Schauplatz Berlin Strandparty mit Intifada

Eine Tel Aviv Beach Party mitten in Berlin, das klingt nach einem runden Sommer-Vergnügen. Das dann doch in die Querelen des Nahost-Konflikts gerät ...

Von Thorsten Schmitz

Berlin wird immer mehr zu Klein-Tel-Aviv. Tausende Israelis leben an der Spree oder packen gerade ihre Koffer. Der Strom reißt nicht ab. Oft sind die Direktflüge zwischen beiden Städten ausgebucht. Viele dieser Israelflüchtlinge haben den Nahost-Konflikt satt, betrachten die Besatzung des Westjordanlands und die Abriegelung des Gaza-Streifens als falsch. Auf Berlins Straßen hört man viel Hebräisch, es gibt jüdische Supermärkte, jüdische Kindergärten, Schulen, israelische Kunst- und Filmfestivals. Was Berlin allerdings fehlt, ist der Strand von Tel Aviv. Also luden die Macher von "Habait" (Das Haus) zu einer "Tel Aviv Beach Party" nach Kreuzberg. "Habait", das ist eine vor vier Jahren gegründete Initiative israelischer Neu- und Alt-Berliner, die in unregelmäßiger Folge an verschiedenen Orten der Stadt Israels Reichtum an zeitgenössischer Kultur vorstellt.

Zur Strandparty an der Spree in der Köpenicker Straße sollte es DJ-Musik geben, Gratis-Massagen, Ballspiele im Sand, Wassermelone und frischen Hummusbrei. Doch noch bevor das Sommerfest überhaupt beginnen konnte, wurde es vom Nahost-Konflikt erfasst. Als eine Gruppe von Palästinensern und deren Sympathisanten von der Party erfuhr, kündigten sie eine lautstarke "Gegen-Party" an. Auf Facebook entfesselten sie einen Wort-Krieg. Wie die "Habait"-Macher es wagen könnten, eine Strandparty an der Spree zu organisieren? Das käme einer Zementierung der Besatzung gleich. Und das war noch einer der harmloseren Kommentare.

Die Party "feiert den Völkermord", stand auf den Plakaten der Demonstranten

Wenn das so ist, dachten sich die "Habait"-Macher, lasst uns doch das machen, was unserem Premierminister und eurem Palästinenser-Präsidenten schon lange nicht mehr gelingt: reden! So traf man sich und redete miteinander. Die "Habait"-Macher erklärten, die Party sei doch ein komplett unpolitisches Event, die Berlin-Palästinenser versprachen, ihren Protest abzublasen. Man einigte sich darauf, das Party-Motto abzuändern in "Tel Aviv Jaffa Beach Party", um dem früher ausschließlich arabischen Ort Jaffa, der heute Teil Tel Avivs ist, mitzuwürdigen. Der israelische DJ sagte schließlich auch noch zu, seine Gage Palästinenserkindern im Gaza-Streifen zukommen zu lassen.

Frieden? Denkste.

Zwei Stunden nach Beginn der Open-Air-Party brausten Mannschaftswagen der Polizei mit Blaulicht heran. Beamte mit schusssicheren Westen umzingelten eine Gruppe von Palästinensern und Deutschen, die sich vor dem Eingang zum Ufergelände dort versammelt hatten und Transparente hochhielten, auf denen stand: Die Party "feiert den Völkermord". Gebrüllt wurde auch. "Intifada, Intifada, bis zum Sieg". Nach einer Stunde wurden die (heiseren) Demonstranten abgeführt.

Allerdings nicht alle. Denn einer betrachtete die Party-Meute dann wohl doch nicht so richtig als Feind und spazierte später auf der Tel Aviv Jaffa Beach Party umher. Für seine Neugier hat er einen Preis zahlen müssen. Die anderen Demonstranten werfen ihm jetzt vor, er sei ein "Verräter".

Die "Habait"-Macher haben inzwischen das Strandfest an der Spree von ihrer Facebook-Seite gestrichen, um nicht als Bühne missbraucht zu werden für Hass-Kommentare, wie eine "Habait"-Macherin sagt. Sie möchte nicht, dass ihr Name in der Zeitung steht. Gerne aber möchte sie eine Frage loswerden: "Ich frage mich, was unser Event mit dem Nahost-Konflikt zu tun hat. Zu unserer Party sind 1500 Besucher gekommen. An der Gegendemo haben sich nur höchstens 15 Menschen beteiligt."

Die kommende "Habait"-Veranstaltung ist garantiert nahostkonfliktfrei. Ab 3. Oktober zeigt die Fotografin Katja Harbi Portraits israelisch-deutscher Paare - unter dem schön kitschigen Titel "Brücken der Liebe".