Neues Buch von Matthias Matussek "Ich bin katholisch, und das ist auch gut so"

Ein hysterischer Prediger, dem wir zuhören sollten: In seinem Buch "Das katholische Abenteuer" lässt Matthias Matussek es zischen und krachen für die Sache des Glaubens.

Von Alexander Wallasch

Der Kulturjournalist Matthias Matussek hat seinen 2330 Facebook-Freunden unlängst Ross Thomas' Thriller "Am Rande der Welt" empfohlen. Dessen Protagonist, ebenfalls Buchautor, bekommt auf Seite 52 zu hören: "Na ja, ich hab's gelesen. Jedenfalls das meiste, aber dann, nach ungefähr drei Vierteln, hab' ich's aufgegeben. (...) Weil ich einfach nicht rausfinden konnte, auf welcher Seite Sie stehen." Nun, es scheint fast so, als hätte sich Matussek diese Kritik für sein neues Buch "Das katholische Abenteuer" zu Herzen genommen. Denn gleich mal vorweg: Eines kann der Leser ganz sicher nicht behaupten - nicht zu wissen, auf welcher Seite Matussek steht.

"Das katholische Abenteuer" ist ebenfalls ein Thriller, ein "Aufreger". Das Buch könnte sogar ebenfalls "Am Rande der Welt" heißen, denn dahin sieht Matussek seine Kirche und die Rede über den Glauben abgedrängt. Und das will er ändern. "Dies ist das Buch eines Journalisten über Gott und die Welt. Es ist auch das Buch eines religiösen Journalisten. Ich weiß, das kann peinlich werden. (...) Wie schreibt man übers religiöse Ergriffensein?", fragt sich Matthias Matussek zu Beginn. Er hat sich entschieden: für den harten Ritt, für die "Provokation", so verspricht es der Untertitel.

Es bollert also und rumpelt, es zischt und kracht in diesem Buch Seite für Seite, als wolle Matussek die "Apokatastasis" höchst selbst herbeischreiben - diese Zeit "am Ende aller Tage, wenn Gott die Welt wieder in ihren sündenfreien Urzustand versetzt". So beschließt er seinen großen Eingangsessay über die Sünden. Und der ist nur Auftakt für das große Abenteuer der Selbstbeobachtung und der Weltbeschreibung im Zeichen seines Glaubens.

Da Matussek ein Bekenntnis vorlegt, sollte der Rezensent es auch tun: Ich bin nicht gläubig. Das Buch war für mich immer wieder eine Zumutung, eine Verstörung, aber ich habe damit gekämpft, mit Gewinn, und das ist mehr, als man von manchen anderen Büchern sagen kann.

Moderate Töne gibt es selten, aber dann sind sie umso überraschender: die innige Beschreibung eines Gottesdienstes etwa oder eine Reise durch die heutige Glaubenswüsten mit erstaunlichen Begegnungen im Zug, Gesprächen mit Lyrikern, Meditationen über Gedichte und mystische Texte. Dazwischen eine gescheite Unterhaltung mit dem Philosophen Rüdiger Safranski. Aber auch: Polemik, unbändige Lust am Streit, besonders wenn es um den Zustand der Kirche geht. Matussek

erklärt: "Ich bin so leidenschaftlich katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war. Warum? Weil mein Verein angegriffen wird." Ein Verein mit festen Statuten. Solche, die der Autor in höchster Gefahr sieht, wenn der Verein zu sehr mit dem Zeitgeist geht.

Matussek legt seine eigenen Fundamente offen: "Ich bin katholisch, und das ist auch gut so. Ich habe mir die Sache nicht ausgesucht. Sie ist mir in mein Gemüt gelegt, von Kindheit an, so sehr, dass sie mir vorkommt wie angeboren." Aber gibt es das überhaupt? Eine genetische Prädisposition für Gott? Erbgut oder Erbsünde?

Katholische Priester und Nonnen sind für Matussek "Menschen wie weiße Elefanten. Sie sprechen von Gott. Sie sind skandalöserweise nicht von Eigennutz getrieben, sondern von der Liebe zu den Menschen und von der Mission, die frohe Botschaft weiterzugeben. Und sie werden im öffentlichen Gerede behandelt wie Idioten oder Verbrecher. Zumindest bei uns". Gefallsüchtig ist dieses Buch nicht, ganz und gar nicht. Wer allen einfach nur gefallen will, schreibt anders.

Wenn der bekennende Katholik Matussek richtig in Rage gerät, dann kriegen die Atheisten, die die Religion für das Grundübel der Welt halten, postwendend das 20. Jahrhundert mit seinen Mörder-Ideologien ohne Gott um die Ohren gehauen. Dann "muss das Team der Atheisten mit düsteren Bündnispartnern rechnen ..., der atheistischen Spitzenkraft Adolf Hitler". Das ist natürlich unversöhnlich. Das ist der Gegenangriff, das ist die Dialektik des katholischen Ex-Kommunarden Matussek.

Anders als der Großinquisitor der Kirchenkritik, Karlheinz Deschner, Autor der auf zehn Bände angelegten "Kriminalgeschichte des Christentums", will Matthias Matussek nicht von der Sünden-, sondern "ausnahmsweise" nur von der Gnadengeschichte der Kirche reden. Aber das heißt nicht, dass er nicht kämpferisch und abgrenzend von ihr reden würde. Jedenfalls verweigert Matussek konsequent die Umarmungsaufforderung des Bundespräsidenten, was den Islam angeht. Er warnt sogar davor, wenn er über junge fundamentalistische Moslems in Deutschland sagt: "Die Jungs ... ziehen sich den Islam über wie eine Bomberjacke. Und sie setzen die Worte des Propheten ein wie einen Baseballknüppel. Hier ist dann jener Gewaltkern spürbar, der Goethe schließlich davon Abstand nehmen ließ, eine große Theaterhuldigung auf Mohammed zu dichten."

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum der Kinderglaube für Matussek unverzichtbar ist.