Nun, das ist kein "Campieren" wie auf dem Campingplatz, sondern erinnert eher an eine Mischung aus Camp David und "Lawrence von Arabien". Die Stars logieren hier im großen Stil. Im ganz großen Stil: Catering und Cocktailbar, Satellitenvideotelefon, Kinozelt, Fitnesszelte, Bodyguards, Generatoren. Sonderausstattung, Sondergenehmigung.
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Bevor wir unser Zelt beziehen, werden wir Zeugen einer schier überirdischen Szene, die sich in Zeitlupe abzuspielen scheint. Ein kleiner, aber gut proportionierter Mann mit Backenbart, gekleidet im typischen Frock-Suit des 19. Jahrhunderts aus leichtem Tweed, mit Weste und Hut, kauert in hochhackigen Schuhen auf dem mächtigen Panzer einer Riesenschildkröte. Elegant ist das nicht, aber beeindruckend. Seltsam schwerelos schiebt sich das Paar im Takt der Äonen auf die Beobachter zu.
"Hi Bob, hey, you guys", begrüßt uns der Mann beinahe kumpelhaft und streckt uns die Hand von unten entgegen. Er hat alles Recht dazu, er darf das. Denn er ist unser Gastgeber: Tom Cruise. An der Schläfe hat sich der Backenbart vom immer noch jungenhaft fein geschnittenen Gesicht des Über-Stars gelöst. Sein Reittier will all dies nicht aufhalten, das archaische Wesen setzt seinen Weg unbeirrt fort: "See you later guys", ruft Tom uns über seine Schulter zu: "We are in a hurry, Aglaya is in a hurry!"
"Er ist so vernarrt in dieses Tier", erklärt uns Bob, "er ist gar nicht mehr runter zu bekommen. Dabei ist es schwieriger, als es aussieht: Als Charles kürzlich mit Camilla hier war, ist er runtergefallen, sie nicht." Eigentlich musste Cruise Aglaya nur in einer spektakulären Kampfschildkrötenszene in Tarantinos orgiastischer Zombie-Traumsequenz reiten, aber er fand Gefallen daran und führt das geduldige Panzertier jetzt auch in seiner Freizeit an den Zügeln.
Wie alle hier auf dem Set, ist auch Aglaya ein besonderes Wesen. Sie ist 192 Jahre alt, Geburtsjahr 1817. Als Darwin die Galapagos-Inseln besuchte, war sie gerade volljährig. Schon der große Gelehrte, so weiß man hier seit Generationen, soll diese Riesenschildkröte geritten haben. Wer immer Mensch und Panzertier zusammenfügte, er muss ein verdammt intelligenter Designer gewesen sein, denken wir noch, als wir erschöpft in unsere Feldbetten sinken.
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Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...