklichkeit in der Lied-Sprache warnen will, für Zeitungsinhalte nicht gibt, sei er diesem Artikel hiermit ideell vorangestellt. Denn das, was Stephen King gerade unter dem Titel "Tax Me, for F@%&'s Sake!" (Etwa: "Besteuert mich, verf.ckt nochmal!") in The Daily Beast veröffentlicht hat, ist zwar ein kluges Argument, aber es ist auch ein Wutausbruch. Nein, die größtkalibrige Schimpfkanonade.

In dieser diskutiert der Bestsellerautor, der jährlich an die vier Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke spendet, eine Bemerkung des republikanischen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie. Dieser hatte die Feststellung des Milliardärs Warren Buffett, dass er weniger Steuern zahle als sein Assistent und sich über diese Unfairness wundere, mit der flapsigen Bemerkung quittiert: "Buffett soll einen Scheck ausstellen, freiwillig zahlen und die Fresse halten. Ich kann es nicht mehr hören. Wenn er dem Staat mehr geben möchte, dann soll er es doch endlich tun."

Stephen King hat diese Anekdote auf einem Podium in Florida vorgetragen und sich wie Buffett geäußert: "Ich zahle nur 28% Steuern auf mein Einkommen. Warum nicht 50%?", habe er, King, dort gesagt - und zur Antwort bekommen: "Dann zahl' doch, wenn es dir so am Herzen liegt! Wir sind nur noch müde, diesen Scheiß zu hören." Das hat Stephen King sehr in Harnisch gebracht und ihn zu einer Streitprosa inspiriert, die es in sich hat.

"Das wird jetzt hart für euch", hebt er an. "Ihr seid also müde, das zu hören? Soso. Ich bin aber nicht müde, das immer wieder zu erzählen. Ich kenne die Reichen. Wie auch nicht! Ich bin ja selber einer. Und ich sag's euch: Die meisten Reichen würden sich lieber ihre Schwänze mit Benzin übergießen, dann anzünden und dazu "Disco Inferno" tanzen, als dem Staat mehr Geld zu geben, als sie müssen." Es sei an der Zeit, dass die bestens Begüterten sich ihrer Verantwortung stellen: Amerikas Gesundheitssystem liege im Argen, das Bildungswesen genauso, der Schuldendienst für Staatsausgaben sei unausweichlich. Die Vereinigte Amerikanische Bürgerschaft (United American Citizenry) sei gefordert.

Wenn die Reichen, "diese Schnorrer vom rechten Flügel" (right-wing creepazoids) spenden, wenn überhaupt, dann seien sie letztlich nur darauf aus, noch reicher zu werden oder das Geld in der Familienschatulle zu lassen. "Ich verstehe es nicht", so Stephen King. "In Amerika hält sich der Geldadel für heilig. Dabei sind die meisten Reichen so langweilig wie alte, tote Hundescheiße."

Nein, niemand müsse sich für seinen Reichtum entschuldigen. Aber jeder sollte anerkennen, dass er es nur deshalb so weit gebracht hat, weil Amerika ihm das ermöglichte. Darum müsse fair an dieses großartige Land zurückgezahlt werden. "Wer viel hat, muss viel zurückgeben." Und nicht das Scheckbuch nach Gutdünken zücken.

"Das ist Patriotismus", so klingt der Text aus, "ein Wort, mit dem die Tea-Party gerne um sich schmeißt. Solange es nicht das Geld der geliebten Gesinnungsgenossen kostet."