Professor für Soziologie Ulrich Beck ist tot

Ulrich Beck ist im Alter von 70 Jahren gestorben. (Archivbild aus dem Jahr 2005)

(Foto: Robert Haas)
  • Soziologe Ulrich Beck ist am 1. Januar im Alter von 70 Jahren gestorben.
  • Er prägte den Begriff der Risikogesellschaft.

Ohne Zweifel ist Ulrich Beck seit vielen Jahren der meistzitierte und bekannteste Soziologe, und das weit über Deutschland und den akademischen Bereich hinaus. Dem Soziologen ist es gelungen, mit seinen jeweiligen Themen den Nerv der Zeit zu treffen. Nun ist er im Alter von 70 Jahren gestorben. Beck erlag bereits am 1. Januar den Folgen eines Herzinfarkts, wie seine Familie der SZ bestätigte.

Forschung

Ulrich Beck wuchs in Hannover auf und wurde nach Professuren in Münster und Bamberg 1992 an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. Er prägte den Begriff der Risikogesellschaft und hatte auch Professuren an der London School of Economics and Political Science und an der FMSH (Fondation Maison des sciences de l'homme) in Paris inne.

Als einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart diente Beck mit seinen prägnanten Begriffen und Theoremen "sehr produktiv als Stichwortgeber der internationalen Forschung und auch Politik" (SZ vom 27.7.2009). Sein Forschungsinteresse galt dem Grundlagenwandel moderner Gesellschaften und den daraus entstehenden Konsequenzen für Wirtschaft, Politik und Kultur.

Weit über die Fachgrenzen hinaus bekannt wurde Beck mit dem Bestseller "Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne" (1986), der in mehr als 35 Spracen übersetzt wurde. Darin thematisierte er die selbst produzierten Gefährdungslagen der modernen Gesellschaft, die sich den bestehenden Sicherungsmechanismen des Staates entziehen. Der Quasi-Nachfolger "Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit" (2007) beschrieb sie als globale Risiken mit den vier Merkmalen Entgrenzung, Unkontrollierbarkeit, Nicht-Kompensierbarkeit und Nichtwissen.

Politisches

Der überzeugte Europäer Ulrich Beck forderte als politische Konsequenz aus der Globalisierung überstaatliche Autoritäten zur Bändigung global entfesselter (Markt-)Kräfte und regte die Bildung multinationaler Weltbürger-Parteien an. Als die Finanzkrise 2010 in eine europäische Staatsschuldenkrise mündete, verfasste Beck 2012 mit dem Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit das Manifest "Wir sind Europa!", das ein Freiwilliges Europäisches Jahr für alle Altersgruppen propagierte mit dem Ziel, Europa im tätigen Miteinander seiner Bürger "von unten" neu zu gründen.

In einem Spiegel-Essay im Jahr 2012 charakterisierte Beck die dominante Rolle der Deutschen und ihrer Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Euro-Rettungspolitik mit dem Prinzip "Merkiavelli", das der Kanzlerin eine machiavellistische Wendigkeit und Machtpolitik unterstellte. Sie habe die Kreditvergabe der Wirtschaftsmacht Deutschland an die Bereitschaft der Schuldnerländer geknüpft, die Bedingungen der deutschen Stabilitätspolitik zu erfüllen, und ihr notorisches Zögern dabei als "Zähmungstaktik" eingesetzt. So sei es Merkel gelungen, "nationale Wählbarkeit und europäische Architektenrolle zu verbinden", allerdings um den Preis einer zunehmenden Spaltung Europas, schrieb Beck.