Skandal um kreuz.net Neue Hinweise auf Betreiber der Hetzseite

Die "kreuz.net"-Ermittler erhalten neue Hinweise: So verdichten sich Indizien, wonach Führungspersonen aus dem ultrakonservativen Netzwerk katholischer Priester (NKP) zumindest wissen, wer die Hetzseite betreibt. Auch ein Künstler soll dort homophobe Kommentare hinterlassen haben.

Von Rudolf Neumaier

Bei der Berliner Polizei ist in dieser Woche ein Schreiben eingegangen, das sie bei ihrer Suche nach den Hintermännern von kreuz.net weiterbringen dürfte. Die Hinweise lassen darauf schließen, dass ihr Absender die Urheber der Web-Seite kennt - und früher womöglich selbst einmal daran beteiligt war. Das Portal kreuz.net, das sich als Seite für "Katholische Nachrichten" bezeichnet, setzt seine Hetze gegen Homosexuelle, weltoffene Katholiken, Juden und unliebsame Politiker unvermindert fort, obwohl bereits international dagegen ermittelt wird. Durch das Schreiben verdichten sich Indizien, wonach Führungspersonen aus dem ultrakonservativen Netzwerk katholischer Priester (NKP) zumindest wissen, wer kreuz.net betreibt.

Auch von einem Künstler ist in dem Schreiben die Rede, der sich als selbständiger Kirchenmusiker im Bistum Aachen betätigt. Im Forum von kreuz.net soll er unter dem Pseudonym "sulpicius" homophobe Kommentare geschrieben haben. Gestützt wird diese Annahme auch dadurch, dass kreuz.net diese Kommentare inzwischen gelöscht hat - wohl um ihn zu schützen. Der Verfasser der brisanten neuen Hinweisschrift vermutet hinter den Verantwortlichen von kreuz.net vor allem katholische Laien, denen führende Kleriker, also Bischöfe, persönliche Misserfolge bescherten.

Die Revanchismusthese wäre beim Kirchenmusiker plausibel, da er sich vergeblich um die Aufnahme in einem Priesterseminar bemüht habe, das berichten jedenfalls Personen aus seinem früheren Umfeld. Noch dazu sind frühere Texte, die bei kreuz.net erschienen, mit dem Copyright seiner Aachener Kirchenmusik-Initiative versehen. So verzeichnete das Portal Beiträge nur selten - offenbar bei Partnern. Es warb sogar mit einem großen Extra-Link für seine Kirchenmusik-Vereinigung.

Am Telefon bezeichnete er am Donnerstag alle Indizien, die ihn belasten, als falsch: "Ich habe mit der Seite Nullkommanullnullnull zu tun." Dennoch muss er sich auf juristischen Ärger mit der nationalkonservativen Zeitung Junge Freiheit (JF) gefasst machen, von der er ein Interview mit einem Theologen veröffentlichte - nur auf seiner Seite, wie er betont. Aber laut JF ohne Autorisierung. Das Interview erschien zwei Tage später auf kreuz.net, als Quelle trat die Kirchenmusik-Initiative auf.

Stellvertreter des Kirchenmusikers in der Musikvereinigung ist Pfarrer Guido Rodheudt, einer der NKP-Sprecher. Als ihn am Donnerstag ein Kamerateam besuchte, verjagte er es. Und er holte die Polizei.