Reines Understatement. Diese Rolle ist Cruise' Zenit. Meisterlich verknüpft er die Meilensteine seiner Karriere: virilen Sturm und Drang aus "Top Gun", die sorgsam-aggressiv-ungeduldige Strenge im Umgang mit seinem autistisch-genialen Botaniker John Stevens Henslow (wieder ein starker Partner: Dustin Hoffman) aus "Rainman", die historische Präzision aus "Operation Walküre" und nicht zuletzt die sentimentalische Verletzlichkeit aus Kubricks "Eyes Wide Shut".

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"Quentin bringt ihn endlich über die Grenze, an der Spielberg immer scheiterte", sagt Bob Stanford, zieht an seinem kleinfingerdicken Zigarillo und blickt auf den Pazifik. Aus den Lautsprechern am Strand dröhnt "Shock the Monkey" - Drehen mit Tarantino heißt immer auch: Party-Time. Die Herkulesaufgabe der Liebesszene liegt hinter ihnen. Das wird mit einem ausgelassenen Fest am Strand gefeiert. "Wir müssen die Schildkröten wieder umdrehen", wirft ein Regieassistent ein. "Damn it", zischt Quentin, "aber schließlich wollen wir 'No animals were harmed' in den Abspann schreiben."

Bob lässt versehentlich ein Streichholz-Päckchen fallen, die Zündhölzer verteilen sich als Mikado im Sand. Da steht auch schon Dustin Hoffman in Bermuda-Shorts, Hawaiihemd und Strohhut neben uns, legt den Kopf schief und sagt: "117!" Sein grandioser "Rainman"-Trick, er kann es nicht lassen. Dann werden wir von einem kehlig-hechelnden Lachen aufgeschreckt. Es ist Tom. Er hat, ganz Teamworker und Scientologe, mit angepackt und geholfen, die Schildkröten wieder vom Kopf auf die Beine zu stellen. Dabei hat er jeder einzeln auf die Nase gestupst und altpatriarchal gepredigt: "Bist du an Bord oder nicht? Denn wenn du an Bord bist, dann bist du an Bord. Mit uns. Punkt." Und immer das kehlige Hecheln.

"Hi Bob, hey, you guys", sagt Tom und nimmt einen Schluck Designer-Mineralwasser aus einem grün-gestreiften Flakon ohne Label. "Mein Gott", perlt es dann unvermittelt aus ihm heraus, und das ist nicht die Kohlensäure: "Es ist unerträglich, sich vorzustellen, dass man sein Leben wie eine geschlechtslose Arbeitsbiene verbringt. Punkt. Stell dir den ganzen Tag vor in einem schmutzigen Haus. Punkt. Halte das Bild einer sanften Frau dagegen. Also: Heiraten, heiraten, heiraten."

Endlich ist für die Reporter der ideale Moment gekommen, um nachzufragen, wie das für Cruise denn alle zusammenpasse, mit der Evolution, der katholischen Kirche und Scientology. Da werden sie alle ganz still, selbst Peter Gabriel und Phil Collins scheinen leiser von ihrem Affen zu singen, Tarantino und Anne Hathaway rücken näher, Dustin vergisst seine Streichhölzer und Bob, an seinem Zigarillo zu ziehen. "Gott ist der General Motor", sagt Tom Cruise, "er ist der Autohersteller, der seinem Kunden sagt, wie er sein Fahrzeug zu behandeln hat. In diesem Sinne ist die Bibel eine vollkommene Bedienungsanleitung. Und ich bin dann, ja, ich bin das Handschuhfach Gottes."

Sagt's und dirigiert Aglaya in den Sonnenuntergang über dem Äquator. Aglaya is in a hurry. Dieser Mann ist ein Hurrikan.

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(sueddeutsche.de/mat)