Ein hysterischer Prediger, dem wir zuhören sollten: In seinem Buch "Das katholische Abenteuer" lässt Matthias Matussek es zischen und krachen für die Sache des Glaubens.
Der Kulturjournalist Matthias Matussek hat seinen 2330 Facebook-Freunden unlängst Ross Thomas' Thriller "Am Rande der Welt" empfohlen. Dessen Protagonist, ebenfalls Buchautor, bekommt auf Seite 52 zu hören: "Na ja, ich hab's gelesen. Jedenfalls das meiste, aber dann, nach ungefähr drei Vierteln, hab' ich's aufgegeben. (...) Weil ich einfach nicht rausfinden konnte, auf welcher Seite Sie stehen." Nun, es scheint fast so, als hätte sich Matussek diese Kritik für sein neues Buch "Das katholische Abenteuer" zu Herzen genommen. Denn gleich mal vorweg: Eines kann der Leser ganz sicher nicht behaupten - nicht zu wissen, auf welcher Seite Matussek steht.
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"Ich bin so leidenschaftlich katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war": Matthias Matussek bekennt sich in seinem neuen Buch offensiv zu seinem katholischen Glauben und verteidigt die Kirche gegen den Zeitgeist. (© picture-alliance/ dpa)
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"Das katholische Abenteuer" ist ebenfalls ein Thriller, ein "Aufreger". Das Buch könnte sogar ebenfalls "Am Rande der Welt" heißen, denn dahin sieht Matussek seine Kirche und die Rede über den Glauben abgedrängt. Und das will er ändern. "Dies ist das Buch eines Journalisten über Gott und die Welt. Es ist auch das Buch eines religiösen Journalisten. Ich weiß, das kann peinlich werden. (...) Wie schreibt man übers religiöse Ergriffensein?", fragt sich Matthias Matussek zu Beginn. Er hat sich entschieden: für den harten Ritt, für die "Provokation", so verspricht es der Untertitel.
Es bollert also und rumpelt, es zischt und kracht in diesem Buch Seite für Seite, als wolle Matussek die "Apokatastasis" höchst selbst herbeischreiben - diese Zeit "am Ende aller Tage, wenn Gott die Welt wieder in ihren sündenfreien Urzustand versetzt". So beschließt er seinen großen Eingangsessay über die Sünden. Und der ist nur Auftakt für das große Abenteuer der Selbstbeobachtung und der Weltbeschreibung im Zeichen seines Glaubens.
Da Matussek ein Bekenntnis vorlegt, sollte der Rezensent es auch tun: Ich bin nicht gläubig. Das Buch war für mich immer wieder eine Zumutung, eine Verstörung, aber ich habe damit gekämpft, mit Gewinn, und das ist mehr, als man von manchen anderen Büchern sagen kann.
Moderate Töne gibt es selten, aber dann sind sie umso überraschender: die innige Beschreibung eines Gottesdienstes etwa oder eine Reise durch die heutige Glaubenswüsten mit erstaunlichen Begegnungen im Zug, Gesprächen mit Lyrikern, Meditationen über Gedichte und mystische Texte. Dazwischen eine gescheite Unterhaltung mit dem Philosophen Rüdiger Safranski. Aber auch: Polemik, unbändige Lust am Streit, besonders wenn es um den Zustand der Kirche geht. Matussek
erklärt: "Ich bin so leidenschaftlich katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war. Warum? Weil mein Verein angegriffen wird." Ein Verein mit festen Statuten. Solche, die der Autor in höchster Gefahr sieht, wenn der Verein zu sehr mit dem Zeitgeist geht.
Matussek legt seine eigenen Fundamente offen: "Ich bin katholisch, und das ist auch gut so. Ich habe mir die Sache nicht ausgesucht. Sie ist mir in mein Gemüt gelegt, von Kindheit an, so sehr, dass sie mir vorkommt wie angeboren." Aber gibt es das überhaupt? Eine genetische Prädisposition für Gott? Erbgut oder Erbsünde?
Katholische Priester und Nonnen sind für Matussek "Menschen wie weiße Elefanten. Sie sprechen von Gott. Sie sind skandalöserweise nicht von Eigennutz getrieben, sondern von der Liebe zu den Menschen und von der Mission, die frohe Botschaft weiterzugeben. Und sie werden im öffentlichen Gerede behandelt wie Idioten oder Verbrecher. Zumindest bei uns". Gefallsüchtig ist dieses Buch nicht, ganz und gar nicht. Wer allen einfach nur gefallen will, schreibt anders.
Wenn der bekennende Katholik Matussek richtig in Rage gerät, dann kriegen die Atheisten, die die Religion für das Grundübel der Welt halten, postwendend das 20. Jahrhundert mit seinen Mörder-Ideologien ohne Gott um die Ohren gehauen. Dann "muss das Team der Atheisten mit düsteren Bündnispartnern rechnen ..., der atheistischen Spitzenkraft Adolf Hitler". Das ist natürlich unversöhnlich. Das ist der Gegenangriff, das ist die Dialektik des katholischen Ex-Kommunarden Matussek.
Anders als der Großinquisitor der Kirchenkritik, Karlheinz Deschner, Autor der auf zehn Bände angelegten "Kriminalgeschichte des Christentums", will Matthias Matussek nicht von der Sünden-, sondern "ausnahmsweise" nur von der Gnadengeschichte der Kirche reden. Aber das heißt nicht, dass er nicht kämpferisch und abgrenzend von ihr reden würde. Jedenfalls verweigert Matussek konsequent die Umarmungsaufforderung des Bundespräsidenten, was den Islam angeht. Er warnt sogar davor, wenn er über junge fundamentalistische Moslems in Deutschland sagt: "Die Jungs ... ziehen sich den Islam über wie eine Bomberjacke. Und sie setzen die Worte des Propheten ein wie einen Baseballknüppel. Hier ist dann jener Gewaltkern spürbar, der Goethe schließlich davon Abstand nehmen ließ, eine große Theaterhuldigung auf Mohammed zu dichten."
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum der Kinderglaube für Matussek unverzichtbar ist.
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Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
was dieser herr matussek von sich gibt, ist nichts als verdünnte kultur.
Nachdem ich Herrn Matussek in der gestrigen Sendung bei Markus Lanz gesehen habe, hat sich mein Eindruck von erstgenanntem Herrn nochmal auf eine Weise verschlechtert, die ich selber nicht für möglich gehalten habe.
“In seinem Durchschnitt ist der deutsche Katholizismus mies bis dreckig, in seinen Methoden dumm bis dreist.” –
Dieser bemerkenswerte Satz von Heinrich Böll steht im Raum und bleibt dort stehen, denn geistig hat sich in der Kirche, der katholischen, in der Amtskirche wohlgemerkt, nicht sehr viel verändert, denn wir können von Glück reden, daß die katholischen Amtsträger, vermeintlich hochwürdig und erlaucht, in Wahrheit aber nur abergläubig und in der Regel machtbesessen, nicht so können, wie sie gerne wollten, und das gilt nicht nur sexuell.
Zunächst muß bemerkt werden, daß es nicht “den” Katholizismus gibt, von welchem von Herrn Matussek immer in der von ihm gewohnt unreflektierten Weise gesprochen und geschrieben wird. Nehmen wir aber als Grundlage dessen, was offiziell als “gut-katholisch” zu gelten hat, den Weltkatechismus der Römischen Kirche aus dem Jahre 1992, der unter der Federführung Ratzingers entstanden ist, dann finden wir eine Menge gute, bzw. eben eher äußerst schlechte Gründe darin, den real existierenden Katholizimsus zu verabscheuen.
Es beginnt natürlich mit der Feststellung, daß Aadam und Eva auch im 20. und wohl auch noch im 21. Jahrhundert als historische Personen zu glauben sind, bereits damit beginnt das wohl nie enden wollende Widerkäuen eines längst überholten Aberglaubens, der sich an jeder Stelle fortsetzt, wo alte Mythen fälschlicherweise objektiviert und historisiert werden.
Wirklich schlimm aber wird es erst, wenn im Römischen Weltkatechismus nach wie vor die Meinung vertreten wird, daß der Krieg unter bestimmten Umständen als gerechtfertigt und die Todesstrafe als Ausdruck göttlichen Willens angesehen werden kann.
Zwar darf die Katholische Kirche inzwischen und entgegen ihrer blutigen Tradition selber weder Krieg führen, noch Todesurteile fällen, aber ihre ideologische und moralische Rechtfertigung finden sowohl Krieg als auch Todesstrafe immer noch. Natürlich, die nach wie vor feierlich vorgetragene Frauenfeindlichkeit findet in der katholischen Sicht in der Abtreibungsproblematik nach wie vor ungekürzt und unverhohlen ihren Ausdruck, da muß das ungeborene Leben unter allen Umständen, allzumal unter Leugnung von tragischen Lebensumständen gegen
Intellektuelle sind Menschen, die (mindesetn) die Fähigen zu differnziertem Urteil haben.
Die hat Matussek nicht.
Er betet seine Überzeugung herunter, belegt sie mit Gefühlen und diffamiert alle, die anders denken als er.
Wer will, kann seine Ergüsse lesen. Man muss es nicht. Und es bringt auch nichts. Für Überzeugte sind sie unnötig, weil die ohnehin überzeugt sind. Für Zweifelde sind sie wertlos, weil undifferenziert und eindimensional. Für Gegner sind sie nur zum Abwinken. Wer sich provoziert fühlt, der denkt nicht.
Endlich mal ein Thema, bei dem wir uns einig sind.
Wenn Matussek immer noch mit den alten Hüten wie "Atheisten = Nazis" kommt, als wenn diese 'Argumente' nicht schon 1000 mal als Blödsinn widerlegt worden wären (ich werfe mal den Begriff "Säkuläre Religionen" ins Feld, will das Fass jetzt aber nicht nochmal neu aufmachen), kann man sich das Buch sparen. Es sei denn, man will - von welcher Seite auch immer - seine Vorurteile mal nochmal bestätigt bekommen.
Und 'kämpferisch' - mit ein paar Kraftausdrücken lässt sich so etwas leicht simulieren, wie wäre es stattdessen mal zur Abwechslung mit intellektueller Schärfe? Wie gesagt, meine Vorurteile (ich nenne sie jetzt mal aus Gründen der Objektivität so) wären mal wieder bestätigt.
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