Tanztheater Wuppertal Adolphe Binder, die erste Intendantin seit Pina Bausch

Adolphe Binder, Leiterin mit Weitblick und Durchsetzungsvermögen.

(Foto: Joakim Roos, Tanztheater Wuppertal)

Die 46-Jährige wird künftig das Wuppertaler Tanztheater leiten - und könnte zustande bringen, woran viele vor ihr gescheitert sind.

Von Dorion Weickmann

Sieben Jahre nach dem Tod der weltbekannten Choreografin Pina Bausch rückt wieder eine Frau an die Spitze ihres Wuppertaler Tanztheaters: Adolphe Binder, derzeit noch künstlerische Direktorin der Tanzsparte am Opernhaus von Göteborg, wechselt im Mai 2017 nach Wuppertal, wie der Geschäftsführer des Tanztheaters auf einer Pressekonferenz bekanntgab.

Klares Zukunftsprofil

Damit wird der von Beobachtern lang ersehnte Wachwechsel in der Wuppertaler Chefetage vollzogen, werden die Weichen für eine Neuausrichtung des Ensembles gestellt. Die gebürtige Rumänin Adolphe Binder schätzt zwar Pina Bauschs Arbeiten, hat sich aber nie im Dunstkreis der Choreografin bewegt. Von daher kann sie zustande bringen, woran nach Bauschs Tod 2009 sämtliche aus dem Bauch der Truppe rekrutierten Interimsleiter gescheitert sind: der Kompanie ein klares Zukunftsprofil zu geben und zugleich das identitätsstiftende Bausch-Erbe zu bewahren.

Die 46-jährige Adolphe Binder hat keine choreografischen Ambitionen. Stattdessen ist sie eine erfahrene Kulturmanagerin, geschickte Netzwerkerin und eine Tanzkuratorin mit klaren ästhetischen Vorstellungen. In Berlin hat Binder das Ballett der Komischen Oper bis zu dessen Auflösung geleitet, der Göteborger Danskompani verhalf sie binnen fünf Jahren zu internationaler Strahlkraft - mit einem Programm, das ausschließlich auf zeitgenössische Formate setzte. Premium-Choreografen wie Sasha Waltz, Sidi Larbi Cherkaoui und Saburo Teshigawara bestückten das Göteborger Repertoire mit Uraufführungen und machten es jenseits des Balletts zu einem der interessanten in Europa.

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Mit Adolphe Binder wird eine Frau auf den Wuppertaler Chefsessel berufen, die Pina Bausch als Choreografin keine Konkurrenz macht, aber genug Weitblick und Durchsetzungsvermögen besitzt, um den Stücke-Fundus der Tanztheater-Ikone zu entstauben und dem verwaisten Kollektiv neue künstlerische Perspektiven zu eröffnen.