Nachruf Walter Mossmann gestorben

Leben, kämpfen, solidarisieren: der Liedermacher Walter Mossmann (1941-2015).

(Foto: Regina Schmeken)

Er war ein populärer Liedermacher, Autor und einer der ersten Aktivisten in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Nun ist Walter Mossmann im Alter von dreiundsiebzig Jahren in Breisach an Krebs gestorben.

Von Hilmar Klute

Ein heißer, heller Tag in Freiburg, Walter Mossmann saß im Straßencafé und ließ sich den Kaiserstuhlwein schmecken - das immerhin klappte wieder nach der Operation, die ihn seine Sing-Stimme gekostet hatte. Ein schwerer Verlust sei das, sagte er, "weil Singen ein körperlicher Ausdruck von Leben ist". Zum Glück war dieser große Liedermacher nicht nur mit einer sehr schönen Stimme gesegnet, die er durch den Krebs verloren hatte, sondern auch mit einer trotzigen Ironie, die ihm geblieben war: "Ich bin eigentlich auch froh, dass diese Klampfenzeit vorbei ist."

Die Klampfenzeit begann für Mossmann - wie für seine Kombattanten Wader, Degenhardt, Mey - beim internationalen Chansonfestival auf der Burg Waldeck. 1966 war das, Mossmann drechselte noch seine metaphernverschraubten "Achterbahn-Chansons". Dann kamen die Siebziger, kamen Radikalenerlass, Berufsverbot und Unvereinbarkeitsbeschluss. Walter Mossmann, der zu dieser Zeit eine Jugendsendung beim SWR moderierte, geriet in Konflikt mit dem Sender, dem Mossmanns unverstellte "Lust an der Demokratie" nicht ins Programm passte. Er begann wieder Lieder zu schreiben, solche mit direkten politischen Gebrauchsanweisungen. Als im badischen Wyhl ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte, wurde Mossmann zum Sänger der Anti-Atom-Bewegung und ein bisschen wohl auch zu einem Volksbarden der politischen Linken. Im Wendland, im Elsass und in Baden, seiner Heimat, deren radikaldemokratische Geschichte er in seinen Liedern immer wieder abrief. Lyrische Reportagen waren das, genau recherchierte Zustandsbeschreibungen - übrigens auch der linken Szenen, über deren "sanfte Übergänge" ins Establishment Mossmann hübsch spotten konnte. Vor wenigen Jahren schlenderte er in Gorleben bei einer Demo mit und erläuterte sehr lässig, wie Protestierer und Polizisten gerade lustvoll die große Eskalation inszenieren: "Anfangs wäre das hier vor Langeweile fast erstickt, jetzt kommt Bewegung rein - alle sind glücklich." Er ließ sich nichts vormachen, nicht von den Freunden, nicht von den Feinden. Eine seiner berühmten Balladen ist die vom fahnenflüchtigen Matrosen Walter Gröger, an dessen Hinrichtung der Marinerichter und spätere Ministerpräsident Hans Filbinger 1945 maßgeblich beteiligt war: "Den heimwehkranken Matrosen traf zehnmal die Kugel aus Blei. In sauber gebügelten Hosen stand Herr Filbinger aufrecht dabei." In späteren Jahren sagte Mossmann seinen Mitstreitern, das abschreckende Beispiel von Filbingers Biografie "sollte uns anhalten über eigene Irrtümer nachzudenken".

Mossmann war ein Radikaler im besten, im aufgeklärten Sinn. Er hat Chansons von stacheliger Poesie geschrieben und Balladen, in denen man bestaunen kann, wie schön und relevant politische Lieder sein können, wie sinnlich und aufregend politisches Denken sein kann: Am Freitag ist Walter Mossmann 73-jährig in Breisach an Krebs gestorben.