Neues Album "Stardust" Lena bleibt im All

Vom Satelliten zum Sternenstaub: Lena Meyer-Landrut stellt in Köln "Stardust" vor, die Platte, die sie am 15. Oktober veröffentlichen wird. Es ist ihr drittes und gleichzeitig erstes Album. Das ist gut genug, um die Hundepension noch etwas warten zu lassen.

Von Hans Hoff

Lena ist aufgedreht. Es klingelt. Lena eilt zur Tür. Sie öffnet. "Hallo", sagt sie und strahlt. Zwei Dutzend Gäste hat sich Lena eingeladen. In ihr privates Wohnzimmer. So stand es auf der Einladung. Aber natürlich ist es nicht ihr privates Wohnzimmer, das liegt ganz woanders in Köln. Es ist nur eine luxuriöse Hoteletage. Hier will Lena ihre neue Platte vorstellen. Ihre erste quasi, weil sie zum ersten Mal alle Fäden selbst in der Hand hält. "Wie absurd, es ist mein drittes Album", sagt sie. "Es fühlt sich trotzdem an wie mein erstes Album, weil alles so neu ist."

Stardust", zu Deutsch: Sternenstaub, soll die Platte heißen, die am 15. Oktober veröffentlicht wird. "Ich habe so viel Herzblut reingesteckt", sagt Lena. Die meisten Lieder hat sie selbst geschrieben oder wenigstens mitkomponiert. Es ist ihr Ding. Das will sie zeigen.

Vor das Zeigen haben die Organisatoren aber noch ein Abendessen gepackt. Zwei Gänge muss Lena aushalten, bevor sie rauslassen darf, was ihr am Herzen liegt. Also plappert sie einfach los. Sie redet viel. Über ihre Vergangenheit im Musikgeschäft, über ihren Hit "Satellite", mit dem sie 2010 zur großen Überraschung den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat. Danach kam das Projekt ESC-Titelverteidigung, das nur leidlich gelang, und irgendwann war es allen ein bisschen zu viel. Der Öffentlichkeit ein bisschen zu viel Lena und Lena ein bisschen zu viel Öffentlichkeit.

Nach den zwei Jahren war ich ausgepustet und leer", gesteht sie und plaudert vom allerersten Kuss und von ihrer Hundeleidenschaft. Nächstes Jahr will sie sich endlich einen anschaffen. Vielleicht. Nach der Klub-Tournee im Frühjahr, wenn wieder etwas Ruhe in ihr Leben kehrt. Und wenn alles nicht klappt mit der Musik, dann will sie vielleicht eine Hundepension aufmachen. Irgendwann mal.

Erst aber sind ihre Lieder dran. Nun müssen alle Gäste in die Sitzecke und von einem Sessel aus stellt Lena jeden Titel einzeln vor. Vom Titelsong "Stardust" sagt sie, beim ersten Hören habe sie gedacht, das klinge, als ob Michael Jackson die Kelly Family treffe, aber dann hätten die wilde Trommelei und die leicht indianerhaften Schlachtengesänge es ihr angetan. Als das Lied läuft, hibbelt Lena herum, als wolle sie jeden Augenblick aufspringen und tanzen. Soll sie aber nicht. Sie ist ja Gastgeberin. Stattdessen singt sie mit, streicht ein ums andere Mal ihr langes Haar zur Seite.

Acht Lieder stellt sie vor, eines sogar live mit einem Gitarristen. Es sind viele swingende Titel dabei, alle ein bisschen vertrackt und mit viel Text pro Takt. Lena-Style eben. Kein glatter Pop, eher verspielte Zustandsbeschreibungen einer 21-Jährigen, die nach all dem Stress der ESC-Jahre befreit aufspielen möchte. Kein Stefan Raab hat mehr mitgemischt, weshalb auch die Verantwortlichkeit für Fehltritte klar zu adressieren ist. "Ich bin alles selber schuld", sagt Lena stolz.

Ich hoffe, ihr fühlt euch so, als habe es sich gelohnt", sagt sie schließlich zu ihren Gästen und bittet zum Nachtisch. Doch, hat sich gelohnt. Zumindest so sehr, dass man es durchaus schade finden könnte, wenn diese späte Göre mal mit dem Singen aufhören würde. Das mit der Hundepension kann warten.