Sprache Unwort, Untat, Ungeist

Viele Jahre bezeichnete der Ausdruck "Döner-Morde" auf vermeintlich griffige Art und Weise Verbrechen an türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Doch in diesem Wort wird alltäglicher Rassismus greifbar. Verstanden hat man das jedoch erst jetzt.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Das Unwort erklärt die Untat. Dieses eine Wort kann erklären, wie es dazu kam, dass unter den blinden Augen der Sicherheitsbehörden eine Neonazi-Bande ein Jahrzehnt lang morden konnte.

"Döner-Morde": Dieses Wort war viele Jahre lang, ohne dass es als Unwort gerügt wurde, die vermeintlich griffige Kurzbezeichnung für Verbrechen an türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Es ist ein Wort, in dem sich Geringschätzung und Abgrenzung spiegelt, weil es davon ausgeht, dass Ausländer von Ausländern umgebracht werden. In diesem Wort wird alltäglicher Rassismus greifbar. Aber begriffen hat man das erst dann, als die Neonazis als die Mörder entlarvt waren.

Wörter sind Bewusstseins-Indikatoren. Das Döner-Wort war und ist ein Ausdruck für gestörtes Bewusstsein. Die Störung verschwindet nicht einfach dann, wenn ein einzelnes Wort zum Unwort erklärt wird. Ein Bewusstsein, das davon ausgeht, dass "die nicht zu uns gehören" zeigt sich auch in Besteller-Büchern wie dem von Thilo Sarrazin.

Um Rechtsextremismus zu bekämpfen, braucht man also nicht nur neue Dateien und neue Zugriffsmöglichkeiten auf die Neonazis, sondern zuvorderst ein neues Denken - eines das anerkennt, dass der Islam und die Muslime zu Deutschland gehören.

Es ist eine Tragik, dass der Bundespräsident, der dies in besseren Tagen gesagt hat und der dieses Denken fördern wollte, durch seine persönlichen Schwächen und seine mangelnde Moralität dafür gesorgt hat, dass in den vergangenen Wochen über die Würde seines Amtes sehr viel mehr geredet wurde als über die Würde der Opfer und darüber, wie die Würde der Neubürger gegen den Ausländerhass verteidigt werden kann.