Wachsender Druck auf Betreiber Hetzportal kreuz.net ist offline

Das katholische Hetzportal kreuz.net ist über Nacht aus dem Internet verschwunden und nicht mehr erreichbar. Der Druck auf die Urheber wurde offenbar zu groß. Endgültig abgeschaltet dürfte die Seite jedoch nicht sein.

Von Rudolf Neumaier und Frederik Obermaier

Links oben auf der Seite, wo immer der gekreuzigte Christus prangte, steht jetzt: Error. The requested URL could not be retrieved. Die aufgerufene Internet-Seite konnte nicht aufgerufen werden. Weiter unten ist zu lesen, der Domain-Name existiere nicht. Die Seite www.kreuz.net gibt es nicht mehr!

In der Nacht zum Sonntag ist sie aus dem Netz verschwunden. Grund könnte ein Hackerangriff sein oder, was wahrscheinlicher ist, die anonymen Betreiber haben sie zumindest vorübergehend aufgegeben. Alles deutet darauf hin, dass es die Urheber eines der bösartigsten deutschsprachigen Hetzportale mit der Angst zu tun bekommen haben. Die Staatsanwaltschaften in Berlin und Wien ermitteln wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Und obwohl sie trotz zahlreicher Hinweise noch keinen Verdächtigen mit richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen behelligten, zogen die Betreiber erst mal den Stecker heraus. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Ermittler auf die richtigen Fährten gesetzt waren.

Wenn sich kreuz.net nun vorerst aus dem Netz verabschiedet hat, kann sich diesen Erfolg allein die Initiative "Stoppt kreuz.net!" des Berliner Schwulen-Verlages Bruno Gmünder und ihr Koordinator David Berger auf die Fahnen schreiben. Bruno Gmünder hatte Mitte Oktober eine fünfstellige Belohnung für Hinweise auf die kreuz.net-Macher ausgelobt. Seither ließen sich mehrere Autoren der Hetzseite entlarven. Einer von ihnen war Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz, der erst jegliche Beteiligung abgestritten hatte, dann Postings einräumte und schließlich sogar zugeben musste, dass er Artikel geliefert hatte. Jolie geriet durch die Enthüllungen von "Stoppt kreuz.net!" so sehr unter Druck, dass er vergangene Woche als Sprecher des erzkonservativen Netzwerks katholischer Priester zurücktrat. Aus zahlreichen Indizien ergibt sich, dass dieses Netzwerk trotz seiner Dementis eine enge Verbindung zu den Urhebern von kreuz.net pflegt und sie zumindest kennt.

Auch der Theologe David Berger führt das kommentarlose Abschalten der Seite auf den öffentlichen Druck zurück. Bereits am Samstag hätten die Urheber der Website angefangen, alle IP-Adressen und Autorennamen aus Artikeln zu streichen, um jegliche Spuren auf Personen zu verwischen. In der Nacht zum Sonntag um 1 Uhr sei die Seite noch zu erreichen gewesen, eine halbe Stunde später war sie weg. Darüber hinaus fiel auf, dass mehrere User mit Administratorenrechten kurz vor dem Verschwinden der Seite gesperrt waren.