Rapper Psy mit "Gangnam Style" Mach mir das Pferd

In "Gangnam Style" kritisiert Rapper Psy einen südkoreanischen Lebensstil, der zwischen Freizeit, Sportwagen und Erotik pendelt. Aber der Song stürmt nicht aufgrund seines Textes die Charts - sondern wegen Psys eigenwilliger Choreografie.

Von Christoph Neidhart, Tokio

In Südkorea populär, im Ausland völlig unbekannt. Das ist das Schicksal vieler koreanischer Künstler. Bis vor Kurzem galt es auch für Park Jae-Sang. Nun ist der Musiker so etwas wie ein Weltstar. Als solcher feierte er sich mit einem Gratiskonzert vor 80.000 Fans vor dem Rathaus in Seoul, und das nicht ganz zu Unrecht: Unter dem Künstlernamen Psy hat es der 34-Jährige als erster Südkoreaner an die Spitze der amerikanischen iTunes-Charts geschafft.

Auf YouTube ist sein Song "Gangnam Style" in zwei Monaten mehr als 395 Millionen Mal aufgerufen worden. Inzwischen gibt es sogar 3600 Parodien auf YouTube zu Psy, die wieder zehn Millionen Mal angeklickt worden sind. Die Gangnam-Lawine rollt unaufhörlich, und Psy mehrt den Hype, indem er seinen Nachahmern und Fans in neuen YouTube-Beiträgen Tribut zollt. Das Guinness-Buch hat Psys Video bereits zum populärsten YouTube-Beitrag aller Zeiten gekürt.

Die Melodie von "Gangnam Style" ist eingängig, vor allem aber ist es der dazugehörige "Pferdetanz", den Psy kreiert hat, der so simpel ist, dass jeder ihn mithopsen kann. Der Text spielt für den größten Teil des Publikums keine Rolle, er ist koreanisch. In 18 Ländern hat Psy es an die Spitze der Charts geschafft, unter anderem in Kanada, Norwegen, Litauen, Neuseeland, Taiwan und Malaysia. In den vergangenen Wochen tingelte er durch US-Talkshows, bei Ellen DeGeneres brachte er Britney Spears seinen "Pferdetanz" bei; allerdings war ihr Rock dazu zu eng. Und besonders rhythmussicher wirkte sie auch nicht.

Psy South Korean rapper Psy, centre, sings the popular 'Gangnam Style' song, performing during his concert in Busan, South Korea, Saturday, Oct. 6, 2012. (AP Photo/Ahn Young-joon)

(Foto: AP)

Im vergangenen Jahrzehnt haben Hip-Hop und Rap Ostasien erobert, inzwischen gibt es sogar entsprechende Gruppen in vielen Grundschulen Südkoreas. Der "Gangnam Style" geht auf Gangnam zurück, die reichste Gegend von Seoul - und damit von Südkorea. Viele Kinder jener Generation der Erfolgreichen, die sich in Koreas Wirtschaftsboom zu Wohlstand geschuftet haben, leben hier. Psys Hit veralbert ihren Lebensstil, der zwischen Freizeit, Sportwagen und Erotik pendelt.

Park komponiert, textet, singt, tanzt und produziert seit zwölf Jahren, zuletzt vor allem Rap. Er ist in Seoul aufgewachsen und ging nach der Schule nach Boston, um Musik zu studieren. Nach seinem ersten Hit "Psy" (ausgesprochen "psai") - den er auch zu seinem Künstlernamen machte und für den er wegen "unsittlicher Textstellen" mit einer Geldstrafe belegt wurde - musste er als Techniker in den zweijährigen Militärdienst einrücken. 2007 stellte die Armee fest, er habe den Dienst nicht korrekt abgeleistet und zog den Vater von heute fünfjährigen Zwillingen noch einmal für zwei Jahre ein.

Kosmetik, Smartphones, Autos - und Psy

Der Text von "Gangnam Style" parodiert den Materialismus und Snobismus der Gangnam-Kinder, die auch dem offiziellen Südkorea an der eigenen Gesellschaft missfallen. Sonstige Kritik an Korea, und sei es spielerische Selbstkritik, ist in Seoul unerwünscht - und für den Export ungeeignet. Der ist durch Kosmetik, Smartphones und Autos bestimmt. Koreanische TV-Serien sind vor allem in Ostasien enorm populär, ihr Export wird vom Staat gefördert.

Psy verkörpert all das, was Südkoreas Bürokraten ablehnen. Mit einer Ausnahme: Er hat im Ausland Erfolg. Eine konservative Zeitung befand daher, Psy sei der "am besten vermarktbare Kulturexport" Südkoreas. Der linke Hankyoreh spottete, das rechte Blatt habe nicht einmal Psys Ironie kapiert.